Die eine verputzt ihren Schweinebraten ohne wenn und aber. Die andere schiebt die Kruste galant auf den Tellerrand. Sebastian Dickhaut nimmt uns unter die Lupe.
Mit seinem Küchenmobil ist Sebastian auf Studienreise in München
Er ist Koch, Kochbuchautor und Küchengott. Neuerdings zieht Sebastian Dickhaut aber auch als Kochkünstler und Küchenpsychologe durch die Lande. Eine Aufführung, Analyse und Verköstigung wollten wir uns keinesfalls entgehen lassen und haben uns in der Mittagspause auf die Suche nach unserem einzig männlichen Redaktionsmitglied gemacht.
Wir finden ihn in Münchens Einkaufsmekka, der Neuhauser Straße. In einem Wohnmobil mit Jägerzaun und Bierbank im Vorgarten. Mitten in der Fußgängerzone. „Wir sitzen hier direkt an der Quelle“, ruft er uns fröhlich entgegen und erklärt: „Den Schweinebraten holen wir uns beim Augustiner, den Schnittlauch gibt’s hier drüben bei Karstadt im Keller und die Semmeln haben wir uns beim Rischart besorgt.“
Bier in homöopathischen Dosen
Hört sich bayerisch und deftig an, uns knurrt der Magen. Wir dürfen im Vorgarten Platz nehmen und fühlen uns wohl – trotz vorbeiströmender Menschenmassen und neugierigen Blicken. Ein Gartenidyll mitten im Großstadtdschungel. Während Sebastian im Mobil verschwindet, versorgt uns Servicekraft Ruth mit einer Maß Bier im Miniaturformat – Durchmesser geschätzte drei Zentimeter. Bier in homöopathischen Dosen? Hört sich gesund an, na gut: Wenn auch winzig und flüssig, immerhin schon mal Nahrung!
Sebastian prostet uns durch das Bullauge seines Mobils noch zu, schon taucht er ab hinter den überdimensionierten Schnittlauchtöpfen in seinem Balkonkasten vor dem runden Fenster. „Irgendeiner Vegetarier hier?“, brüllt Ruth und knallt auch schon den Schweinebraten auf den Tisch. Wir schnappen uns Messer, Gabel und Servietten und stürzen uns aufs langersehnte Mittagessen.
Von Gabeln, Servietten und Krusten
Und dann geht die Analyse auch schon los: Wer hält seine Gabel rechts und wer schneidet den Knödel fein säuberlich mit dem Messer? Wer stopft sich die Serviette in den Ausschnitt und wer legt sie sich akkurat gefaltet in den Schoß? Wer kaut genüsslich auf der Kruste und wer hält sie sich lieber auf Abstand am äußersten Tellerrand? Die Kernfrage ihrer Beobachtung: Wie sieht es aus auf den Tellern der Küchengöttinnen? Sebastian und Ruth beäugen uns kritisch, in ihrer kulinarischen Idyllenstudie sind sie sich einige: Kruste ist nicht jeder Küchengöttinnen Geschmack: Die einen lassen sie lieber links liegen. Die anderen schnallen sich die Serviette um und verputzen genüsslich den knusprigen Schweinerand.
Gut geschmeckt hat es uns allen, vielen Dank, lieber Sebastian!
"SOIZ IN DA SUPPN: eine Münchner Idyllenstudie" als Video in Küchengötter TV ansehen...
Der Köder für potentielle Testpersonen: frisch gerollte Semmelknödel
"Prost" heißt es dann erstmal zur Einstimmung auf den bayerischen Schweinebraten
Eine Kraftbrühe für die Küchengöttinnen Beate und Anke
Maike und Marina freuen sich schon auf den nächsten Gang...
...der dann auch schneller verspeist ist als gedacht!
Da läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen, wenn man die Bilder sieht. Schade das am Monitor nicht eine Klappe ist, aus der man sich den Braten herausholen kann.
Also, ich muß schon sagen, zu einem Schweinebraten gehört auch eine gut gewürzte Kruste. Eigentlich ist sie das Schönste an einem Schweinebraten. Meine Lieben sind immer ganz enttäuscht, wenn es Schweinebraten gibt, der keine Kruste hat.
Ansonsten muß ich sagen, die Eßstudien sind bisher gut gelungen. Weiter so.
Liebe Grüße Maus