Ein Nordlicht beim Karneval

Ein spontaner Kurztrip zum Kölner Karneval - ein gewagtes Experiment für eine erklärte Karnevalsverweigerin aus dem hohen Norden

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Kommentare
Schlumpi

Ganz kurzfristig hatte mein Mann zwei Hotelnächte in Köln gebucht - direkt zum Karneval! Oh mein Gott! Fernsehbilder von Prunksitzungen schossen mir durch den Kopf, Jecken, die sich kölschselig in den Armen liegen und über alles lachen, das mit einer Fanfare endet - tötöö tötöö tötöö!


 


Trotzdem - einmal live dabei sein, warum nicht?! Für die Vorbereitung blieb dann aber gar keine Zeit mehr: Unsere Kostümvorräte waren denkbar gering (in meinem Fall eigentlich gar nicht vorhanden) und der Samstag vor unserer Abreise ging komplett für die Umzugshilfe bei einem Freund drauf. Nicht einmal mehr Karnevalsschminke konnten wir besorgen.


 


Am Sonntagmorgen blieb mir nichts anderes übrig, als eilig alles mögliche einzupacken, was sich eventuell als Verkleidung eignen könnte. Immerhin fand ich noch die Deutschlandschminke von der letzten WM - besser als nichts.


 


In Köln angekommen wurde auf dem Hotelzimmer dann rumprobiert, gebastelt und geschminkt (wie gesagt nur in schwarz, rot und gelb...) und am Montagmorgen konnten wir doch tatsächlich verkleidet zum Montagszug gehen! Gut, man konnte uns trotzdem Meilen gegen den Wind als Touris erkennen, schließlich war "Viva Colonia" so ziemlich das einzige Lied, das wir mitsingen konnten...


 


Aber was soll's, wir hatten Spaß! Auch wenn es anders war, als ich es mir vorgestellt hatte: Ich hatte mich ja hauptsächlich auf den Zug mit den toll geschmückten und politischen Wagen gefreut. Aber bis auf eine kleine Handvoll waren die meisten Wagen dann doch 08/15. Zwei Plastepferde vorn dran, oben 'ne Tribüne drauf und fertig. Klar, im Fernsehen sieht man nur die tollen Wagen, da glaubt man ja, die sind alle so aufwendig gemacht.


 


Aber wir waren ja ohnehin mehr mit Kamelle-Fangen beschäftigt. Erstaunlich, wie schnell das kindliche Gemüt wieder durchschlägt, wenn jemand mit Süßigkeiten wirft :-) Begeistert war ich dann vor allem von den Kölnern! Bei so vielen Menschen hatte ich mit Gedrängel und Geschubse gerechnet - nö! Alle waren trotz der Menschenmassen rücksichtsvoll und freundlich (naja, sagen wir fast alle).


 


Ob ich jetzt jedes Jahr wieder hin muss? Das dann vielleicht auch nicht. Aber der Karneval hat doch seinen Schrecken für mich verloren ;-) Und wenn ich mal wieder hinfahre, mach ich mir auch ein richtiges Kostüm. Dann geht's aber vielleicht lieber nach Rio, da ist es jedenfalls nicht so kalt...

Bettina Müller
Toll

Ein wirklich toller Bericht! Und Eure Ausbeute sieht klasse aus. :-)

Viola Booth
Ja, ja ... die kölschen Frohnaturen

Liebe Schlumpi,

 

als Kölnerin, die zum Karnevalfeiern auch in diesem Jahr wieder in ihre Heimat gereist es, freut es mich sehr, dass Dich die Kölner mit ihrer rheinischen Mentalität begeistert haben. Vielen Dank für Deinen tollen Erfahrungsbericht. Er hat mich ein wenig an meine Eindrücke erinnert, als ich hier in München das erste Mal ein Wiesn-Zelt betreten habe :-) (statt "Viva Colonia" singen die in München doch tatsächlich einfach "Viva Bavaria" ... pfff) Falls Du die Kölner beim Karneval noch ein bisschen besser verstehen möchtest, kannst Du ja mal in unserem Blog bei meiner kulinarischen Entdeckungsreise vorbeischauen.

Ausprobieren ist alles

Meine Schwester wohnt seit Jahren in Köln und seit genauso vielen Jahren weiger ich mich an Karneval zu ihr zufahren. Ihre WG ist auch jedesmal bis auf den letzt möglichen Schlafplatz (inkl. Fussboden) vollgestopft. Bisher hatte ich imemr Angst dorthin zufahren..Zu viele betrunkene Menschen. Aber du hast recht, einmal ausprobieren sollte man es mal wenn man die Gelegenheit hat. Ich glaube ich plane es mal für nächstes Jahr ein.

Danke fürs Mutamchen:D

Schlumpi
Völkerverständigung

@kitti: Dann hat mein Bericht ja schon zur Völkerverständigung beigetragen ;-) Wenn Du schon eine "Einheimische" in Köln hast, dann ist es bestimmt noch lustiger, Deine Schwester hat ja bestimmt ein paar Insidertipps parat!

 

@Viola: Allzu viel kulinarisches hab ich in Köln nicht ausprobiert, außer das Kölsch natürlich, aber das ist für uns hier im Norden ja eher verwässertes Bier ;-) Aber immerhin: Dass halve Hahn ein Käsebrötchen ist, das wusste ich zum Glück schon. Mein Mann hatte das auf der Karte im Früh schon ins Auge gefasst, aber da wäre er enttäuscht gewesen, denn er dachte natürlich an ein Grillhähnchen...

Dafür hat er sich dann aber an den "Kölschen Kaviar" gewagt (Blutwurst mit Zwiebeln...), brrr, nicht mein Fall, aber einen kleinen Bissen hab ich wenigstens probiert.

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