Betretenes Schweigen herrschte am Tisch, als in unserer letzten Redaktionsrunde das Thema „Diät“ in die Runde geworfen wurde. Können Gerne-Esser überhaupt diäten?
Offensichtlich sind wir alle ganz zufrieden
mit unserem Gewicht, unserer Figur, jedenfalls konnte und wollte niemand so
recht mit eigenen Erfahrungen rausrücken. Bis mein vorlautes Mundwerk mir den
Zuschlag einbrachte, allerdings war meine einzige Diät-Erfahrung ein Reinfall
erster Güte.
Ich gehöre zu der Sorte Menschen, die sich nie
sonderlich viel Gedanken um Ihr Gewicht gemacht haben, weil sie einfach essen
können was sie wollen, ohne dabei groß zuzunehmen. Wie ungerecht! Wie man es
nimmt, dafür musste ich mich meine Kindheit lang mit lieben Verwandte
rumschlagen, die meinten, das extra Stück Torte würde mir endlich etwas Fleisch
auf die Rippen bringen. „Des Moidl is ja zaundürr“ war eine beliebte Ausrede um
mir eine XL-Portion von was auch immer vor die Nase zu setzen. Unser Hausarzt
überzeugte schließlich meine Eltern, dass ich kerngesund war und aus dem
spindeldürren Kind wurde eine schlanke Studentin mit überaus gesundem Appetit.
Wäre da nicht jener verhängnisvolle Tag gewesen, an dem ich beschloss, eine
Personenwaage für mein Badezimmer zu kaufen.
Zum ersten Mal in meinem Leben zollte ich
meinem Körpergewicht Aufmerksamkeit und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Als
das Display mir nach nur wenigen Tagen zwei Kilo mehr anzeigte als zu Beginn,
war ich zunächst leicht irritiert, aber überzeugt, das schnell wieder in den
Griff zu bekommen. Nicht mit Kohlsuppen-Orgien oder Ananas-Diät – eine Mischung
aus FDH (Friss die Hälfte) und
kalorienbewusster Ernährung war meine Wahl. Ein Kalorien-Kompaß wurde gekauft,
Knäckebrot, körniger Frischkäse und Gurken verdrängten studentische Grundnahrungsmittel
wie Toast und Nutella vom Einkaufszettel und meine Freunde amüsierten sich über
meine neu entdeckte Leidenschaft. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten,
meine Waage zeigte wieder mein Anfangsgewicht und damit hielt ich das Thema für
erledigt. Wie ich mich getäuscht hatte! Ich könnte jetzt von den unzähligen Auf
und Abs des darauf folgenden Sommers erzählen, die abgenommenen Kilos waren
nämlich innerhalb kürzester Zeit wieder da, meist sogar noch eines oben drauf.
Zumindest wurde mir damals erschreckend deutlich klar, dass der vielzitierte
Jojo-Effekt kein Ammenmärchen der Diät-Industrie war.
Gerade als ich mich schweren Herzens von
meiner liebgewonnenen Kleidergröße verabschiedet hatte und mein Umfeld mir mit
leicht spöttischen Bemerkungen bescheinigte, dass ich doch die letzten Monate
etwas zugenommen hätte, da kam Rettung in völlig unerwarteter Form. Ich
verliebte mich Hals über Kopf! So schafften die ersten Wochen Schmetterlinge im
Bauch, was alle Disziplin und penibles Kalorienzählen bei mir nicht vermocht
hatten: Ich erreichte mein altes Gewicht und passte wieder in meine
liebgewonnenen Jeans.
Heute, fast neun Jahre später, kann ich über meine
verkorkste Diät-Erfahrung nur lachen. Seit dieser unsäglichen Geschichte esse
ich wieder was mir schmeckt, ohne einen Gedanken an die enthaltenen Kalorien zu
verschwenden. Natürlich nehme ich auch dann und wann mal ein Kilo zu, was ich
heute allerdings nur daran merke, dass ich meinen Jeans-Gürtel ein Loch weiter
stellen muss. Noch hat sich das aber auch ohne Diät-Panik immer innerhalb kurzer
Zeit von selbst wieder eingependelt, Kleidergröße und Herzensliebster sind nämlich
beide immer noch dieselben.
Und die Badezimmer-Waage? Die wurde damals
verbannt, schließlich hatte mit ihr das ganze Unheil erst angefangen!
Wie sieht's bei Euch aus, kann jemand eigene Diät-Erfahrungen beisteuern?
Wer übrigens besonders leichte Kost, fettarme Gerichte oder etwa Rezept-Idee nach dem Glyx-Prinzip sucht, wird bei den Küchengöttern natürlich auch fündig...