„Könnte man Melonen heiraten, dann wär für mich die Mademoiselle Charentais die Richtige fürs Leben. Und La Wassermelone höchstens ein heißer Urlaubsflirt.”
La Charentais in ihrer ganzne Pracht auf dem Schreibtisch Foto: Dickhaut
Klar sieht die toll aus! Außen sattes Flaschengrün, innen strahlendes Sommerrot irgendwo zwischen Klatschmohn und Sonnenaufgang vor einem richtig heißen Tag. Und das Fruchtfleisch hat nicht nur im Anblick was Granitahaftes, es erfrischt auch ebenso erregend auf der Zunge, wenn man sich in eine kühle Spalte Wassermelone vertieft, was ja schon alleine so herrlich frech aussieht, dass jedes Model sich gerne dabei fotografieren lässt, mit ausgelassenem Kichern, denn wann kann man schon mal ohne Reue so wunderschön und großzügig reinhauen?
Jetzt stellt Euch noch vor, Ihr habt Gartenfest und dann kommt so ein Supermodel durchs Türchen, eine Wassermelone lässig in die Hüfte gestemmt, mit der sie die jetzt in Richtung Barmann schnickt: „Nachtisch, mach mal voll mit Wodka.” Und all die Frauen, die mit einem schicken Schokomousse oder einem rassigen Obstsalat in der Schüssel zum Fest gekommen sind, werden sie hassen, weil und weswegen die Kerle denken: „Na die hat aber Kraft und Grandezza und es raus.” Nur Geschmack hat sie kaum. Denn wenn sie auch noch so ein Klassewassermelone ist, denke ich spätestens nach dem zweiten Bissen, was ich auch bei einer Cola light, eine Billigbäckerbreze oder einer schön doofen Bekannstschaft ganz schnell denke: „Ok, aber zum Satt- und Glücklichwerden hätte ich jetzt gerne mehr.” Und dann wird es leer.
Menü à la Charentais - vom Aperitif bis zum Absacker
Da geh’ ich lieber in die Vollen. So voll wie das Aroma, das die Charentais-Melone hier auf meinem Schreibtisch gerade aussendet. Gestern noch duftete sie nur leicht betörend am Ende ihrer Rundung, heute aber dünstet sie eine klare Einladung aus: „Lass uns zusammen Mittag essen.” Also gut, Messer raus, glatter Schnitt, Kernfleisch ins Sieb und ausgepresst - das ist dann schon mal ein schaumiger Aperitif vom Feinsten - wer mag, kann noch einen Schuss Schaumwein dazugeben, aber ich muss ja noch arbeiten.
Also die Hälften in Spalten geteilt, Fruchtfleisch elegant von der Schale gelöst und auf der in je vier schön große Stücke geschnitten. Und dann zugreifen, ohne Rücksicht auf die Tastatur. Und rein damit - aaah, das hat Substanz, ist süß, ist herb, ist reich, hier reimt sich „mehr” nicht auf „leer”, sondern meint „was dazu”; ein guter Rohschinken zum Beispiel, weil die Charentais selbst was Fleischiges hat, oder ebenso klassisch einen Schuss Süßwein, denn auch von dem steckt in ihr was drin. Aber auch Basilikum und Mozzarella oder grüner Pfeffer passen zu ihr. Und schon haben wir ein ganzes Mittagsmenü durch, vom Einsteiger bis zum Absacker, vom Salat bis zum Nachtisch.
Könnte man Melonen heiraten, dann wär für mich die Mademoiselle Charentais die Richtige fürs Leben. Und La Wassermelone höchstens ein heißer Urlaubsflirt. Und welche ist Eurte Liebste?
die Charentais, reif frisch und köstlich duftetend, meist leider nur in Frankreich wirklich gut zu bekommen. Aber ich stimme zu, einfach köstlich. Sehr gerne mache ich "Ganita" mit einer Cantaloup(der italienischen Verwandten) weil das dann so schön italienisch passend ist. Aber es gibt sie auch in Amerika, diese Cantaloup und da ja Mexiko nicht weit ist wird es eisig mit Tequila ist dann bei mir "Cantaquila" ein eisiges Vergnügen. Ja und als Salat köstliche reife Wassermelone mit Feta unschlagbar seit Jahren.