Was tun, wenn man plötzlich „Besitzer“ einer Ladung Quitten ist? Ein Erfahrungsbericht...
Man lernt sein Leben lang nicht aus. Und ich habe auch gerade wieder etwas dazu gelernt: Lieber in Deckung gehen, wenn große Eimer mit Obst im Verlag herumstehen, die mit einem Hinweis „zu verschenken“ versehen sind. Letzte Woche kannte ich diese neue Lebensweisheit noch nicht und war plötzlich Besitzerin einer riesen Ladung Quitten. „Frau Müller das ist ja toll. Wir teilen uns die Quitten, jeder probiert ein Rezept aus und dann schreiben Sie darüber“, verkündete meine Chefin frischfröhlich und schon wurden die Quitten fair durch zwei geteilt und ich war auf einmal stolze Kernobstbesitzerin.
Quitten, und nun? Da ich die Quitten nicht gleich am selben Tag mit nach Hause nehmen konnte, durfte ich mich am nächsten erst mal über einen neuen Raumduft im Büro freuen - gut riechen können sie schon mal, die kleinen Apfelquitten. Und was steckt noch so in ihnen? Nun war erst mal vorsichtiges Beschnuppern angesagt, denn mit Quitten hatte ich tatsächlich noch nie was gemacht. Was sollte es also werden? Quittengelee, Quittenlikör oder doch Quittenmarmelade? Nach langem Durchstöbern unserer Quittenrezepte fiel mein Entschluss: Ein Quittenkuchen musste her (für Likör & Co. hätte ich mir erst mal eine neue Ladung Flaschen bzw. Gläser anschaffen müssen, mein Backutensiliensortiment hingegen war sofort startklar).
Gestern war es dann also so weit: der Tag der Quitten. Unter neugierigen Blicken meiner beiden Katzen startete ich das Quittenprojekt. Der Teig des Kuchens ließ sich kinderleicht zubereiten und stimmte mich schon mal recht positiv. Klappt doch, das mit den Quitten und mir. Schritt zwei des Rezeptes übermannte mich dann aber doch: Wusstet Ihr schon, was für ein riesen Aufwand es ist, ein Kilogramm kleine, harte Quitten zu entkernen und zu schälen? Ganz ehrlich, eine wahre Freundschaft zwischen Quitten und mir wird sich wohl nicht entwickeln (zumindest, wenn sich kein anderes Opfer zum Quittenzerkleinern findet).
Die nächsten Rezeptschritte schafften es dann zum Glück, mich wieder milde zu stimmen. Statt Nelken landeten in meinem Quittensud zwei Vanilleschotenhälften und vorweihnachtlicher Duft verbreitete sich in meiner Wohnung. Getoppt wurde das ganze noch von dem herrlichen Geruch des Haselnussteiges, als der Kuchen dann mal im Ofen stand (große Aufregung bei den Katzen: Wer bekommt den besten Platz in Backofennähe?).
Jetzt noch schnell zuckersüßes Baiser auf den Kuchen, fertig war das Quittenprachtstück. Nur eine Frage war bis jetzt natürlich immer noch nicht beantwortet: Duften sie nur toll oder schmecken Quitten tatsächlich? Volltreffer, der Kuchen kann sich schmecken lassen! Auch mein Freund war hellauf begeistert und meinte, seine Liebe zu Quitten entdeckt zu haben. Auch gut, schon hatte ich mein Opfer für die nächste Quittenzerkleinerungsaktion gefunden. (ja, Ihr lest richtig. Der Geschmack hat auch mich davon überzeugt, den Quitten noch eine Chance zu geben.) Quitten gut, alles gut? Nicht ganz: Die Katzen, die zogen beleidigt davon. Ist schon eine große Frechheit, wenn so etwas herrlich Duftendes nicht für sie gebacken wurde…
Begutachtung: Quittenpremiere in meiner Küche (Foto: Bettina Müller)
Erster Zwischenstand: Teig und Quitten überzeugen schon ohne Baiser durch ihren Duft (Foto: Bettina Müller)
Doch ohne Baiser geht's natürlich nicht... (Foto: Bettina Müller)
Frisch aus dem Ofen: mein erster Quittenkuchen (Foto: Bettina Müller)
Der Geschmackstest hat schließlich überzeugt.... (Foto: Bettina Müller)
vor, dass mit den Quitten, bei mir war es eine ganze Schubkarre voll. Was für ein Duft.........
Dieser herrliche Bericht, ich hätte es nicht so schön schreiben können liebe Bettina.
Doch die Arbeit lohnt, Dein Ergebnis ist sehr lecker und ich bin auch ganz glücklich über meinen vielen Versuche die ich in Sachen Quitten so probieren konnte und ich ich kann noch genießen. Habe ich doch so tolle Rezepte wie Quitten-Sirup und diesmal auch eine Art Quittenhonig gemacht und ein Quitten-Sorbet, dass selbst bei dieses frostigen Temperaturen noch immer Gelüste weckt. Und Quitten und die Verbindung mit Portwein ist ein Geschmackserlebnis und überhaupt ich habe diese ganze Schinderei mit den Quitten, denn das ist schon eine Arbeit, überhaupt nicht bedauert, zwar gestöhnt, aber was soll's, die schmecken und das Aroma und und...................Ja und auch so ein Quitten-Senf oder Chutney mit "Foie gras" muss ich mir unbedingt mal für heute Abend überlegen.