Anglizismen und das Essen

Früher war es der Schnellimbiss - heute ist es das Fastfood-Restaurant - das ist moderner! Anglizismen sind oft wie Fußpilze - man sollte sie vermeiden - oder doch nicht?

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Kommentare
Liebstöckel


»Was haben Sie denn für Tassenkuchen heute …?«


»So was hamm wir nich’ …!«, raunzte mich die Verkäuferin am Backstand an. Der Blick sagte alles: - Entsprungen! »Schade …«, meinte ich darauf, »dann geben Sie mir doch bitte zwei von diesen C-u-p-c-a-k-e-s!«, und habe dabei das letzte Wort besonders gut deutsch akzentuiert; wobei sich daraufhin ein fast greifbares Mitleid auf dem Gesicht der guten Frau ausbreitete …


Ein noch größerer Erfolg an Aufmerksamkeit wird übrigens erreicht, wenn man im gut besuchten Supermarkt der vorbei eilenden Verkäuferin laut hinterher ruft, wo denn heute die S-o-f-t-c-a-k-e liegt! - Alle Vokale dabei natürlich kurz aussprechen, versteht sich.


 


Nun wird keiner hier ein Muffin als Teesemmel bezeichnen. »Rübli-Muffin« klingt doch weit besser als »Möhrensemmel« - stimmt’s? - Wer backt schon eine Möhrensemmel! Ich gebe auch gern zu, dass sich Himbeer-Smoothy besser anhört als Himbeer-Schleimer. Wobei für mich beides das Gleiche ist.


 


So, liebe Freunde, jetzt nehme ich aber meinen Bodybag und gehe einkaufen … natürlich Superfood - was sonst?


 


CHIA - Ciao, Ihr Lieben!


 


PS: Hoffentlich bekomme ich alles weg mit meinem Leichensack …


Annika Mader
Ich verteidige den Muffin :)

Hallo lieber Liebstöckel,

 

ich musste ganz schön Schmunzeln, als ich Deinen Beitrag gelesen habe. Ein wenig gebe ich Dir natürlich Recht ;-) Anglizismen sind ja kaum mehr wegzudenken aus unserer Sprache und manchmal, so geht es zumindest mir persönlich, trifft ein englisches oder spanisches Wort die Sache viel besser, als eine komplizierte deutsche Redewendung. (mit Spanisch halte ich mich ja aber zurück ;-))

 

Aber nun zu Deinem Beispiel "Rübli-Muffin". Da muss ich doch zur Verteidigung dieses populären Angliszismus sagen: Ein Muffin ist ja kein Semmel, übersetzt hieße es Teekuchen. Aber Möhren-Teekuchen? Ich weiß nicht ... Das hört sich doch etwas schwerfällig an, oder nicht? 

 

Ich hoffe, Du warst erfolgreich, auf Deiner "Superfood-Bodybag-Shopping without Limits-Tour? :-)

 

Liebe Grüße, Annika

Aphrodite
Krümelig gelacht.

Muss auch mal darauf achten, was einem da so tagtäglich entgegentrabt. Irgendwie ist ja alles nur noch deli burger fresh und delicious und pure.

crazycook
Liebstöckel, du hast den Togo

Kaffee vergessen der eigentlich "take away" (mitnehmen) heißt, den Du dann über das Handy (eigentlich "mobile phone") bestellen kannst wenn du ihn als "soul food" eigentlich "comfort food" (Seelentröster) bezeichnest. Am Nachbarstand holst Du dir dann ein "finger food" mit "crossover dressing" und setzt Dich auf eine Parkbank zum "chillen". Auf dem Weg dahin wirst du aufgefordert über dieses "food pairing" ein Urteil abzugeben also quasi zu "voten". Kriegste das nicht hin steht Dir jemand bei und "supported" Dich. Solltest Du nicht aufgegessen haben kannst Du den Rest in ein „Doggy bag“ geben auch wenn Du keinen Hund hast. Die Resteverwertung „left over“ wird mit „cole slaw“ „upgegraded“ und vom „scratch“  (Blech) verzehrt. Der Vollständigkeit halber „munchst“ du danach noch einen „New York cheesecake“, „washed down“ mit „Coke“. Na dann prost Mahlzeit oder sollte ich „wonderful“ sagen.

WOLLBAER
Anglizismen weniger störend als Werbung

Sprachen leben und verändern sich, wie wir es täglich erleben. Mich stört der Einfluss der amerikanischen/englischen Welt nicht, da ich allein darüber entscheide ob ich diese Ausdrücke verwenden will oder nicht.

 

Ein viel größeres Problem habe ich mit der Dauervergewaltigung durch Werbung. Es gibt keinerlei Möglichkeit sich diesem Medium zu entziehen. Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen, Postsendungen. Werbung ist allgegenwärtig und greift in meinen Augen in meine Privatsphäre ein.

Kreditkarten, Scannerkassen, Versandhändler, Behörden, Versandhandel schaffen Möglichkeiten durchsichtig zu werden.  Diese Dinge stören mich weit mehr.

 

Liebe Grüße

Rolf

Liebstöckel
Zustimmung

Mich stört der Einfluss der amerikanischen Welt auch nicht. Im Gegenteil. Dadurch kenne ich nämlich jene Weisheit der Dakota-Indianer, die besagt: »Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, - steig’ ab!«

 

Gerade habe ich über @ crazycooks Beitrag Tränen gelacht. Dazu scheint noch die Sonne. - Ein Tag kann doch nicht besser beginnen! - Da werd’ ich jetzt ’mal shoppen gehn …

 

Gaston
Sprache verändert sich

Die Sprache ist einer ständigen Veränderung unterworfen. Ich finde Anglizismen zwar manchmal auch etwas übertrieben aber bestimmte Worte sind in anderen Sprachen manchmal besser darstellbar als im Deutsch. Ich persönlich finde z.B. dem Begriff Muffin nicht so schlimm, denn er ist meiner Meinung nach mehr als der klassische Teekuchen aus Deutschland. Auch brate ich mir gerne mal ein Steak statt einer Scheibe vom Ochsen. Das man es mit dem Schutz einer Sprache auch übertreiben kann, zeigt der Blick nach Frankreich. Dort gibt es keinen Computer, auch keine Taschenrechner, die sind in sehr umständliche französische Namen umgetauft, obwohl es dort auch derbe Anlizismen gibt wie Le speaker für den Sprecher oder le weekend für das Wochenende. Natürlich kann man es in Deutschland auch übertreiben, an meiner Tanke gibt es einen Car wash. Aber das Beispiel Deutsche Bahn zeigt, dass Anglizismen auch wieder zurück gehen. Dort gibt es jetzt wieder einen Infomationspunkt statt Infopoint.

Gaston
Nachtrag

Auch deutsche Sprach verändert sich manchmal aber nur minimal. Aus Photo wurde Foto, und auf meinem Regal mit Porzellanscheffelln aus dem 19. Jahrhundert steht der Zimt noch als Zimmt.

alles neu

Sehr viele neumodische essen werden englisch ausgesprochen, vieleicht auch gerade weil junge Leute es einführen. Cupcakes, Softdrinks, Burger, CakaPops,...

nika
Die deutsche Sprache

ist eine Mischung aus vielen anderen Sprachen. Malheur kannte meine Mutter schon oder Portemonnaie. Gut sie sprach es anders aus, aber es wandern immer wieder Worte in unsere Sprache. Anders herum gibt es in England Kindergärten. Gut ich finde die deutsche Sprache auch gut, aber z.B. den Mug hatten wir schon in unserer Kindheit. Wenn jetzt Kuchen darin gebacken werden, dann heißen sie halt Mugcakes.

crazycook
Man kann es drehen und wenden wie man will

aber langsam wird es zu viel. Heute früh hat ein Moderator des bayerischen Rundfunks sich bei einem Hörer dafür bedankt, dass er ihm eine Nachricht "gewhatsapped" hätte. Gehts noch! Das ist kein Anglizismus, das ist sinnfrei und doof.

Rinquinquin
Köstlich und sehr erheiternd

Habt Ihr nicht noch mehr solcher Wort-Beispiele parat? Das alles ist doch zu lustig. In meiner Kindheit warfen uns die Amerikaner, die per Panzer durchkamen, Tschuingam zu, mein Vater las in der Zeitung das Foileton und sehr verbreitet waren Kontienental-Reifen. Oder Sprachmischungen wie "Le boeuf - der Ochs, la vache - die Kuh. Fermez la porte - mach's Türle zu". Bei unseren Nachbarn durften wir auf dem Kannapee hüpfen, meine Oma ruhte auf der Schässlong. 

Liebstöckel
Noch einen d’rauf gesetzt

Im Internet wurde schon wahrhaftig (!) die Frage gestellt, wie das deutsche (!) Verb »whatsappen« konjugiert wird: Sagt man »Ich hab dich whatsgeappt« oder »Ich hab dich gewhatsappt«? - Noch Fragen über Sprachkultur? - Wusstet ihr eigentlich, dass das Jugendwort des Jahres 2015 »Smombie« ist? (Zur Erklärung: Das ist jemand, der wie gebannt auf sein Smartphone schaut und dadurch wie ein Zombie durch die Gegend läuft). - Beobachtet einmal eure Mitmenschen!

 

Ganz zum Schluss im Vertrauen: Bei meiner nächsten Suppe werde ich jene mit » süssem Rohm« verfeinern und mit zwei »Eyerdottern ablegiren«! - Interessant … wie sich meine satirische Blödelei zur Linguistik-Diskussion mausert …

 

Rinquinquin
Diese satirische Blödelei

gefällt mir ausnehmend gut. 

Mir fiel auf, dass ich Tschuingam doch nicht richtig geschrieben habe, das war selbstverständlich Tschewingum - vor allem gab es damals diesen wunderbaren Dublebuble, der -anfänglich- so schön rosa und rechteckig daher kam und wunderbar pfefferminzig schmeckte. Es gab Zeitgenossen, die daraus Riesenblasen herstellen konnten, was mir nie niemals nicht gelang.

So haben damals schon die amerikanischen Bezeichnungen doch recht erfolgreich versucht, Fuss zu fassen. Irgendwann musste es ja beginnen.

 

Ich bin so froh, dass ich nicht whatsappe - aber dieser Ausdruck ist einfach umwerfend, zu schade, dass ich ihn nicht gebrauchen kann. Twittern, facebooken oder küchengöttern - ist das erlaubt?

Gaston
Satire

Mir fällt noch einer ein: Samstags wird das Trottwa gekehrt. Das sind so die frankophilen Einflüsse in unserer Sprache. Und das Geld hat man im Portmonä. Auch andere Sprachen sind davor nicht gefeit. Als Jugendlicher auf Frankreichfreizeiten hörte man dort auch: C'est cool. Und auch Worte die war ganz normal nutzen sind ebenso entstanden, z.B. das Wort Kakao. Das war eigentlich mal ein Wort der Ureinwohner Mittelamerikas, nur eben ungeschickt nachgeplappert.

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