Brot ist ein essentielles Grundnahrungsmittel und deshalb in vielen Traditionen verankert. Petra Holzapfel stellt uns Bräuche rund um den Tag der Heiligen Agatha vor.
Am 5. Februar ist der Tag der Heiligen Agatha, einer schönen sizilianischen Christin, die im 3. Jahrhundert den grausamen Märtyrertod starb, da sie das Werben des heidnischen Statthalters beharrlich abwies. Um sie zu quälen, wurden ihr bei der Folter beide Brüste abgeschnitten. Es wird erzählt, dass die Einwohner von Catania den Lavastrom des ausgebrochenen Ätna mit einem Schleier von ihrem Grab aufhalten konnten, daher hilft Agatha bei Bränden und gilt als Patronin der Feuerwehr. Daneben ist sie Schutzheilige bei Brustleiden, Fieber, Hungersnot, Unwetter, Viehseuchen, Erdbeben und Unglück.
Ihr zu Ehren wird von Gläubigen in vielen Gegenden Deutschlands, Österreichs, Liechtensteins und der Schweiz am 5. Februar Agatha-Brot oder Agatha-Brötchen zum Weihen in die Kirche gebracht. Der Pfarrer kommt aber teilweise auch schon am frühen Morgen direkt in die Bäckerei und segnet dort das ofenfrische Brot. Manchmal werden die Brotlaibe mit einem Agathazettel – auch in Form eines verzierten Papierherzens - versehen. In der Innerschweiz kennt man Agatha-Ringli, ein Weißbrotgebäck in Ringform, das aus gesegnetem Mehl hergestellt wird.
Mit dem Agathabrot sind viele bäuerliche Bräuche verbunden: So sollte immer ein Stück Agathabrot im Hause aufbewahrt werden, was angeblich nicht schimmlig werden konnte. Dadurch wurde sichergestellt, dass immer ausreichend Brot für die Familie vorhanden war. Agathabrot wurde Kranken gereicht sowie Dienstboten, die eine neue Stelle antraten.
Ein Stück Agathenbrot sorgte dafür, Feuer zu löschen. Manchmal wurden in den ersten Brotlaib, der beim Brotbacken in den Backofen kam, die 5 Finger der rechten Hand eingedrückt und dazu ein Segenswunsch gesprochen. Wenn eine Feuersbrunst im Orte ausbrach, wurde dieser "Grifflaib" ins Feuer geworfen.
Ein Stück des gesegneten Brotes auf Reisen sollte gegen Heimweh helfen. Deshalb steckten Mütter ihren Töchtern und Söhnen ein Stückchen ins Gepäck oder nähten es sogar in ihre Kleidung ein, wenn diese aus beruflichen Gründen in die Ferne zogen.
Aber nicht nur beim Menschen, auch beim Tier versprach das Agathabrot Gutes zu tun: In den Ställen wurde ein Stück deponiert und galt als Schutz- und Heilmittel für das Vieh. Die Bauern nahmen das Agatha-Brot mit auf die Alp, um es in den Hütten als Schutz für das Vieh neben dem Kreuz hinzustellen. Schon vor dem Weideauftrieb wurden die Tiere mit einem Stückchen gefüttert, um Unheil von den Tieren fernzuhalten. Den Kühen gab man es vor dem Kalben.
Übrigens sollten wir auf gutes Wetter am Agathatag hoffen! Denn „An St. Agathe Sonnenschein, bringt recht viel Korn und Wein“.
Wie wäre es mit einem selbstgebackenen hellen Mischbrot für den Agathatag?