Im Frühjahr schaut die Modewelt gespannt auf die Pariser Laufstege. Neue Formen, Farben, Trends. Doch was tut sich in Sachen Food Neues in Frankreichs Gourmet-Metropole?
Während die Topmodels noch tapfer hungern, machten wir uns mit völlig anderem Ziel auf nach Paris. Größtmöglichste Kaloriendichte, so die Losung bei unserem ganz eigenen Catwalk durch die Top-Delikatessengeschäfte der Stadt. Immer mit der Frage im Hinterkopf: Was haben sich französische Patissiers und Konditoren einfallen lassen, um uns das Jahr 2008 zu versüßen?
Die magischen Namen lauten für uns nicht Chanel und Dior, sondern Hédiard oder Ladurée. Beides Traditionshäuser, deren Pralines, Dragées, Konfekt und andere süße Petitessen verpackt in repräsentative Tüten wie Trophäen von japanischen Touristen und schicken Pariserinnen gleichermaßen heraus getragen werden. Oder Fauchon. Im pink gehaltenen Ladenlokal schillert schrill der "Gateau disco" als silberne Sputnikkugel, und die in jeder Saison neu gestylten Eclairs tragen heuer Raubtierdekor.
Doch der Dernier Cri in Sachen Hüftgold sind und bleiben überall eines: Makronen. Was für unsere Ohren eher etwas altbacken und nach geringem Hipfaktor klingt, erfüllt das Pariser Gourmet-Publikum nun schon seit geraumer Zeit mit stets neuem Entzücken. "Macarons", klingt doch auch schon eher nach einem zart hingehauchten Versprechen, als nach schnöden weißen Baiserhäufchen, wie wir sie kennen. Trotzdem, auch in Paris wird nur mit Mandeln, Zucker und Eiweiß gebacken. Allerdings kleben dafür jeweils zwei Mandelmakronen mittels einer Füllung aneinander. Glatt glänzend und ohne Risse in der Oberfläche und vor allem, so will es tout Paris momentan: bunt und richtig poppig.
Wie eine Parade kunterbunter Knöpfe präsentieren sie sich in den Auslagen aller namhafter aber auch weniger bekannten Patisserien. Meist verrät schon die mehrheitlich künstlich erzeugte Farbe der Gebäckhälften den Geschmack ihrer Füllung: Dunkelrote mit Cassis, Rosa mit Himbeer, Grüne mit Pistazie, etc. Manchmal lässt das äußere Erscheinungsbild aber auch keine Rückschlüsse auf das süße Innenleben zu. Hier sind dann wahre Künstler und Keksdesigner am Werk wenn gesalzenes, bretonisches Butterkaramell, Ingwer und Zitrone, Rose oder exotische Gewürze in der Füllung eine cremige Liason mit den knusprigen Mandelschalen eingeht. Durch bis zu 30 Sorten kann man sich in manchen Confiserien inzwischen knuspern und knacken.
Doch damit nicht genug. Eine wahre Invasion der Makronenknöpfe setzt sich momentan auch auf Torten und Kuchen wie z. B. dem traditonellen Weihnachtskuchen, dem Bûche de Noël, fest oder türmt sich zu Pyramiden und Tannenbäumen, um sich in wenigen Wochen schon zu Ostereiern zu formieren. Alles was sich verzieren lässt - oder auch nicht - wird makronisiert. Une follie - eine wahre Tollheit scheint die Pariser hier erfasst zu haben, für die sie offensichtlich auch gerne tief in die Tasche greifen. Satte 435,- kostet die Makronenypramide, die das Delikattessgeschäft Dalloyau anbietet. Abgesehen von der Frage, ob man mit dem Geld nichts Besseres anstellen könnte, fragen wir uns, was man dann mit den 240 Makronen macht, wenn das Ding zu Hause steht. Aber Modetrends waren ja bekanntlich noch nie so richtig vernünftig...
Sag nicht, Du warst in Paris, hast über Makarons recherchiert und keine von Hermé gegessen? Mein Mann, der nicht viel von Verschwendung hält, hat gestern Nachmittag spontan vorgeschlagen, nach Paris zu fliegen um bei Pierre Hermé Makarons zu kaufen.... was wir natürlich nicht gemacht haben. Wollte nur deutlich machen, dass wir genau wüssten, was wir mit den 240 Makarons von der Pyramide machen würden: Die liebsten Freunde einladen und alles aufessen!