Wie man zu viert ein Grillbuch macht, ohne zusammen zu grillen. Was soll Grillmelone? Warum München natürliche Grillhauptstadt ist. Und: Mäuse und Raupen vom Grill.
Einfach entspannen: Auch mit kleinen Grills kann man groß rauskommen. Foto: Dickhaut
Wir sind gerade in der heißen Phase fürs Barbecue Basic, das im
nächsten Frühjahr rauskommen wird. Und weil wir (GU-Redakteurin Sabine
Sälzer, Rezeptautorin Cornelia Schinharl, Lekktorin Christina Kempe und
ich) dabei ständig zwischen Lagerfeuern, Laptops und Schirmständern
pendeln müssen, haben wir es noch keinen Abend geschafft, uns wenigstens
mal bei einer Runde Marshmallows und Stenzz an die Glut zu setzen, um
gute alte Geschichten wieder aufzuwärmen. So viel zum süßen Leben der
Kochbuchautoren. Bevor man uns jetzt aber Fresspakete und was Gutes zum
Lesen schickt - es geht uns nicht sooo schlecht. Wir probieren viel und
erzählen uns was am Telefon von Grillanekdoten und über Grilltrends.
Hier ein paar Stichworte:
Wassermelonen
Die sind so was wie der Sprizz des BBQ 2010, auch wenn ich davon bisher nur gehört habe. Ich könnte das jetzt googeln oder gleich bei Nicky nachlesen,
was ich wegen Vorschreibens noch nicht geschafft habe, und
herausfinden, ob man die im Ganzen, halbiert oder in Spalten auf den
Rost legt bzw. wie Folienkartoffeln direkt in die Glut packt, was bei
einem Tankstellengrill schwierig sein dürfte, beim Kugelgrill aber
ideal. Dabei frage ich mich erstens, ob die dann immer noch zum Essen
oder eher was zum Trinken ist und zweitens, was denn besser sein kann
als der Biss in eine erfrischend kühle und saftig süße Spalte
Wassermelone. Wahrscheinlich sieht sie vor allem toll aus auf dem Rost
und dann mit Muster? Eher könnte ich mir vorstellen, so eine Spalte
Cantaloupe-Melone zu Grillen, zum Schluss mit Schinken drauf wie bei der
Pizza Parma.
Stenzz
Das ist so was wie der Sprizz Untergiesings, welches ein besonderes
münchnerisches Stück von München ist, mit Kleinstadtfreibad (das
Schyren) und Gebirgsbach (die Isar) vor unserer Bürotür sowie einer
Brauerei ums Eck. Mit deren Hilfe ich gestern Abend den Stenzz erfunden
habe. Was das ist ist? Wird im Frühjahr verraten.
Isargrillen 1
Es gibt stadtauswärts hinterm Tierpark an der Isar ein Auengebiet,
das heißt Flaucher, was nicht nur nach Flacken, Flüchten und Faulsein
klingt, sondern auch wie gemacht dafür ist. An einem Sommersamstagabend
kommt auch noch Fluchen dazu, wenn man im blaugrauen Bodennebel auf den
Kiesbänken noch ein ruhiges Plätzchen zum Grillen sucht, weil hier
nämlich die ganze Stadt grillt und schreit und singt, während Kästen
aller Münchner Brauereien im Gebirgswasser kühlen. Da können die
Berliner und Hamburger, Pariser und Londoner mit ihren künsltichen
Stadtstränden lange drauf hinsparen.
Isarngrillen 2
Nach der Renaturierung bis in die Innenstadt hinein wurde die Isar im
letzten Jahr auch bei uns zum Sonnenbadestrand und in den letzten
heißen Wochen endlich auch zum Freibad, in dem sich inzwischen hunderte
durch die neuen Seitenläufe treiben lassen. Und auf den großen
Sandsteinstufen runter ins Wasser sieht man immer mehr One-Way-Grills,
auf denen zum Teil sehr ambitionierte Teile liegen und neben denen
längst auch Champagnerflaschen stehen. München halt. Als ich mir
letztens für ein Experiment ein paar weiße Mäuse (ein Süßwaren-, kein
Tierversuch) von der Tankstelle oben am Ufer holen wollte, entdeckte ich
dort ein Regal voller Grillkohle, Anzünder, One-Way- und Mehrweggrills,
das so groß wie die Zeitschriftenwand war. Zum Drauflegen gab es aber
nur Würstchen.
Grillgut
Das ist der Fachbegrff für alles, was auf den Rost kommt, den ich bei
meinen BBQ-Texten nur in letzter Not verwende, wenn „Fleisch und
Fisch”, „gute Stücke” oder „Lieblingsteile” schon zu oft gekommen sind,
wobei ich hoffe, dass man es für Humor hält. Welches Gut ich schon alles
auf den Grill gelegt oder dort gesehen habe u. a.: Kürbis (in Scheiben
samt Schale, die man dann wie einen Kotelettknochen abnagt), Lachse (als
Steckerfische, die dann plötzlich alle nacheinander vom Steckerl in die
Glut rauschten), Lammkarree (eben mal schnell aus dem Styroporpack vom
australischen Supermarkt geschält, um es mittags auf den
Münzelektrogrill am Strandkinderspielplatz zu werfen), Witchetty Grubs
(daumendicke Raupen, die sich unter australischen Wüstenbüschen durch
den roten Sand graben und von den Aborigines dort früher als wertvoller
Eiweißlieferant geschätzt wurden, heute kaufen sie Burger vom Grill. Roh
schmecken sie wie Austern, in der Lagerfeuerglut gegrillt nach Erdnuss.
Ich habe beides für eine Buch probiert, ging schon, aber dem Fotografen
war ziemlich schlecht), lebende Abalone-Muscheln von einem japanischen
Tischgrill (das wollt Ihr gar nicht wissen), weiße Mäuse (Marshmallows
sind besser, Mohrenköpfe ein Erlebnis).
Anzünden
War lange mein Problem - weil ich es ohne Grillanzünder können
wollte. Drei Dinge haben es gelöst: 1. Eine Woche auf einem Grillpaltz
in Slowenien, bei dem ich täglich einem begnadeten Lagerfeuermacher
dabei zusah, wie er so nach und nach alles zum Glimmen brachte und dann
lässig im Vorbeigehen am Glühen hielt, so dass ich beim nächsten Mal
andere ähnlich beeindrucken konnte. 2. Der gelungene Versuch, dies
daheim auch in meinem kleinen Beach Barbie umszusetzen. 3. Der Kauf
eines Gasgrills.
Gasgrill
Einfach praktisch. Du gehst raus, stellst ihn an und legst los. Zehn
Minuten später gibt’s Essen. Holzkohlenaroma? Ach Gott, wenn man Hunger
hat. Dann lässt man sein Steak auch nicht nach dem Grillen ruhen - oder
kennt Ihr jemanden, der das macht.
Elektrogrill
Das will ich gar nicht wissen.
Wer gar nicht genug von Gegrilltem bekommen kann und noch mehr Tipps rund um den richtigen Grill, Grillzubehör und natürlich Rezepte sucht, wird garantiert in unserem großen Special zum Thema Grillen fündig.
Und wenn’s doch nix werden sollte, gibt’s ja immer noch den Pizzakurier.