Vom Frühstück bis zum Nachmittagskaffee mit Fleischerhaken und Schaschlikspieß an Eiern vom Lachs. Plus dem Aufruf an alle Küchengötter, sich was Kostbareres zu wünschen.
Alles Übungssache - unser Guide durch die Welt des Eierausblasens. Fotos: Dickhaut
Die Überschrift zeigt, dass hier eine Zäsur stattfindet. Dass ich hier nicht mehr kosten kann, was ich will, weiß ich ja schon lange, und dass ich kosten muss, was ich nicht will, auch. Dass ich mir das auch noch selbst kochen muss - na gut. Aber dass ich jetzt auch noch basteln statt kosten soll… Und dann auch noch mit Eierschalen, wo wie ich doch in Werken immer eine echte Gefahrenquelle war, so dass Frau Kloster immer nervös zwischen mir und dem Feuerwehrknopf hin und her pendelte, um nur ja im rechten Moment an der richtigen Stelle zu sein. Solche Leute werden dann Koch, wenn sie aus der Berufsberatung kommen.
Tja, wäre ich dabei geblieben, wäre mir dieser Morgen erspart geblieben. So aber schreckte ich um sechs hoch mit dem Gedanken: „Um neun muss ich was über Eierausblasen geschrieben haben.” Keine 45 Minuten später stand ich vor dem Kühlschrank und stellte fest: keine Eier da. Und der Eierhändler macht erst um neun auf. Also erst mal gesurft und in diversen Foren die richtige Taktik dieses mir völlig fremden Vorgehens erkundet. Ein oder zwei Löcher, kleine oder große, von Mund pusten oder per Spezialgerät, auswaschen, abkochen oder einfach so lassen?
Dann erst mal auf einen Tee mit Rosinenschnecke zum Discount-Bäcker und dann weiter zum Eiermann, der mir so lange von seiner Wohnungssuche, dem Bollywoodtanz und ICE-Stoßzeiten erzählte, dass ich erst an der Ampel merkte, dass ich zwar Meeresalgen und Kokosjoghurt in der Tüte hatte, Eier aber nicht. (Der Eiermann ist nicht nur gesprächstechnisch gut sortiert.) Also zurück und dabei gleich noch eine Dose Kaviar vom Russen nebenan mitgenommen, vielleicht lassen sich ja Lachseier auch ausblasen, obwohl das wegen Ostern ja eigentlich unser Seehasenrogen hätte sein müssen, aus dem der schwarze deutsche Kaviar gemacht wird.
Haken ja, Stocher nein
Dann in der Küche probiert, mit den Zahnstocher ein Loch zu bohren. Ei kaputt (unten in Step 1, rechts). In der Schublade nach der Eieruhr mit Pikser gesucht, aber nur einen Fleischerhaken gefunden und den mit dem Griff des Kartoffelmessers behutsam reingeklopft. Ei noch ganz (Bild 1, links). Und gleich mit dem Loch in der richtigen Größe. Gewendet, geklopft, immer noch ganz. Perfekt. Ei Nummer 2 ging entzwei, Nummer 3 erst nach der Hälfte, bis die Taktik stand: Erst die Spitze lochen, dann die Basis. Und zwar direkt im Eierkarton. Aus dem nach dem Wenden das Ei aber schnell raus muss, sonst klebt es fest.
Jetzt Internetwissen: Einen Schaschlikspieß oben ein- und unten wieder ausführen, gut rühren und ruhig auch mal schütteln (Bild 2). Raus damit und blasen - schwupp, aus is. Also: ausgeblasen (Bild oben). Das machte so viel Freude, dass ich am Ende vier von der Sorte hatte und dachte: So, jetzt ist Mittagszeit, das mit dem Kaviarausblasen lassen wir mal lieber, drum gibt’s erst mal zu essen.
Algen kleingeschnitten, in Salzbutter kurz gedünstet, Eier mit dem Kochlöffel verkleppert und in die Pfanne geben. Leicht anstocken lassen, dann mit dem Löffel schieben, bis es schöne Schollen gibt und es noch ein klein wenig suppt. Den Kaviar dekorativ darauf verteilt, die Pfanne runtergezogen und noch 1 Minute ruhen lassen (Bild 3). Butterbrot geschmiert, Mittag gegessen, Kaffee getrunken, Ei angemalt und mit King-of-the-World-Schrei an den Lorbeer vors Büro gehängt (Bild 4). Und nun endlich was drüber geschrieben. Aber jetzt habe ich auch mal eine Bitte:
Aufruf: Bitte gebt mir was Kostbareres!
Sagt mir, was ich kosten soll. Ja, Ihr, liebe Küchengötter da draußen, denn wer weiß, was sich die hier drinnen als nächstes ausdenken. Also schnell bitte. Darf auch ruhig mal was Wildes sein, weil wilder als Eierausblasen geht’s nicht mehr.
Step 1: Fleischerhaken ja, Zahnstocher nein.
Step 2: Ei am Spieß sorgt später für bessere Ausblasigkeit
Step 3: Ei hoch zwei - sanft gerührt mit Algen und Kaviar.
Step 4: Da sieht doch alles gleich viel schöner aus.
Siehst Du Sebastian,
der Aufwand hat sich doch wirklich gelohnt und ich habe endlich eine perfekte und geprüfte Anleitung zum Eierausblasen. Jetzt kann Ostern kommen. ;-)
Ach so, wenn Du jedes Ei so toll "selbst bemalst", solltest Du damit vielleicht ein zweites Standbein aufmachen. ;-)