Wer ein Herz für Österreichs Mehlspeisen hat, der kann bei diesen fruchtigen Marillenknödeln einfach nicht widerstehen.
Wer Maikes Dienstagskochen die letzten Wochen verfolgt hat, dem ist ein
immer wiederkehrender Ruf nach österreichischen Mehlspeisen sicher
nicht entgangen. Dem gebe ich nur zu gern nach, meine Schwäche für
Mehlspeisen jeglicher Art wurde mir praktisch in die Wiege gelegt. Egal
ob Schmalzgebäck, Buchteln, Zwetschgenknödel oder Kaiserschmarrn, was
den Töpfen meiner Großmütter und Tanten auch entsprang, es schmeckte
himmlisch und wurde immer bis zum letzten Krümel verputzt. Inzwischen
habe ich viele meiner Lieblingsgerichte aus der Kindheit zwar
erfolgreich nachgekocht, aber auch die Erkenntnis gewonnen, dass die
Tücke oft im Detail steckt... Gut, die Entscheidung für Mehlspeisen war also gefallen, blieben ja nur noch ein paar Dutzend Möglichkeiten.
Ein kurzer Spontanbesuch bei Freunden in Wien kam mir zu Hilfe. Wohin
wir auch gingen, die Marillen waren schon da... Ob als Marillenschorle,
als Marillen-Palatschinken, Marillenstrudel oder Unmengen der berühmten Wachauer Marillen in Kisten gestapelt auf dem Kutschkermarkt, man konnte ihnen einfach nicht
entkommen. Und wer würde das schon wollen?
Marillen (die in Österreich, teilweise auch in Süddeutschland
gebräuchliche Bezeichnung für Aprikosen) haben bereits Hochsaison und
wandern dieser Tage bei fast jedem Einkauf in meine Tasche. Neben den
leuchtend orange-roten Früchten findet man auch immer öfter die
kleineren gelben Zuckeraprikosen, denen aber oft ein wenig der
säuerliche Kick fehlt, den ich bei Aprikosen unbedingt haben will.
Nachdem bereits ein gutes Dutzend Marmeladengläser für die
Aprikosen-freie Zeit eingekocht wurde, mehrere Kuchen und ein Sorbet
dem Marillenüberschuß unserer Obstschale zu verdanken sind, fiel mir
ein, was wir in Wien diesmal vergessen hatten: Marillenknödel essen!
Und schon stand das Mehlspeisen-Rezept fest. Nach einigen weniger
zufriedenstellenden Versuchen mit Kartoffelteig verwende für meine Obstknödel mittlerweile fast ausschließlich Quark-Gries-Teig, der sich nicht nur
gut verarbeiten läßt, sondern auch nach dem Köcheln eine flaumige Konistenz hat. Die Knödel werden danach wahlweise in leicht gezuckerten
Butterbröseln (traditionell) oder in gemahlenen Pistazien
(Edel-Variante) gerollt, ganz wie’s beliebt... Die größte
Herausforderung diesmal war es allerdings relativ kleine Marillen zu
bekommen, zumindest habe ich die Marillenknödel aus meiner Kindheit
deutlich kleiner in Erinnerung. Deshalb habe ich testweise auch ein paar mit den
kleineren Zuckeraprikosen zubereitet, die sich größentechnisch zwar perfekt
eignen, aber leider die säuerliche Note vermissen lassen.
Diese Topfenknödel sind eine echte Versuchung und das nicht nur als
Nachspeise. Ist die Marillensaison vorbei, lassen sie sich auch
wunderbar mit Pflaumen, Zwetschgen oder sogar Weintrauben füllen. Viel
Spaß beim Knödelrollen!
Zum Marillenknödel-Rezept »
mmmh, nicky, die sehen ganz lecker aus und treffen bei mir als oesterreicherin natuerlich einen nerv! ich mache selten marillenknoedel (was vorwiegend an der minderen qualitaet der hiesigen marillen liegt - wer einmal wachauer probiert hat, isst nix anderes mehr). ich habe auch lange mit teigvarianten rumprobiert und bin schliesslich bei brandteig stehengeblieben - das schmeckt mir am besten. ich verwende zum rollen meist butterbroesel, allerdings immer oefter geriebenen brioche oder zu den semmelbroesel geriebene nuesse! die pistazienbroesel sehen zum reinbeissen aus, das muss ich unbedingt mal probieren!