"If it smokes, it's Saté!" Auf Streetfoodtour in Jakarta

"If it smokes, it's Saté!" Auf Streetfoodtour in Jakarta

Wer gerne isst und einen guten Magen hat, kriegt in den Straßen von Indonesiens Hauptstadt den Mund nicht mehr zu - vor lauter Essen und Staunen. Kommt mit auf Tour.

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Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Sebastian quer durch die indonesische Hauptstadt Jakarta. Mit an Bord: Insider-Tipps für alle Reisehungrigen, wie man hier am besten zu seinem Essen kommt.

 

Letzten Sommer hatte ich Besuch aus Indonesien. Drei angehende Lebensmitteltechnikerinnen (oder "Food Scientists", was gleich viel mehr nach Abenteuer klingt) und eine Modestudentin wollten wissen, wie München schmeckt. Und so saßen wir um elf bei Weißwurst und Pfefferminztee im Hofbräuhaus (nur eine griff beherzt zur Maß), tranken zu Mittag Espresso am Viktualienmarkt, kühlten die Füße beim Meloneneislecken in der Isar und nahmen als Brotzeit einen Saibling beim Österreicher und Bubbletea beim Burgerbrater - "just for research" sagte die Maßtrinkerin, und lieferte auch gleich das Ergebnis: "very poor". Der Abend endete dann wieder ganz zünftig im Augustiner Biergarten, wo ich die Damen bei Hendl und Bier vor diversen Junggesellenrotten schützen musste. "Now you must come to Jakarta", sagten sie zum Abschied bei indonesischer Tütennudelsuppe in der WG-Küche, "and we will show you more."

 

Und da bin ich dann vor knapp zwei Monaten gelandet. Und hab drei Wochen lang kaum noch den Mund zu bekommen vor lauter "more". Erstens, weil einem da den ganzen Tag lang dauernd was zum Essen reingesteckt wird, was mich zweitens überall und immer wieder groß staunen ließ, wenn wir in dieser Schlaraffenstadt unterwegs waren. In der auch das Essen immer unterwegs ist.

 

Erstes Suppenglück

 

Und so liefen wir uns gleich am ersten Mittag über den Weg, das Ich und das Essen. Ich war der, der einfach mal zum Luftschnappen vors Tor seiner Gastgeber ging, wo das dort tosende Leben zumindest gefühlt in sofortige Erstarrung verfiel, als man mich Ausländer erblickte. Woraufhin ich sofort in eine stille Lehmgasse abbog, in der dann das Essen war bzw. auf mich zubollerte. Später erklärte man mir, dass das ein Gerobak beladen mit Bakso Malang war; ich sah erst mal nur einen schüchtern lächelnden Jungen mit einem bunten Wagen, aus dem es dampfte und duftete. Und als ich mein Suppe auf einem Mäuerchen ausgelöffelt hatte, kam einer mit einer Kühlbox voll Eis auf dem Gepäckträger angeradelt - Nachtisch! Ihr dürft Euch mich in diesem Moment als einen sehr glücklichen Menschen vorstellen.

 

Und so richtig aufgehört hat das eigentlich die ganzen drei Wochen nicht, mit dem Essen wie mit dem Glücklichsein, was bei mir eh oft Mund an Mund geht. Denn ich hatte bei den täglichen Entdeckungstouren nicht nur eine Food Scientista an meiner Seite, sondern auch noch einen Geflügelfarmer, der so ziemlich die halbe 10-Millionen-Stadt mit Hähnchen versorgen schien - und sich auf seinen Touren im Selbstversuch zu einem echter Kenner in Sachen Streetfood ausgebildet hatte.

 

Kerak Telur - wenn das Essen wirklich von der Straße kommt

 

Da war zum Beispiel der Junge im Hafen, der auf seiner Schulter eine Stange balancierte, an deren einem Ende er eine Vorratskammer balancierte und am anderen eine Küche. Aus der holte er ein Kohleöfchen, als wir ihn anhielten und er seine Konstruktion absetzte, um dann in einem Miniwok einen Eierkuchen mit Kokosraspeln und viel Gewürz zu braten - Kerak Telur. Oder der fröhliche Hallodri in seinem Verschlag, der beim Wokken nicht nur den Damen schöne Worte machte und sich mir gleich mal als Verwandter von Franz Beckenbauer vorstellte, sondern auch noch fast ins Tanzen verfiel und am Ende das beste Nasi zauberte, das ich dort gekostet hatte.

 

Wo das jetzt denn alles war? Ach du je, was weiß denn ich. Aber das weiß ich: Es lohnt sich eigentlich überall, wo viel los ist, einfach mal auf Entdeckungstour zu gehen und drauflos zu kosten. Englisch spricht zwar fast niemand hinter den Fresstrolleys oder unter den Zeltplanen mit Garküchen, die sich überall am Straßenrand finden. Aber so ein paar Anhaltspunkte haben wir ja schon gelernt zur Orientierung:

 

Erstens: Wenn der Trolley auf der einen Seite eine Vitrine mit Gebackenem hat und auf der anderen Seite ein Topf herausragt, dann gibt es dort die Suppe mit Fleischklößchen, gebackenem Tofu und Knusperfladen, die ich an meinem ersten Mittag hatte (siehe Bilder am Schluss).

 

Zweitens: Während der Döner eine in der Türkei unbekannte Erfindung von uns Deutschen ist, für die wir zur Strafe vom Rest der Welt für Sauerkrautfresser gehalten werden, gibt es Nasi Goreng tatsächlich in Indonesien, und zwar an jeder Ecke. Und das angeblich beste in einer Gasse zwischen Wolkenkratzern der Innenstadt ist nur noch Legende, seit sie es wegen der großen Nachfrage nur noch in Partypfannen kochen - nix mehr goreng (gebraten) mit dem Nasi (Reis).

 

Drittens: If it smokes, it's Saté. Immer.

 

Meine ersten Saté-Spieße vom Freiluftgrill habe ich übrigens als Beilage gegessen - kurz in Kejap Manis gewendet, der dicken süßen (= manis) Sojasauce Indonesiens, dann mit viel Rauch zubereitet und mit einer scharfen Erdnusssauce serviert. Wie sie geschmeckt haben, weiß ich aber nicht mehr - denn das Hauptgericht hat den gesamten Geschmackserinnerungsspeicher an diesem Abend gefüllt: Kokossuppe mit Lamm und Curry klingt noch zivil und die Lammfüße in dem Riesentopf am Straßenrand waren für mich auch noch ein Qualitätszeichen. Aber das dicke Ding da in der Tasse, das konnte eigentlich kein Bries sein, eher... Hirn, genau. Aber wahrscheinlich lag es an dem Bier danach in "Die Stube" (Jakartas deutsche Kneipe mit indonesischen Bedienungen im Minidirndl), dass es mir an dem Abend nicht so doll ging.

 

Ansonsten aber: alles gegessen (richtig mies war es nur einmal - beim Thai), sich mit nichts überworfen (um es mal gepflegt auszudrücken) und die Toleranzschwelle für "scharf" um einiges erhöht (was Freunde nach meinem ersten Wiederdaheimkochen keuchend bestätigten). Und hoffentlich die Akzeptanz für Streetfood hier ein bisschen erhöht - vielleicht ja sogar beim Kartoffelbrei?

 

"If it smokes, it's Saté!" Auf Streetfoodtour in Jakarta
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trudine
Vielen Dank

für diesen tollen Bericht, Sebastian! Man sieht Dir an, dass Du auf Wolke sieben des kulinarischen Himmels schwebst! :) Da wäre ich sehr gerne dabei gewesen!

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