FOODTRENDS 2010, TEIL 2: Vom Kochen und Essen

FOODTRENDS 2010, TEIL 2: Vom Kochen und Essen

Blogger eröffnen Lokale und schlachten Schweine, Veganer machen sich schick, Food-Designer machen Mist - Nicole Stichs und Sebastian Dickhauts Blick ins (noch) Neue Jahr.

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Kommentare

Der sechste Geschmackssinn: Wohlfühlen

Dass Cocooning und Comfort Food im Trend sind, kann man schon seit Jahren lesen. Bei ihren Vorsätzen fürs Neue Jahr waren sich die Food-Promis aber diesmal auffällig einig: 2010 soll mehr gemeinsam gekocht werden und zwar ehrliche Kost – was jetzt fair, bio und CO2-reduziert heißt und/oder einfach: mit ausgesucht guten Grundnahrungsmitteln statt mit exotischem Chichi und nach bewährten und gemeinsam perfektionierten Zubereitungen (von Oma wie vom Foodblog unseres Vertrauens) statt nach dem Chemie- und Physikbuch.

 

Komm auf mein Couch: Vom Supper Club zum Blogger-Lokal

Wenn es daheim mal wieder so richtig fein aus der Küche ins Wohnzimmer flutscht, sagen Freunde gerne „Mensch, Du musst ein Lokal aufmachen!” Dass sie da vielleicht schon drinnen sitzen und fürs Essen bezahlen müssen, überrascht sie dann – aber dafür sind Wohnzimmerlokale inzwischen so professionell wie das vom Shy Chef oder Palisaden Supper Club in Berlin. Der Trend  zur offenen Privatküche wird 2010 bis runter zur Kleinstadt noch zunehmen – und in die Breite gehen: In Hamburg eröffnet Foodstylist und Eat-Blogger Oliver Trific sein eigenes Lokal, und auch für München können wir da was aus unseren eigenen Reihen versprechen.

 

Fleisch rockt

Eigentlich dürfte man ja gar kein Fleisch mehr essen – Viehhaltung soll zu 50 % für die Erderwärmung verantwortlich sein, Gammelfleischskandale häufen sich und am Ende heißt Fleischessen eben auch Töten. Weswegen sich ein neuer Respekt und eine größere Ehrlichkeit gegenüber dem Thema entwickelt. Auf der einen Seite wird gutes Fleisch wieder zum Statussymbol - so heißt das neue und erfolgreiche Edelfoodporn-Magazin dann auch Beef.

 

Auf der anderen Seite wollen die Leute mehr wissen über ihr Fleisch und seinen Weg. „Schlachten gehört hergezeigt. und zwar jeder und jedem, die/der tierische Produkte isst”, fordert unsere Wiener Kollegin Katha von esskultur.at (siehe Punkt 6), und in den USA gelten junge Metzger bereits als die neuen Rockstars, wie die New York Times meldet (einen Trend, denn der „New Yorker” Kultur-Chef mit Heat angeheizt hat): „Butchers have the raw, emotional appeal of an indie band. They turn life into death, in the form of a really good skirt steak.” Oder mit einer Schweinskopfsülze, denn Respekt vor dem Tier heißt auch, nicht nur sein Filet zu essen. Und so trifft sich die Digitale Boheme Ende Januar beim Porkcamp 2010 zum gemeinsamen Hausschlachten, Wurstmachen und Einpökeln (wir werden berichten). Kann aber auch sein, dass danach mancher sagt:

 

Vegan swingt

Spätestens Das vegane Kochbuch der Münchner In-Wirtin Sandra Forster im Sixties-Look hat uns gezeigt, das Mobys Teehaus nicht nur ein New Yorker Millionärs-Spleen ist. Während „vegetarisch” inzwischen schon in den Reihenhausküchen vor der Stadt angekommen ist, wohnt der völlige Verzicht auf alles von Vieh und Fisch eher noch in den Extremen der Großstadt, also irgendwo zwischen Attac-WG und Nachtleben-Cafe. Doch das Vegane macht sich auf den Weg zu uns – denn eigentlich dürfte man wirklich kein Fleisch und keinen Fisch mehr essen. Oder wie Katha sagt: „ Je mehr ich mich mit Lebensmittelproduktion und all ihren Folgen und Verbindungen auseinandersetze, umso öfter komme ich zum Schluss, dass tendenziell vegane Ernährung klug wäre.”

 

Design fuchst

Der Analog-Käse (von Food-Designern entworfene Masse, die sich wie Käse ansieht, anfühlt, anhört und anschmeckt, aber keiner ist) hat uns zuletzt gezeigt, was geht. Und die Designer fuchsen immer weiter – nicht nur für die rot-gelb-grün leuchtende Supermarktgänge. Kommt jetzt also eine Welle von Space-Food auf uns zu? Kommt auf uns an. Dass wir clever genug sind, keinen Chemombert zu kaufen, kann man mal annehmen – deswegen gibt’s den wohl auch länger noch nicht. Aber was ist mit der Tüte „Pizzareibekäse”? Der Dose Chips „Cheese & Onion”? Oder mit der 1-Euro-Pizzaschnitte in der Mittagspause? Kommt Euch nicht in den Mund? Dann ist ja gut. Ansonsten: Etiketten lesen, im Zweifel Händler und Kellner löchern und bei das-ist-drin.de oder abgespeist.de nachschauen. Oder einfach mit guten Dingen vom Händler Eures Vertrauens ein Rezept Eures Vertrauens zubereiten – Ihr wisst ja, wo Ihr es herbekommt.

 

 

Wir wünschen Euch ein reiches und gutes Jahr 2010 an Herd und Tisch. Passt auf Euch auf – und auf Euer Essen.

 

 

Hier geht es zu Teil 1 unserer

Food-Trends 2010: Vom Einkaufen und Ausgehen.

Und hier könnt Ihr schauen, was wir uns für 2008 und 2009 prophezeit haben.

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Aphrodite
Scharfe Worte, sollte, könnte....

@fressack, jetzt musste ich den Absatz wirklich noch mal lesen. Über den Gebrauch des Konjunktivs wurde ich mal aufgeklärt. Draufhauen hilft da wenig. Der Angesprochene ist sich ja nur der Möglichkeit bewusst und hat sich noch in keiner Form festgelegt. Wir sind uns alle einig? Worüber? Das man besser kein Fleisch und Fisch essen sollte und mehr Sorgfalt bei der Auswahl seiner Lebensmittel an den Tag legen sollte? Ja!

Das ich da in einer Reihe stehe sollte, könnte oder was auch immer mit den von Dir angeführten Personen - stört mich dann doch etwas.

Ich finde das Spiel mit Worten gelungen. Es ist positiv und hat eine Leichtigkeit. Wenn ich etwas anderes sehen oder hören will, schaue ich Nachrichten.

 

Vegan swingt. Wirklich?

Ich hoffe, Ihr werdet jetzt nicht zu Apologeten des Veganismus.

Nichts gegen vegane Kochbücher, aber wir sind uns doch alle einig, dass man diesen religiösen Essgestörten nicht noch neue Foren bieten sollte.

Petra Holzapfel
Wien

Auch in Wien gibt es ein kleines Lokal einer ehemaligen Bloggerin: Angelika Apfelthaler hat sich mit ihrem "The DiningRoom" im eigenen Haus einen Lebenstraum erfüllt. Noch dieses Jahr wird ein Buch von ihr erscheinen, in dem sie den Weg dorthin beschreibt.

Aphrodite
Was habt Ihr vor?

Sagt Bescheid, wenn es soweit ist!!! Ich fahre doch nicht extra nach Berlin. Ich lasse mich gerne zum Essen einladen :)