Wenn er richtig gut ist, übertrifft der wahre Apfel der Verführung jede andere Frucht an Sinnlichkeit. Oder kurz gesagt: So ein Pfirsich ist eine herrliche Sauerei.
Als Asien und Amerika vor einigen hundert Jahren die betuliche Obst- und Gemüsewelt Europas mit ihren Produkten ordentlich aufmischten, war vieles erst mal Apfel. Denn den kannte man hier, anders als Tomaten, Kartoffeln oder Orangen, die dann erst mal Goldapfel, Erdapfel oder Apfelsine genannt wurden. Letztere hieß mit vollem lateinischen Namen „malum sinensis”, chinesischer Apfel. Und China ist auch der Ursprung einer anderen runde Frucht, die damals über Persien zu uns gelangte, weswegen man sie dann „persischer Apfel” nannte – „chinesischer” war ja schon vergeben. Und daraus wurde dann der Pfirsich.
Persien und Pfirsich, das passt aber auch gut zusammen. Pracht und Üppigkeit, Sinnlichkeit und Mysterium – alles, was das schillernde Reich im Orient auf seinem Höhepunkt besaß, kann einem auch so ein richtig sonnenreifer Pfirsich in seinem besten Moment liefern, den er jetzt gerade erreicht. Ich würde mich nicht wundern, wenn dieser saftige Perser der Apfel der Verführung im Paradies war, denn, um jetzt endlich mal von der Theorie in die Praxis zu wechseln: Keine Frucht hat mehr Sex als der Pfirsich.
Eine herrliche Sauerei
Keine Sorge, hier wird jetzt nicht männermagazinmäßig herumgebrunftet, aber ich frage nur mal: Der Flaum auf seiner Haut? Der Saft in seinem Fleisch? Der Tod in seinem Stein (der nämlich mit Bittermandelöl gefüllt ist)? Das hat schon was. Alle anderen Assoziationen überlasse ich Euch, beißt einfach mal rein in den Pfirsich oder schneidet ihn auf, was nach Meinung von Fachleuten ohnehin nackt in der Badewanne geschehen sollte, denn Pfirsichsaftflecken gehen verdammt schwer raus aus der Wäsche. Oder um es kurz und klar zu sagen: Sich einen guten Pfirsich einzuverleiben ist einfach eine herrliche Sauerei.
Umso trauriger ist es, dass wir dazu so selten Gelegenheit haben. Denn damit das im warmen Süden am besten reifende Sensibelchen heil zu uns kommt, wird es oft vor der Reife geerntet. Der Pfirsich gehört zwar zu den nachreifenden Früchten, aber wie wir von den ebenso veranlagten Tomaten wissen, gewinnt er auf seiner Reise nicht mehr viel Geschmack hinzu. Ok, da ist noch die robustere Kusine Nektarine, auch schön saftig und dazu erfrischend sauer, aber nicht nur wegen ihrer Latexhaut gehört sie eine ganz andere Geschichte.
Weiß oder gelb, rund oder flach?
Schauen wir lieber noch mal auf die Kernfamilie des Pfirsichs. Neben dem gelben Klassiker gibt es auch noch die weißfleischigen Sorten, die noch ein bisschen feiner schmecken können, süßer, milder. Dann ist da der Weinbergpfirsich, der gerne in tiefem Rot und mit sehr vollem Aroma daherkommt – sein Baum wird in Süddeutschland und jenseits davon gerne zwischen die Reben gesetzt, damit Blüten und Bienen den Weinbau befruchten. (Details möchte ich Euch ersparen, siehe oben.)
In den Auslagen der Obsthändler sieht man jetzt auch oft diese kleinen, flachen Pfirsiche, die ein wenig urwüchsig aussehen (was ja inzwischen wieder für Qualität steht) und deswegen auch oft und gerne Weinbergpfirsiche genannt werden. Tatsächlich sind dies aber Teller- oder Plattpfirsiche – klingt nicht so romantisch, schmeckt aber trotzdem.
Dosenpfirsiche? Über so was redet man hier nicht, ebenso wenig wie über gewisse Seiten im Internet. Lieber schenke ich Euch einen Link zum echten Pfirsich Melba, so wie ihn einst der erste Starkoch der Welt für die australische Opernsängerin Nelly Melba erfunden hat – mit in Sirup pochierten Früchten und selbstgemachtem Himbeerpüree (geht jetzt auch mit frischen). Das kann man dann auch erst mal angezogen genießen.
Und wie ist es bei Euch – liebt Ihr Pfirsich eher weiß oder gelb? Macht Euch sein Haut vielleicht ein Gänsehaut und mögt Ihr sowieso viel lieber Nektarinen? Dann erzählt mal.
ist mir der Liebste, denn er hat so einen kleinen Kern und die Haarige Pelle ist leicht abzuziehen. In vielen Auslagen der hiesigen Marktbeschicker wird er auch der spanische Pfirsich genannt.