Die Zeiten sind vorbei, als es in den Obstläden nur drei Apfelsorten gab: rote, grüne, gelbe. Vor allem im Oktober kommen Apfelfreaks voll auf ihre Kosten. Lest selbst.
Für Sebastian Dickhaut dreht sich im Oktober alles um Äpfel.
Es gibt keine
dummen Fragen, nur dumme Antworten. Es gibt aber auch Ausnahmen: „Wie war ich?”
etwa ist wirklich ein dumme Frage, worauf „Bei was?” die verdient clevere
Gegenfragenantwort ist, bei was auch immer. Ich persönlich bekomme ja immer
Denkschwäche, wenn mich jemand nach meinem Lieblingsessen fragt. Ja was glauben
die eigentlich, was ich hier mache? Da reise ich durch die weite Welt, fische
aus hundertjährigen Teichen gelierte Lotusblütenkeimlinge, koche die von
morgens bis mittags, esse sie von mittags bis abends und schreibe von abends
bis morgens drüber – und dann wollt ihr mich auf Kindergeburtstag runterzerren
(Pizzaaaaaa!), mich auf EINE Mickermahlzeit reduzieren, fragt MICH nach meinem
LIEB-LINGS-ES-SEN!?
Meine liebste Droge
Aber gut: Äpfel.
Die sind es. Mein Lieblingsessen. Besonders im goldenen September bis Oktober,
wenn dieses fade Loch endlich hinter uns liegt, das sich zwischen Mai und Juni
auftut, wenn die Lageräpfel vom Vorjahr nur noch seifig sind und aus Übersee
bloß noch rotbackige Wasserhülsen zum Anbeißen kommen. Bis dann spät im August
hoffentlich die ersten Klaräpfel in den Bäumen hängen und die ganze Welt wieder
Apfelduft atmet, als wäre es das erste Mal. Nehme ich davon dann meinen ersten
Mund voll, ist das so, als hätte sich nach langer Durststrecke ein Quell mit
Apfelmost im Fels aufgetan. Oh ihr Klaräpfel - außen von einem fast
durchsichtigen Grün, gefüllt mit einem Fruchtfleisch, das wunderbar zwischen
fest, flüssig und gasförmig schimmert. Mein liebste Droge.
Bis die
Gravensteiner kommen. Das sind Äpfel! Und dann dauert es nicht mehr lange, bis
sie sich alle um meinem Obstmann scharren: Berlepsch, Goldreinette, Boskoop,
Cox Orange, Topaz, ja selbst ein jungfräulicher Golden Delicious ist in diesen
Zeiten ein kulinarischer Gewinn, der erklärt, warum er mal so geliebt wurde - um
dann so beliebig wie Chardonnay zu werden.
Von Alkmene bis Winterbananenapfel
Streift man dann
noch über die Bauernmärkte und Apfelgärten im Land, fallen einem inzwischen
hunderte von Raritäten mit lustigen Namen und ungewohnten Aromen zu. Denn
unsere neue Liebe für alte Sorten hat dazu geführt, dass die Zeiten längst
vorbei sind, in denen man nur drei Sorten Äpfel kannte: rote, gelbe und grüne. Das
sind der Altländer Pfannkuchenapfel, die Berliner Schafnase, der Steirische
Maschanzker oder die Portugiesische Lederreinette zu Gast, da regieren der
Geflammte Kardinal, der Minister von Hammerstein oder Kaiser-Wilhelm-Apfel, da
haben wir alles von Alkmene bis Winterbananenapfel.
Äpfel also.
Duftige saftige süße zarte mürbe knackige Äpfel. Morgens im Müsli, mittags zu
Puffer oder Hering, zwischendurch auf die Hand, abends mit Quark. Nun wisst ihr
es. Wie? Was ich am liebsten trinke? Dumme Frage.
Und auf welche Äpfel und was sonst noch freut Ihr Euch im Okotber?
...mir schnell einen Apfel holen!