Rezepte entwickeln, übers Essen schreiben und dieses auch noch ansprechend auf einem Foto festhalten: Ein Blog wird zum Buch.
Nicole Stich - delicious days
Nein, das hat man mich als ich klein war, bestimmt nie sagen hören. Eher
schon mädels-spezifische Berufswünsche à la Tierärztin oder
Pferdewirtin, gemischt mit der ein oder anderen Modeerscheinung wie
Kommissarin oder Archäologin. Zum Ende meiner Schulzeit sah mich mein
Deutschlehrer dagegen als Journalistin, während meine Kunstlehrerin
mich davon zu überzeugen versuchte, dass ich „was Kreatives“ machen
müsste. Rückblickend lagen beide gar nicht so verkehrt - warum es dann
erstmal ein Jurastudium geworden ist... nun, jeder macht mal Fehler. Da
ich mein Studium aber größtenteils mit einem Job in einer Werbeagentur
finanzierte, hatte meine Kunstlehrerin gar nicht mal so daneben
gelegen. Und ich blieb auch nach meinem Studium der Werbung treu. Bis
ich durch puren Zufall auf etwas stieß, das mir soviel Spaß machte,
dass ich es gar nicht als Arbeit verstand: Rezepte entwickeln, übers
Essen schreiben und dieses auch noch ansprechend auf einem Foto
festhalten:
„Beim Stöbern im Internet auf der Suche nach einem Rezept, stolperte
ich Anfang 2005 über Foodblogs und war von der allerersten Sekunde an
fasziniert. Auf diesen Webseiten schrieben Menschen rund um den Globus
über ihre kulinarischen Erlebnisse und ihre Lieblingsrezepte - mal
mehr, mal weniger persönlich -, tauschten Tipps und Meinungen aus oder
diskutierten die neuesten Trends in der Küche. Schnell gehörte eine
Handvoll Blogs zu meiner täglichen Leseroutine, ich war begeistert, mit
wieviel Enthusiasmus sich Foodblogger ihrem Lieblingsthema widmeten.
Dass ich schon kurz darauf mit dem Gedanken spielte, meinen eigenen
Blog zu schreiben, lag da natürlich auf der Hand. Unzählige Ideen
wurden geboren und ebenso schnell wieder verworfen, ein passender Name
wurde gesucht und Oliver, mein Freund, half mir in den darauffolgenden
Tagen mit der technischen Umsetzung: Am 6.März 2005 dann war es soweit,
ein letztes Mal den „Upload“-Button geklickt und mein kleiner Blog
www.deliciousdays.com erblickte das Licht der Welt. Wusste ich, worauf
ich mich da eingelassen hatte!?
Die ersten Beiträge, meist Rezepte mit einer kleinen persönlichen
Geschichte, gingen online und während ich mich noch im Stillen fragte,
ob das wohl überhaupt jemand lesen würde, trudelte bereits das erste
Feedback ein – scheinbar hatte ich mit meinen kleinen Rezept-Anekdoten
und meinem Blog-Design tatsächlich einen Nerv getroffen. Die größte
Herausforderung aber waren die begleitenden Rezeptbilder. Wer schon
einmal versucht hat, seiner kleinen Digicam am heimischen Küchentisch
ein ansprechendes Foto einer Portion selbstgekochter Spaghetti zu
entlocken, der kann sich in etwa ein Bild davon machen, wie
frustrierend meine ersten Versuche verliefen (zu dunkel, verschwommen,
ist das Hundefutter?)...
Es überrascht mich immer wieder, wie sehr man Menschen mit Rezepten
begeistern kann, vor allem wenn eigene Erinnerungen damit verknüpft
sind. Dann vermag es ein bestimmter Geschmack oder das Aroma, das der
Backofen verströmt, einen für den Bruchteil von Sekunden in einen
längst vergangenen Moment zurückzuversetzen. Die traditionellen Rezepte
meiner Großmutter sind dafür das beste Beispiel. Wenn ich jemandem zu
so einem kleinen Glücksmoment verhelfen kann oder mir eine Leserin
hellauf begeistert schreibt, dass mein Kuchenrezept sie zur
beliebtesten Kollegin im Büro gemacht hat, dann ist das für mich der
allerschönste Aspekt am Foodbloggen – einmal abgesehen von den vielen
liebenswerten Menschen, die ich dadurch kennengelernt habe.
Trotzdem fiel ich erstmal aus allen Wolken, als mich ein Verlag
kontaktierte und vorschlug, gemeinsam ein Buch zu produzieren. Sicher,
ich lese und sammle Kochbücher wie andere Menschen Romane und mein
Blog hatte mittlerweile eine beachtliche Leserschaft, aber ein eigenes
Kochbuch schreiben - konnte ich das? Ich grübelte hin und her und
überlegte, wie ich mir mein Buch vorstellen würde, bis ich einen Anruf
von einer Redakteurin aus dem Haus Gräfe und Unzer erhielt. Man wollte
nicht nur ein Buchprojekt mit mir angehen, sondern legte auch großen
Wert darauf, dass ich meine eigenen Ideen verwirklichen konnte und dem
Buch meine Handschrift geben würde. Da war es um mich geschehen.
Inzwischen ist ein gutes Jahr vergangen und aus der Idee wirklich ein
Buch geworden, von dem ich hoffe, dass es andere inspiriert, Appetit
macht und seinen Platz sowohl in der Küche wie auf dem Sofa finden
wird.“
(Stich, Nicole: delicious days, S.10, 13, Erscheinungstermin:
September 2008, erhältlich auch im GU-Shop)
Aber natürlich war nicht alles eitel Sonnenschein während dieser Zeit!
Mehr als einmal raufte ich mir die Haare, wenn Deadlines mir den Schlaf
raubten, sich ein Salat beim fotografiert werden zierte oder ein
bewährtes Lieblingsrezept unerwartet Schwierigkeiten machte. Mehr dazu
demnächst hier...