Basic Cooking Interview Sebastian Dickhaut
"Basic cooking"

Der Mann hinter den Basics: Interview mit Basic cooking-Autor Sebastian Dickhaut

Koch zu werden war in seinem Lebenslauf ursprünglich gar nicht angedacht. Dann kam auch noch das Schreiben dazu und plötzlich war er Autor der erfolgreichen Basic-Kochbuch-Reihe. Wer ihn lesen möchte, greift entweder zu einem seiner über 20 Kochbücher, verfolgt ihn bei seiner Mission, das Mittagessen zu retten, lauscht seinem Gezwitscher auf Twitter oder beobachtet sein Treiben als Küchengott. Sebastian Dickhaut ist ein Lebens- und Kochkünstler, der mit seinen Büchern den Grundstein fürs Kochen bei Alt und Jung gelegt hat. Hat der Erfolg ihn vom Boden abheben lassen? Mitnichten! 

Küchengöttin Bettina Müller stand er nun Rede und Antwort. Ein Interview über Erfolg, München Giesing, Küchenkatastrophen und Katzen.

Sebastian Dickhaut Küchengötter
Das Gesicht hinter den Basic-Kochbüchern.

Küchengötter: Was unterscheidet Dein neuestes Basic (Country Basic) von Basic cooking – außer dem Thema? 

Sebastian Dickhaut: Es ist noch bunter und lebendiger (geht das überhaupt noch?), ohne dabei knallig und hektisch zu sein. Und es ist einfach wunderschön. Das Thema Jahreszeitenküche hat uns wohl alle so beseelt. Die Fotos vom Land und von dem guten Essen finde ich einfach toll. Und Cornelia Schinharls Rezepte genauso.

Küchengötter: Würdest Du sagen, dass die Basic-Reihe langsam erwachsen wird?

Sebastian Dickhaut: Haha, die Basics sind jetzt 14 und damit grad mal Teenager - aber ich glaube, ein Buchjahr ist ein Vielfaches von einem Menschenjahr. Interessanterweise hat ja schon das Ur-Basic nicht nur die jungen Einsteiger angesprochen, an die wir dachten, sondern auch eine Menge gestandener Köchinnen und Köche. Vielleicht hatten die einfach Sehnsucht nach ihren jungen WG- Jahren? Wir sind auf jeden Fall spezieller geworden, denn im Zweifel wollen wir lieber mit unseren Lesern wachsen statt immer wieder von vorne anzufangen.

Küchengötter: Hast Du selbst ein Basic-Lieblingsbuch?

Sebastian Dickhaut: Ach, das ist schwer. Das Cooking natürlich, wegen der Energie des ersten Mals. Das Italian wegen der Lebensfreude. Das Oriental wegen seiner Schönheit und Tiefe. Das empfehle ich den Leuten immer, wenn sie was Besonderes wollen. Also, nehmen wir doch das.

Rezepte Basic Cooking Sebastian Dickhaut
Sebastian Dickhaut kocht mit Leidenschaft.

Küchengötter: Gab es irgendwelche kuriosen Geschichten bei den Basic-Produktionen?

Sebastian Dickhaut: Naja, das war’s eigentlich gleich vom Start weg: Sabine (Anm. der Redaktion: Sabine Sälzer, Redakteurin Kochen & Verwöhnen bei GU) hat mich gefragt, ob ich ein Grundkochbuch für junge Leute schreiben will und ich hab gesagt, gerne, aber ich wandere gleich nach Australien aus. Dann haben wir es zusammen gemacht, sie in München, ich in Sydney. Und dass in diesen fixflexiblen Zeiten die Basic-Band bis heute die gleiche ist, das ist eigentlich auch schon wieder kurios: Sabine, Cornelia und ich an den Tasten und Töpfen, Axel Walter und Barbara Bonisolli an der Kamera (mit Models fast immer von GU oder aus dem Freundeskreis), Thomas Jankovic beim Layout.

Küchengötter: In den Basic-Büchern steht seit der ersten Ausgabe Deine Mail-Adresse. Schreiben Dich Deine Leser tatsächlich direkt an?

Sebastian Dickhaut: Gerade am Anfang nutzten das ganz viele, da war das ja noch neu, vor allem so direkt. Und es war toll, was da kam in den ersten Wochen, sehr persönlich und herzlich. Ich lebte damals in Sydney und habe gar nicht mitbekommen, was für eine Welle das Buch gemacht hat, und dann kamen da plötzlich richtige Fanmails. Die gibt’s immer noch, aber weil es inzwischen viele Wege übers Netz zu uns gibt, landen sie seltener bei mir. Zuletzt wollte jemand ein altes Party Basic von mir - aber die behalte ich für die Alterssicherung, die werden im Netz für 70 Euro und mehr gehandelt.

Lieblings-Basic-Rezepte der Küchengötter-Redaktion

Basic Cooking Produktion
Schnappschüsse aus den Basic-Kochbüchern.

Küchengötter: Bei unseren Kochkursen hört man die Leute andauernd staunen „Ah, von den Büchern habe ich auch mehrere zu Hause“. – Wie fühlt es sich an, so prominent in den Kochbuch-Regalen anderer Leute zu sein?

Sebastian Dickhaut: Immer besser. Am Anfang habe ich das ja gar nicht so mitbekommen in Sydney, und als ich zurück war, hat mich das erst mal ein bisschen überfordert. Aber weil wir Buch nach Buch gemacht haben, blieb da gar nicht so viel Zeit zu. Ich finde es prima, dass vor allem die Bücher bekannt sind, so lebe ich gut davon und habe trotzdem meine Ruhe. Und freu mich umso mehr, wenn die Leute beim Kurs erst mal staunen - Ehrfurcht nehme ich ihnen aber ganz schnell.

Küchengötter: Wirst Du auf der Straße erkannt?

Sebastian Dickhaut: Hier in Untergiesing schon, weil wir ja im Küchengötterstudio HUKODI an kochfreien Tagen auch zum Essen, zu Konzerten und Lesungen einladen und weil ich hier immer rumlaufe und -sitze, um einen Kaffee zu trinken. Aber sonst ist nix mit Erkennen, selbst wenn ich mir ein Basic auf den Kopf setze. So kann’s bleiben.

Küchengötter: Hessen, Österreich, Bayern, Japan, Indonesien, Australien – Wo fühlst Du Dich am wohlsten?

Sebastian Dickhaut: Hammerfrage... Also, vielleicht einfach - in der Stadt? In Frankfurt bin ich sofort im Flow, der Humor, der Dialekt, der Äppler, das ist der Schwung, von dem ich komm’. Wien ist mein gutes altes neues Europa, München ist mein Wohnort seit nun fast 25 Jahren und da verlieb ich mich grad neu drin, Tokio mein Meer zum Abtauchen und Genießen, was ich mit ein bisschen mehr Action & Gefühl auch grad in Jakarta erlebt habe, und Sydney... da bin ich nach zwölf Jahren wieder im Oktober, und ich glaube, da werde ich mich am allerwohlsten dieses Jahr fühlen.

Basic Cooking Dreharbeiten
Sebastian während einer unserer Produktionen.

Küchengötter: Wo bist Du zu Hause?

Sebastian Dickhaut: In München-Untergiesing an der Isar. Der beste Platz in dieser Lieblingsstadt, gerade jetzt im Sommer. Ich kann morgens im Bademantel über die Straße ins Freibad gehen oder ein Stück weiter an die Isar, mich zum Kaffee auf die Bank vors HUKODI hocken und lauter lustige und interessante Leute sehen, die hier übers Kopfsteinpflaster schnüren, viele echte Münchner dabei; zum Sonnenuntergang dann zu allen anderen wieder ans Isarufer oder in den Rosengarten. Ein Wunder, dass ich hier noch was gearbeitet kriege.

Küchengötter: Du bist gelernter Koch, hast dann den Herd gegen den Schreibtisch eingetauscht. Würdest Du heute alles noch mal genauso machen?

Sebastian Dickhaut: Ui, in nochmal genauso machen bin ich gaaaanz schlecht, ich gehe ja meistens noch nicht mal zweimal den gleichen Weg. Früher wollte ich Comic-Zeichner werden, aber meine Held sah einfach auf jedem Bild anders aus, das wurde nix. Aber die Kombi von Schreiben & Schneiden ist schon toll, auch wenn sie nicht so geplant war. Und zum Glück ist sie so vielfältig, dass ich nix genauso nochmal machen muss - jeder Kurs, jedes Basic ist anders. Was auch anstrengend sein kann, Ihr wisst, was ich meine?

Video: Best of Drehkatastrophen mit Sebastian Dickhaut

Video

Best of Drehkatastrophen: Highlights aus unserer Videoproduktion der "Fünf für ..."-Videoreihe

Küchengötter: Du sagst immer wieder, dass Du Dir Deine eigenen Rezepte nicht merken kannst. Welches kannst du denn doch auswendig?

Sebastian Dickhaut: Butterbrot und Schlagsahne - kein Witz, die stehen beide in “Wie koch’ ich...” Das Problem ist für mich auch nicht das Wie, sondern das Wieviel. Deswegen bin ich wohl auch beim Backen so schlecht.

Küchengötter: Hast Du Vorbilder?

Eher Mentoren, also Leute, die mir in guten und in schlechten Zeiten beistehen und beigestanden sind, was ich nicht vergesse, auch wenn wir uns nicht mehr sehen. Ich versuche nun immer mehr, das gleiche für andere zu sein.

Küchengötter:  Was würdest Du ihr/ihm kochen, wenn sie/er sich spontan bei Dir zum Besuch anmeldet?

Wer auch immer Gutes kommt - ich würde erst Mal einen Kaffee machen und mich hinsetzen und dann gehen wir was essen. Denn das ist immer noch das Schönste beim Kochen und man hat mehr Zeit zum Genießen.

Küchengötter:  Du hast jeweils zwei Söhne und Katzen. Wer ist der einfachere Esser?

Hahaha, das ist klasse...  Also den Katzen reicht morgens die Dose und abends das Trockenfutter. Easy. Aber meine Jungs schreien mich nicht morgens aus dem Bett, weil Frühstückszeit ist. Ansonsten essen die eigentlich alles, wenn es gut gekocht ist - was für andere Kochende nicht immer ganz einfach ist, hehe. Allen gemeinsam ist übrigens, dass sie es am liebsten mögen, wenn alle beim Essen zusammen sind. Geh ich also nach dem Futtergeben gleich aus der Küche, laufen mir die Katzen hinterher und schauen mich so lange empört an, bis ich wiederkomme.

Schnell gefragt, schnell gesagt: die schnelle Fragerunde

Basic Cooking Sebastian Dickhaut Div
Sebastian Dickhaut in Action in seiner Küche.
  • In meinem Kühlschrank habe ich immer ... (lacht) ...  Butter! Und irgendeine Wurst, Salami zum Beispiel.
     
  • Mein Lieblingsessen ist ... Oh, hängt von der Saison ab. Aber eigentlich Grüne Sauce.
     
  • Zum Brunchen gehe ich am liebsten ... (lacht) Bleibe ich am liebsten zu Hause.
     
  • Schon als Kind mochte ich keine ... Leute, die nicht gerne essen.
     
  • Meine größte Küchenpanne war ... Baked Beans mit Gnocchi und Pesto.
     
  • Wieso? ... Es hat total eklig geschmeckt. Ich dachte es wäre cool, weil Baked Beans und Gnocchi so gleich aussehen. Ich hatte keine Lust zu kochen, hab einfach die Baked Beans mit Gnocchi gemischt. Das hat aber komisch geschmeckt, deshalb hab ich noch Pesto dran gemacht  und dann war es völlig ungenießbar.
     
  • Das letzte Küchengerät, das ich mir gekauft habe, war ... eine Hand-Kaffeemühle. 
     
  • Auf dieses Küchengerät könnte ich niemals verzichten ... (lacht) Also diese Hand-Kaffeemühle bereitet mit gerade schon große Freude. Und ansonsten noch ein gutes Messer.
     
  • Ein Kochtrend, der mir gar nicht zusagt, ist ... Es ist kein Kochtrend, aber mir sagt es gar nicht zu, wenn man das Essen viel zu ernst nimmt. Wenn man beim Essen auch nur übers Essen redet, wenn man es zu sehr erhöht. Ich sag ja immer: Essen ist zu wichtig, um es ernst zu nehmen. 
     
  • Wenn es schnell gehen muss, koche ich ... Brot, irgendwas mit Brot. Ich mach mir dann oft einfach einen Käsetoast – Welsh Rarebit: Toast kurz auf einer Seite antoasten, viel Käse reiben, vermischen mit Eigelb und – wenn es nicht für Kinder ist - einem Schuss Bier, ordentlich Senf und Pfeffer rein und das auf die weiche Seite des Toasts streichen und dann in den knallheißen Ofen.
     
  • Wenn ich richtig viel Zeit habe, koche ich ... Dann versuche ich auch ziemlich schnell, ziemlich unaufwendig zu kochen, weil ich die Zeit lieber zum Essen nutze. Vor allem, wenn jemand dabei ist.
     
  • Backen ist für mich ... (lacht) ein No-Go
     
  • Vor dem Fernseher esse ich ... gar nichts. Vielleicht mal ein paar Chips. Aber ich finde, wenn du isst, dann isst du, wenn du liest, dann liest du und wenn du fernsiehst dann siehst du fern ... Ich habe ja auch gar keinen Fernseher – fällt mir jetzt gerade ein (lacht).

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