Auf den ersten Blick eine zitronengelbe Melone, auf den zweiten die wohl größte Zitrusfrucht ihrer Art: die Riesenzitrone zum Löffeln - neulich entdeckt beim Gemüsemann.
Melone mit Zitronenhaut oder doch eher Zitrone in Melonengröße?
In meiner Straße gibt es einen kleinen Laden. "Gundelinde" steht in geschwungenen Lettern am Fester, eine grün-weiß Markise spendet den Früchten in der Auslage Schatten. Oft komme ich hier vorbei und bestaune, was unsere Nachbarn früh morgens frisch aus der Großmarkthalle mitgebracht haben.
Die Riesenzitrone im Schlaraffenland
An Obst und Gemüse finde ich hier garantiert immer, was gerade Saison hat. Im Moment reiht sich eine hübsche Spargelstange an die andere, rosafarbener Rhabarber bringt Farbe ins Spiel und frische Salbeitöpfchen säumen das Ensemble. Drinnen - im hübschen Ladenlokal mit Tante-Emma-Tresen - gibt's zudem immer ein paar Brote (Das mit Karotte und Mandel ist mein Favorit!), frische Pasta vom Lieblingsitaliener der Inhaber, Serrano-Schinken, den der Chef höchstpersönlich in hauchdünnen Scheiben vom Stück schneidet, ein oder zwei selbstgebackene Kuchen (Schoko-Nuss, ein Traum!) von "Frau Gundelinde" und jede Menge anderer Leckereien.
Jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Bei meinem letzten Beutezug sprang mir eine gelbe Riesenfrucht ins Auge. Auf den ersten Blick eine zitronengelbe Melone, bei genauerer Betrachtung eine Melone mit knubbeliger Zitronenhaut und nach ausgiebigem Betasten und schlussendlich heimlichem Anheben eine recht leichte, aber optisch opulente, runde Frucht vom Ausmaß einer Honigmelone. "Das ist eine Riesenzitrone. Super aromatisch, kann man einfach so Löffeln!", rief mir Philipp, mein Nachbar und Chef der Gundelinde, begeistert zu.
Vitamin- und Aromabombe von der Amalfi-Küste
Eine Zitrone, so aromatisch und mild, dass sie einfach so gelöffelt werden kann? Das musste ich probieren, die Riesenzitrone wanderte unverzüglich in den Einkaufskorb und ich schleppte meine Beute gespannt nach Hause. Ohne ein klein wenig Recherche im Vorfeld wollte ich aber dann doch nicht einfach hineinschneiden, in die mysteriöse Riesenfrucht:
Ihren Ursprung hat die Riesenzitrone wohl an der Amalfi-Küste in Italien. Dort wird sie seit Urzeiten angebaut, auf eigens angelegten Terrassen zwischen Bergen und Meer. Innerhalb eines halben Jahres wächst die sogenannte Amalfi-Zitrone auf die Größe einer Melone heran und ist damit die größte ihrer Art. Umso besser, dass sie meist im Ganzen verarbeitet wird, so zum Beispiel für italienische Süßspeisen.
Zitrone pur - einfach mal löffeln...
Beim Aufschneiden meiner Riesenfrucht traf ich auf jede Menge weißes Fruchtfleisch. Ich löffelte drauf los und griff dann doch zu etwas Zucker, um mir den zwar deutlich milderen, weniger bitteren, aber eben doch zitronig-sauren Geschmack etwas zu versüßen. Sehr erfrischend, das Ganze. Und vielleicht ja hin und wieder eine fruchtige Alternative zur Frühstücks-Grapefruit im Sommer, wer weiß?!
Dennoch interessiert mich, wie man aus dieser erstaunlichen Frucht ein Dessert zaubert. Liebe Küchengötter, ich habe hier in unserem riesigen Rezeptpool leider keines gefunden. Habt Ihr eine Idee?
jetzt kommt eine Geschichte von König Artus oder Prinz Eisenherz. Es geht um Amalfi-Zitronen. Noch nie gehört, noch nie gesehen. Und ein Rezept? Jamie Oliver soll eins in seinem Kochbuch "Italian" (?) haben. Nun, da ich jetzt nicht so ein großer, eher ein sporadischer J.O.-Fan bin, hier eine Adaption des Rezepts, das ich nun wieder unter all den Look-a-likes am schönesten fand. Tja, liebe Maike, und dann sehnt sich natürlich jede Zitronentarte nach Amalfi-Zitronen. Wenn mir jetzt noch einfiele, wie die letzte Torte hieß, die ich zu Ostern gebacken habe. So etwas von zitronig-extra fein...