„Teste doch mal ein User-Rezept”, sagte die eine. „Was soll ich denn machen?” fragte ich die andere. Und die rief: „Lamm!” Jetzt schaut mal, was daraus geworden ist.
Die Hukodi-Kolleginnen Catherina (links) und Lea beim Testessen. Fotos: Dickhaut
Maike hat einfach die besten Ideen. Während wir noch überlegten, wie man die
Küchengötter mit einem Konstrukt aus Google Maps (uh, darf man das noch
in den Mund nehmen?), Live Stream und Twitter an einem Abend zum
gemeinsamen Kochen bringt, hat sie einfach das Dienstagskochen erfunden: mit dem guten alten e-mail Freunde in ihre Küche eingeladen
und mit dem guten alten Blog die Küchengötter dazu geholt. Und seitdem
ist jeden Dienstag hier Küchenparty live ohne stream. Und ich feiere nie
mit.
Als wir dann beim letzten Mal überlegten, was ich denn für meine
Kolumne Ende August kosten könnte, meinte Maike: „Wie wär’s mit einem
User-Rezept?” Hm, eine echte Herausforderung, weil ich ja noch nicht mal
die Rezepte für meine eigenen Bücher nachkoche (wo ist denn hier jetzt
die Durchstreichfunktion?), ich meine natürlich, dass ich grundsätzlich
keine Rezepte nachkoche, außer meinen eigenen natür… ach, was soll’s,
jedenfalls war das eine prima Idee mit dem User-Rezept.
„Fleisch! Noch lieber Lamm!!”
Am nächsten Tag in unserem Hukodi-Büro fragte ich Kollegin Lea,
was sie denn zu Mittag will, und sie rief erst „Fleisch!” und dann
„Noch lieber Lamm!!” Also oben in den Suchschlitz „Lamm” eingegegeben
und auf Nikas Lammkochbuch gestoßen, in dem uns die Rezepte aber zu speziell (Heilerde! Mispeln!)
oder zu aufwändig für den Büromittag waren. Darum bei der Rezeptsuche
(wir sagen liebevoll„Rezeptroboter” dazu) ein Häkchen beim
Userrezept-Kochtopf gemacht und nach Lamm gesucht und Sogdianas Plov aus Usbekistan klang vielversprechend, doch schwarze Berberitze und 24 Stunden Einweichen verschreckten.
Gebackenes Lamm-Sushi mit Datteln haben wir uns auch nicht getraut und den Lammbraten nach Art des Hauses Athena ebenfalls nicht (wegen der Optik). Doch Ofenkartoffeln mit Lamm und Linsen gefiel mir sofort: Kurze, aber markante Zutatenliste, interessante
Kombination und die Idee mit dem Braten in Kräuterbutter machte
neugierig. Kartoffeln, rote Linsen und Sesam waren da, im Supermarkt gab
es tolle frische Lammchops.
Aus insgesamt 500 g holte ich 200 g Fleisch (wir verdoppelten das
Rezept, weil Kollegin Catherina auch noch mitessen sollte) und 100 g
Fett raus. Letzteres ließ ich langsam in der Pfanne aus, während die
vorwiegend festkochenden Kartoffeln (Nicola, glaube ich) im Ofen garten
und die Linsen auf dem Herd kochten. Wie lange, hatte uns easycook nicht
verraten, ein kurze Suche nach „Linsen kochen” führte erst mal zu Kochliesl, aber „rote Linsen kochen” half sofort weiter: Knapp mit Wasser bedecken und 10 Minuten kochen
lassen, bis es weg ist. Ich legte noch ein Blatt von unserem Lorbeerbaum
dazu und alles wurde gut.
Nach gut 45 statt 35 Minuten waren die gut 140 g schweren Kartoffeln
durch und durften halbiert etwas (aber nicht völlig) auskühlen, und
jetzt komme ich auch wieder zu den 2-3 EL ausgelassenes Lammfett, das
ich mit Kräuterbutter auffüllte und darin dann die trotz easycook’s
Wunsch nicht allzu fein (sonst werden sie gleich trocken) gewürfelten
Fleischstücke nicht zu scharf (siehe vorige Klammer) keine Minute lang
anbriet. Linsen und Wunderwürz scharf und sauer dazu und zur Seite geschoben.
Und wo ist denn jetzt das Lamm?
Kartoffeln ausgehöhlt und die Fülle in die Masse gerührt, ohne
vorheriges Zerdrücken, denn das zerfällt von selbst. In die Hälften
gehäuft, mit Sesam bestreut und dem Ganzen sehr großzügige 5 Minuten im
Ofen gegeben, bevor es vor dem Büro serviert wurde. Lea moserte erst, wo
denn das Lamm sei und dass das ja gar nicht ihr Essen sei, so ohne was
Frisches, während Catherina meinte, dass so was Warmes und Weiches genau
ihr Ding sei, um dann erst mal aufzustehen und mit einer Politesse zu
verhandeln.
Am Ende waren wir uns alle einig: Schmeckt interessant in bestem
Sinne, besonders gut gefiel uns die lockere Fluffigkeit der Füllung (die
man dafür nur gerade so viel wie nötig mischen sollte) und auch das
Kräuterbutterbraten bringt’s. Schwierig war’s nicht, aber von den
Garmtehoden her komplex, wie wir spätestens beim Spülen von Bratpfanne,
Linsentopf und Kartoffelform merkten. Ein schönes Beispiel für die
„Küchenimprovisateurin” easycook, aber weniger für die „Schnellköchin”.
Das galt dann umso mehr für Polsterzipf, die mir in ihrem von oben bis
unten neugierig machenden Kochbuch auffielen, weil sie so simpel wie
effektvoll klangen. Weswegen wir sie auch beim Warten auf die Kartoffeln
schnell noch zusammenkneteten und dann als Nachtisch genossen - hier jetzt im Bild zu sehen. Und weil das alles an einem Dienstagmittag war, durfte ich mich dann auch noch Dienstagskoch nennen. Danke, Maike.
Mittagstisch mit Ofenkartoffeln à la easycook
Da krieg ich Lust drauf! Rezept wird bei nächster Gelegenheit probiert / dienstagsgekocht?