Berlin, Hamburg oder doch Bollywood? Der Streit, wer die Currywurst erfunden hat, ist kaum zu klären. Ist ja auch wurscht, wenn es eine gute ums Eck gibt.
Die Currywurst im Miss Lilly's. Foto: Sebastian Dickhaut
Kennt Ihr den: „Gehen wir zum Inder?" „Nicht schon wieder Currywurst." Ein großes Namaste herrscht auch immer bei unseren Bollywood-Kochkursen, wenn festgestellt wird, dass es in Indien eigentlich gar keinen Curry gibt, „Currywurst aber schon”. Je nachdem, wie ungläubig mich die Leute dann anschauen, erfinde ich irgendeine Geschichte, in der Heilige Kühe, ein spleeniger Brite und ein Ashram voller Berliner Aussteiger vorkommen, bis einer sagt: „Aber die Currywurst wurde doch in Hamburg erfunden!" Entdeckt, sage ich dann, entdeckt. Und wenn selbst weder Spiegel noch Bundesverband der Deutschen Fleischindustrie klären können, ob nun in Berlin oder Hamburg (oder gar im Ruhrgebiet) DER deutsche Imbiss seinen Ursprung hat, kann man viele Geschichten erzählen. Eins ist aber klar: Die Currywurst ist ein Thema in Deutschland. Sogar in München.
Ich bin ja bei Frankfurt und Wien groß geworden, die mit ihren Würstchen weltberühmt wurden und zur Currywurstdiskussion gelassen schweigen können - wird schon seinen Grund haben, dass „Berliner” und „Hamburger" nun mal nix mit Wurst sind. Hier in München hat man noch die Weißwurst, die eher aus der Pelle hüpfen würde, als sich mit Ketchup und Curry zusammen zu tun, außerdem ist ihre Zeit ja der Vormittag. Die Currywurst aber ist für mich so ein Feierabend- bis Nachtschwärmer-Ding, ich hab da am ehesten Lust drauf, wenn es dunkel und feucht ist.
Currywurst in München? Gibt's ...
Eine traditionelle Anlaufstätte für die Kultwurst gibt es daher in München nicht, eine langsam legendäre schon - den Bergwolf. Für den bin ich wohl zu alt und verwöhnt, was ja eigentlich für Curry 37 sprechen würde, die Bude vom Edel- und Nationalmannschaftskoch Holger Stromberg, aber hey, it’s just a wurst, baby, und nichts, wo man hinpilgern sollte.
Ich finde, wenn man Lust auf eine Wurst hat, sollte man sich da eine suchen, wo man grad ist - wir sind schließlich in Deutschland, wo eigentlich überall eine Wurst ist. Die nächste Currywurst im Umkreis unseres Küchengötter-Kochstudios HUKODI gibt es im Miss Lilly's, wo wir auch unsere Redaktionsweihnachtsfeier hatten. „In einem Imbiss?” Nee, so schlimm ist es noch nicht, die Miss könnte aus einem Impressionen-Katalog stammen, so hell und modern und kuschelig ist sie, aber in der Küche steht ein Mann, der ein Faible fürs Edle wie fürs Grobe hat.
... auch in fein
Und deswegen stehen da nicht nur federleichte Salate und glitzernde Gemüse auf der Karte, sondern auch mal ein zünftiger Hackbraten oder eben der Klassiker Currywurst „mit unserer eigenen Geheimsoße", wie Chef Stevie sagt. Die kam gestern Mittag (ja, ich hatte am Abend schon was anderes vor) schön, groß und gut mit Pommes und Mayo in der Asiaschale daher und ich muss sagen, wenn die Currywurst grad gestern in München erfunden worden wäre, wäre mir auch das Recht.
Bleibt die Frage, was trinkt man dazu? Ein Helles geht gar nicht, Cola ist bei mir für Echte Frankfurter Würstchen reserviert (hat was mit meiner Kindheit zu tun) und so ein Kölsch, das warum auch immer Lilly auf der Karte stehen hat, bringt nur noch mehr Verwirrung in die Currywurtsche Herkunftsdiskussion. Vielleicht einen Yogi-Tee?
Ich werde ihn wohl nie verstehen, diesen Hype um die Currywurst. Für mich ist sie eines dieser überbewerteten Gerichte - aber das ist ein anderes Thema. Soll sich die anderen mal schön streiten woher sie kommt, ich mache einfach einen weiten Bogen um sie.
Doch, lieber Sebastian, ich will ja mal nicht so sein und dich durstig stehen lassen: Ich habe im Namen der Küchengötter auf Facebook auch mal nachgefragt, was denn nun zur Wurst, die ich nicht leiden mag, gereicht werden soll. Die Antwort "Champus" hat mich überzeugt. Vielleicht wird das ja doch noch was, mit der Currywurst und mir, nein dir! Du die Wurst - ich den Champus! Was meinst du?