Stevan Pauls Leidenschaft zum Kochen und zur Kulinarik zieht sich durch alle Lebensbereiche: Vom privaten Herd über seine Profession bis zum informativen Blog.
Mit Deinem Blog "Dem Herrn Paulsen sein Kiosk" gehörst Du ja schon zum
Blog-Urgestein im deutschsprachigen Internet. Trotzdem bist Du des
Bloggens noch nicht überdrüssig geworden und hast letztes Jahr einen
eigenständigen Blog rund um kulinarische Themen ins Leben gerufen -
"NutriCulinary" erfreut sich großer Beliebtheit. Wie unterscheiden sich
Deine beiden Blogs in Sachen persönlicher Zeitaufwand, Leserschaft und
Deinem eigenen Stellenwert?
"Dem Herrn Paulsen sein Kiosk" war immer ein bunter Gemischtwarenladen,
mit den drei Schwerpunkten Kulinarik, Musik und Literatur. Die Bereiche
Musik und Literatur bediene ich als begeisterter Fan, bei der Kulinarik
kann ich zusätzlich ein Fünkchen Fachwissen beisteuern. In den letzten
Jahren haben sich die Nutzergewohnheiten im Internet stark geändert.
Bei stetig steigendem Angebot an Blogs, Foren, Portalen und auch durch
das Mikro-Blogging, wird Onlinezeit immer wertvoller, immer knapper.
Ich selbst habe durch diese Entwicklung Fachblogs mit klar umrissener
Thematik schätzen gelernt, neben den Blogs von Freunden und Bekannten
sind sie immer eine lohnende, informative Bereicherung. NutriCulinary
war mein eigener Schritt in diese Richtung. Beide Blogs haben
letztendlich davon profitiert, auch den Kiosk stärkt das neue, klare
Profil. Der Kiosk hat jetzt weniger, aber sehr treue Leser,
NutriCulinary erfreut sich beständig steigender Aufmerksamkeit.
Auch der Zeitaufwand ist gestiegen, mir liegen aber nach wie vor beide
Blogs und alle Themen sehr am Herzen, ich kann und will auf keines der
beiden Blogs verzichten. So sind in beiden Blogs die Schlagzahlen
gering, immer wieder gibt es mehr oder weniger lange Pausen zwischen
den einzelnen Beiträgen. Meine Leserinnen und Leser nehmen mir das
nicht übel, das freut mich. Gerne würde ich noch aktueller und
schneller sein, das ist zeitlich oft nicht möglich. Darum habe ich
jüngst beim Mikro-Blogging-Dienst Twitter den NutriCulinary-Twit eingerichtet. Das geht gerade erst
los, dient aber jetzt schon als Ergänzung zum NutriCulinary-Blog. Wer
Follower wird bekommt von mir schnelle Updates, Infos, News und Links
zu alle kulinarischen Themen, die aus zeitlichen Gründen kein eigener
Beitrag im Blog sein können.
„Ein Fünkchen Fachwissen” - das scheint mir doch ein bisschen
untertrieben, wenn ich so Deine Blogs verfolge. Du bist immerhin ein
gut gelernter Koch und erfolgreicher Food-Stylist. Erzähl mal, wie Du
das eine geworden bist - und warum dann das andere.
Nach meinem eher unrühmlichen Abschied aus dem deutschen Bildungswesen
erinnerte ich mich meiner damals einzigen Begabung und kochte, Lehrzeit
inbegriffen, insgesamt sechs Jahre aktiv, dabei in zwei Restaurants mit
jeweils einem Michelin-Stern. Sechs Tage die Woche, zwischen 12-16
Stunden Höchstleistung täglich, in brütender Hitze, eingesperrt mit
anderen Testosteron-gebeutelten Buben in engen, gekachelten Räumen ohne
Tageslicht, bei schlechter Bezahlung und ohne weitere Sozialkontakte.
Ich musste da raus. Geblieben ist mir aus dieser Zeit ein gehöriger
Respekt vor Köchen und größte Hochachtung vor ihrer Arbeit. Nebenbei:
das gilt auch für Fernsehköche. Da mag dem einen oder anderen, der ein
oder andere Bart nicht passen, dahinter steckt aber immer eine
beachtliche Lebensleistung.
Über ein Praktikum kam ich dann in ein großes Verlagshaus und arbeitet
dort in Versuchsküche und Redaktion für verschiedene Food- und
Lifestyle-Titel der Verlagsgruppe. Dort erst lernte ich das Berufsbild
des Foodstylisten kenne und nach fünf spannenden und lehrreichen Jahren
machte ich mich selbstständig. Seit Anfang 2000 arbeite ich als freier
Foodstylist und Autor für Zeitschriften, Buchverlage und
Werbeagenturen. Ich kann in meinem Beruf noch oft kulinarisch kreativ
werden, zum Beispiel beim Entwickeln von Rezepten und Kochthemen für
Zeitschriften und Kochbücher. Der große Unterschied zu früher ist: die
Arbeitsbedingungen haben sich doch erheblich verbessert;-)
Wow, das ist eine ziemlich vorbildliche Ausbildung, nicht nur für einen
Foodblogger. Aber Deine wahre Passion gehört für uns doch eher der
Kultur, vor allem der Musik und Literatur - der Kiosk wird ja oft
selbst von Deinen Sprachmelodien zum Leuchten gebracht . Woher kommt
diese Begeisterung?
Ich trenne da nicht, gerade das Kochen ist für mich wichtiger
Bestandteil einer jeden Kultur, Identität stiftend, genau wie die Musik
und die Literatur. Die Liebe dazu ist mir, ganz profan, durch mein
Elternhaus vermittelt worden. Kochen war immer schon ein großes Thema
in unserer Familie, beinahe jeden Morgen wurde besprochen, was es am
Mittag oder Abend geben solle. Dazu wurden gemeinsam Kochbücher auf dem
Frühstückstisch gewälzt. Nach dem Essen wurden Meinungen eingeholt und
in einem separaten Ringbuch notiert. Ich bin dank dieses Ringbuches
heute in der Lage nachzulesen, was es z.B. am 15.04.1985 bei uns zum
Mittagessen gab ("Kässpätzle-Experiment: mal mit Vollkornmehl im Teig")
und wie es geschmeckt hat ("Eltern: nicht sooo übel / Kinder: Würg mit
drei Totenköpfen!").
Ähnlich verhält es sich mit der Musik und der Literatur, die Eltern
haben es vorgelebt. Sämtliche Bemühungen meiner Eltern um eine
musikalisch Karriere meinerseits am Klavier, erst in der Musikschule,
später mit Einzelunterricht bei Frau Karinowitsch, einer resoluten
Russin, durften allerdings schon früh als gescheitert betrachtet
werden. Musizieren lasse ich seitdem lieber begabtere Menschen und
bleibe begeisterter Fan. Geschrieben habe ich immer schon gerne und für
die Literatur engagiere ich mich als Mitveranstalter der Hamburger
Leserreihe KAFFEE.SATZ.LESEN, weil es für
junge Talente immer noch schwer ist, zwischen Poetry Slam und
Literaturhaus, Gehör, Publikum und die Aufmerksamkeit eines Verlages zu
finden.
Das klingt ja nach vorbildlicher Kindererziehung, sowohl in musischer
als auch kulinarischer Hinsicht. Leider ist das Thema Essen inzwischen
in vielen Familien mehr Streß und Problem als Wonne und Genuß. Mal
streitet die Politik über ein Ampelsystem zur
Lebensmittel-Kennzeichnung, dann werden die Schulen verdammt... ist
eine ausgewogene Ernährung heutzutage wirklich so schwierig zu
realisieren? Wo siehst Du Handlungsbedarf?
Wir sollten nicht darauf vertrauen, dass in naher Zukunft der Staat,
die Nahrungsmittelindustrie, die Schulen, Jamie Oliver oder der liebe
Gott unsere Ernährungsprobleme lösen. Besonders die zwei Erstgenannten
drücken sich gerne und oft in unverschämter Weise um ihre
Verantwortung. Es ist wie so oft: Selbstverantwortung und
Selbstbestimmung sind gefragt. Das kann das eigene Engagement in der
Politik bedeuten, oder die Unterstützung von unabhängigen
Verbraucherinitiativen wie z. B. foodwatch.
Alltagstauglicher und mehrheitsfähig ist es, sich umfassend zu
informieren, wieder mündiger und aufgeklärter Verbraucher zu werden,
der nicht kritiklos alles schluckt. Aufgeklärte Verbraucher bewirken
widerum nachhaltige Veränderungen in Angebot und Abverkauf durch ein
kritisches Konsum- und Kaufverhalten. Meines Erachtens die einzige
Möglichkeit, Lobbyisten und Etikettenschwindlern entgegen zu wirken.
Weniger Convenience Food! Wieder öfter selbst kochen, dabei lustvoll
sündigen und gleichermaßen gesund ernähren. Und gerade in Familien ganz
wichtig: feste(r) Essens-Termin(e) für alle, wenigstens einmal in der
Woche auch mit den Kindern kochen, erklären, dass Suppen nicht immer
schon trocken aus dünnen Tüten rieselte und dass Marmelade nicht im
Supermarkt wächst. Alte Hüte, sollte man meinen. Sich aber bewusst,
gesund und verantwortlich zu ernähren kostet Geld, kostet Zeit, kostet
Mühe, ist schlicht unbequem. Trotzdem müssen wir genau das in Zukunft
wieder vermehrt in unsere Ernährung investieren: Geld, Zeit, Mühe. Eine
Alternative gibt es leider nicht, unsere Gesundheit und die Gesundheit
unserer Kinder sind das höchste Gut.
Hui, das war ja fast staatstragend. Aber ehrlich gesagt, wenn wir was
von Foodwatch lesen, kriegen wir auch immer ein bisschen Angst vorm
Essen. Ist das wirklich alles so schlimm heute, dass immer weniger
kochen und immer mehr Mist essen? Irgendwer muss da ja noch sein, der
die ganzen Gemüseregale und Fleischtheken im Supermarkt leerkäuft? Oder
kennen wir Foodies nur die falschen richtigen Leute?
Ja, bei dem Thema schwillt mir gerne mal der Kamm und vor manchem Dreck
der sich Nahrung nennt, sollte man auch Angst haben. Klar kaufen die
Leute die Supermarkt-Gemüseregale leer, mit Paprikaschoten die nach
drei Wochen, verschollen zwischen Autorückbank und Kofferraumabdeckung,
immer noch knackig leuchten. Irgendwer kauft auch das ganze billige
Fleisch, am allerliebsten und täglich Fleisch, manchmal umetikettiert,
oft wässrig. Ernsthaft: natürlich haben wir in Deutschland eine
Zwei-Klassen-Ernährung, natürlich gibt es die Verzweigungen und
gegenseitigen Abhängigkeiten von Nahrungsmittelkonzernen, Politik,
Wirtschaftsverbänden und Verbraucherschutz und die daraus
resultierende, lobbyistische Verbraucherrechtspolitik. Und schlicht und
ergreifend immer mehr dicke, kranke Kinder.
"Gutes Essen & große Küche" lautet die Unterzeile im Header meines
Foodblogs. Darum geht es. Gutes Essen, Nahrung an erster Stelle.
Bedingung für große Küche. Ohne Nutri kein Culinary. Wobei ich zugeben
muss, dass die wenigen Artikel zum Thema Ernährungspolitik (ich hab ja
auch keine Lust ständig nur rumzumeckern), bei NutriCulinary am
wenigsten gelesen und selten kommentiert werden. Fernsehköche gehen
gut. Und Restaurantkritiken. Und das ist auch völlig in Ordnung, ich
bin da nicht missionarisch, ich finde nur einfach dass Kulinarik und
Genuss zwingend auch etwas mit einem kritischen Bewusstsein für
Ernährungsprobleme zu tun haben. Und als Blogger hat man eben die
Chance auch mal laut zu denken.
Und wie sieht das "im Kleinen" bei Dir zuhause aus? Bist Du eher der
Spontankäufer oder tigerst Du mit Einkaufszettel los? Nur Markt oder
auch mal Supermarkt? Was muß immer in Deinem Kühlschrank sein?
Die Essensplanung im Hause Paulsen ist als impulsiv zu bezeichnen und
stark von spontanen Essens-Visionen und Hunger-Heimsuchungen geprägt.
Zudem ist größere Vorratslagerung ist in unserer mickrigen Küche gar
nicht drin, dementsprechend wird alle 1-2 Tage auf den Punkt
eingekauft. Die erweiterten Ladenöffnungszeiten in den Abend hinein
sind da hilfreich und der Gemüsehändler, der Fischhändler sowie ein
anständig sortierter Supermarkt für die "Hardware" sind in der Nähe.
Fleisch ist allerdings ein Riesenproblem. Wir haben im näheren Umkreis
an die zwanzig Friseursalons, aber nicht einen ordentlichen Metzger.
Das ist, glaube ich, aber beinahe überall schon so. Die sterben aus,
weil echtes Metzgerhandwerk in Kombination mit hoher Fleischqualität,
nicht mit Supermarkt-Fleischpreisen konkurrieren kann. Stehen wir eben
Schlange, besonders am Wochenende, hier in Hamburg beim Fleischer Jacob
oder beim Fleischer Harms.
Was wir so gut wie immer im Haus haben sind Nudeln, Kartoffeln,
Tomaten, Knoblauch und Olivenöl und ich bin süchtig nach schwarzem
Pfeffer und Fenchelsaat. Im Kühlschrank braucht es auch nicht viel:
einige Sorten Senf, kaltes Mineralwasser und für alle Fälle ein paar
gut gekühlte Flaschen Vernaccia di San Gimignano von Teruzzi &
Puthod, ein zum Wegsaufen schöner Weißwein für alle Tage aus der
Toskana.
„Mickrige Küche”… kennen wir gut. Du scheinst auch so eine Bestätigung
für das Sprichwort zu sein: „Der Schuster hat immer die schlechtesten
Schuhe”. Oder ist es eher wie beim Skifahren - die mit der besten
Ausrüstung fallen am meisten hin? Kurzum: Was braucht für Dich eine
Küche, um darin gut kochen zu können. Und was nicht?
Ich bin immer wieder überrascht, was es angeblich alles braucht um
vernünftig kochen zu können. Ich spreche jetzt nicht von singenden,
schwimmenden Eieruhren oder Pfeffermühlen mit Fernlicht, sondern
einfach von der Grundausstattung. Handgeschmiedete Messer aus Japan
oder den scheinbar unabdingbaren Gasherd braucht es nicht zwingend für
gute Ergebnisse. Ein bis zwei hochwertige Messer, aus namhaften
deutschen Schmieden, sind für den Alltag vollkommen ausreichend und ein
Temperatur-treuer Herd mit schlichtem Ceranfeld ist auch nicht zu
verachten (besonders wenn es ans Putzen geht!). Ebenso einfach wie
möglich halte ich es mit Pfannen und Töpfen, ich arbeite schon lange
nur noch mit beschichteten Pfannen, die sind einfach praktisch, für
Pudding, Risotto, Püree & Co verwende ich auch gerne beschichtete
Töpfe. Coolness-Faktor Null, aber schön entspannt dabei! Wichtig ist in
jedem Fall die Qualität, gerade bei Pfannen und Messern machen sich ein
paar Euro mehr auf die Dauer bezahlt.
Der Coolness-Faktor in der Küche wird eh' oft überbewertet (sonst
heißt's bald noch "mein Auto, mein Boot, meine Küche..."). Da Du ja
praktisch zwei verschiedene Küchenleben führst - einmal privat, einmal
beruflich - wo gab's Dein größtes Waterloo oder die lustigste Panne?
Während meiner Lehrzeit ereigneten sich die größten Schnitzer. Im
ersten Lehrjahr servierte ich einmal einem damals sehr gefürchteten
Restaurantkritiker eine harte Kartoffel. Eine Mannschaft von zwölf
Köchen kochte an diesem Abend beinahe fehlerfrei ein achtgängiges Menü
für den prominenten Gast, alles klasse, bis auf meinen bescheidenen
Beitrag zum Menü, eine einzelne (!) winzige La Ratte Kartoffel. Die, so
der Tester, sei ihm zu hart gewesen. Ich wurde sofort entlassen. Nach
einer tränenreichen Stunde im Weinkeller des Restaurants wurde ich aber
auf Bewährung wieder eingestellt.
Ähnliches Geschick bewies ich auch während eines dreiwöchigen
Praktikums im Servicebereich, das war damals Teil der Ausbildung zum
Koch. Mit lautem "Plopp" entkorkte ich, Lehrling im zweiten Lehrjahr,
am Tisch zweier französischer Gourmets auf Europatournee einen 1.600
Mark teuren Wein aus der Heimat der Herrschaften. Wild entschlossen,
die am Vortag erlernte Kunstfähigkeit des Dekantierens gleich in der
Praxis zu vertiefen, entzündete ich mit zitternden Fingern die Kerze,
goss den Wein direkt über der Flamme in die Karaffe und erhitzt den
teuren Trunk dabei im Flaschenhals bis kurz vor den Siedepunkt. Die
Kritiker rutschten unruhig auf den Stühlen hin und her. Als ich die
rußgeschwärzte Karaffe mit dem warmen Glühwein auf den Tisch stellte,
warf sich die Service-Chefin dazwischen. An diesem Abend war meine
Kellner-Karriere beendet, durch die Rückversetzung in den Küchendienst
konnte ich glücklicherweise schnell wieder meine wahre Profession
vorantreiben. Die Liebe zum Wein ist geblieben und ich bin stolzer
Besitzer eines Dekantiertrichters.
Na, bevor noch mehr schief geht, wechseln wir zum Schluss die Seite zu
„Herr Paulsen als Gast und Kunde”. Erzähl uns hier unten in München
mal, wie Dein perfekter Tag in Hamburg aussehen würde. Kannst Dir dabei
gerne vorstellen, dass wir bei Dir hungrig, durstig und neugierig zu
Besuch wären (und gegen gute Musik gar nichts haben).
Wie schön, herzlich Willkommen! Hamburg ist mir mit den Jahren Heimat
geworden. Mich begeistert die alte Hanse, der Hafen, das viele Grün,
Wasser innerhalb und Wasser vor der Stadt. An sonnigen Tagen werden die
schönsten Städte Europas blass vor Neid, wenn die Perle an der Alster
funkelt! Die Menschen sind freundlich und dabei angenehm zurückhaltend,
die Kiez-Struktur der Stadt eher dörflich, hier kann man noch Menschen
treffen, ohne sich zu verabreden und das bei einem kulturellen und
kulinarischen Angebot von Großstadtformat.
Ich bin kein Frühstücksmensch, darum starten wir den Tag spät im Café
Paris, in der Rathausstrasse, mitten in der Innenstadt. Es gibt jetzt
noch Buttercroissants und hart gekochte Eier mit Salz zum Kaffee, unter
den bemalten Kuppeldecken der ehemaligen Schlachterei. Gleich geht das
Mittagsgeschäft los, mit französisch angehauchten Tagesangeboten, aber
auch den Klassikern wie Merquez im Baguette oder Steak frites, oder der
berühmte Tatar, der am Tisch und nach Wunsch zubereitet wird. Der
korsische Chardonnay passt in jedem Fall. Auch Abends schmeckt das
Essen à la carte oder Menü. Hier ist beinahe rund um die Uhr Trubel,
Lärm und Leben! Mein Lieblingsplatz in Hamburg, irgendwann werde ich
einziehen.
Um wieder Hunger zu bekommen, einmal um die Aussenalster, oder raus
nach Övelgönne, die Elbe entlang, dicke Schiffe kucken und anschließend
mit der Fähre zurück bis Landungsbrücken, zum Bustarif. Wenn noch Zeit
ist, unbedingt einmal die neue Hafencity mit dem neuen Museumshafen und
dieser berühmten, sehr teuren, Kultur-Großbaustelle ansehen. Wer abseits der üblichen Filialen-Unkultur shoppen will, findet spannende
Läden für Kunst, Design, Mode und Musik im Karolinenviertel, wie auch
im benachbarten Schanzenviertel. Die Nähe der beiden alternativen
Stadteile zur Hamburger Messe hat Investoren auf den Plan gerufen,
besonders die Mieten in der "Schanze", werden systematisch erhöht, der
alte Charme und alternativer Lebensraum zerstört. Noch gibt es aber
Leben dort. Und vor allem den besten Kuchen der Stadt und zwar bei
"Herr Max", am Schulterblatt 12. Im heimelig gekachelten Laden
besticht, neben den exqiusiten Kuchen und Torten, auch die große
Auswahl an wirklich besonderen Zeitschriften und der leckere Kaffee.
Abends dann ins Nil, zwischen Schanze und St. Pauli am Neuen
Pferdemarkt gelegen, mein Lieblingsrestaurant. Ich kenne das Nil seit
14 Jahren und immer schon steht das Nil für gleichbleibende Qualität zu
einem guten Preis-Leistungsverhältnis mit freundlichem Service und
kompetenter Weinberatung. Die Küche basiert auf der französischen Küche
in Kombination mit deutscher und österreichischer Kochkunst. Das Haus
sieht sich der Slow-Food Tradition verbunden, es wird viel selbst
gemacht, gewurstet, geräuchert, getrocknet, ganze Tiere komplett
verarbeitet. Gerade Letzteres sorgt oft für ansonsten seltene
Überraschungen (Stichwort Innereien) auf der Karte.
Für den Absacker darf ich zu später Stunde noch mal in die Innenstadt
bitten: genau gegenüber vom Café Paris befindet sich eine der besten
Bars der Welt, mehrfach und von Fachleuten ausgezeichnet, das: "Le
Lion". Reservierung dringend empfohlen, jedem Gast wird ein Sitzplatz
garantiert, wer unangemeldet kommt muss klingeln und braucht Glück.
Barkunst auf höchstem Niveau erwartet den aufgeschlossenen,
interessierten Gast, und wenn gewünscht gibt es zusätzlich
detailreiche, informative Gespräche und sichere Empfehlungen der
großartigen Servicechefs. Derzeit wird dort der europaweite Trend zum
"Classic Cocktail" in Perfektion umgesetzt: antiquarische Bar-Bücher
und Rezeptmitschriften aus aller Welt liefern die Vorlagen für
Cocktails die letztmals in den 30ern, 40ern und 50ern so serviert
wurden. Spannend!
Das Interview führten Nicole Stich und Sebastian Dickhaut
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