Erst kommt das Fressen dann die Moral oder der Hype um Lebensmittel

heute erschien ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung zum Thema Lebensmittel.

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Kommentare
WOLLBAER

Der Handel ist geschickt und zieht uns Verbrauchern das Geld aus der Tasche und wir "Verbraucher Deppen" lassen uns diese Vermarktung gefallen.


 


http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/essay-erst-kommt-die-moral-1.2850446


 


Wir brauchen endlich mehr Lebensmittelkontrolleure um einen effizienten Verbraucherschutz zu ermöglichen.


 


Liebe Grüße Rolf


 


 


 


 

Bettina Müller
Danke für den Link ...

...lieber Wollbaer. Aber: Der Verbraucherschutz kann nicht nur bei Komtrolleuren liegen, sondern fängt - wie es in dem Artikel auch ja wunderbar erläutert ist - schon bei der Einstellung des Verbrauchers an. Wir dürfen die Verantwortung nicht immer nur abgeben, sondern müssen unser Handeln auch selber immer wieder hinterfragen. Wie war das nochmal mit Angebot und Nachfrage ...? 

 

 

Aphrodite
Mal ein Positiv-Beispiel.

Mit Verbraucherschutz ist also Verbraucher-Aufklärung gemeint. Und auch der Handel selbst kann hier Akzente setzen. Mit dem Artikel in der SZ gehe ich nicht ganz einig und stimme vielmehr Werner Lampert zu. Solange die Öko-Bewegung in Deutschland sich selber auf den Füßen steht und anderen das Feld überlässt, passiert gar nichts: Es wird geschummelt und betrogen. Aber auch da fühlen sich Leute berufen, Einspruch zu erheben. Jeder kann etwas tun und prüfen, ob das schöne Wort von der Nachhaltigkeit nicht vielleicht eine Mogelpackung ist. Und diese Selbständigkeit würde ich mir auch von keinem Lebensmittel-Kontrolleur nehmen lassen. Vertrauen hat einen Wert und sollte nicht wahllos verschenkt werden.

Aphrodite
Nun ja, und dann zu den Deppen.

Selbst Deppen lassen sich durch Lebensmittelkontrolleure nicht vorschreiben, was sie essen sollten oder nicht. Überregulierungswahn führt auch zu nichts. Und am schlimmsten sind alle, die denken, dass sie schlauer sind als der Rest der Welt. Das trifft dann auf die Schummler zu und die, die die Schummler kontrollieren wollen. Deppen, wohin man sieht :)

 

Ich denke nicht, dass die Welt nur aus Deppen besteht und habe auch nicht den Anspruch von Goethes Faust.

 

Bei mir darf die Einheitstomate aus Almería kommen, wenn daneben noch andere Tomaten liegen dürfen.

WOLLBAER
@Bettina Müller

Du hast natürlich völlig recht, wenn Du diesen Einwand anführst aber mal ehrlich, wer ist von den Verbrauchern in der Lage Qualitäten und Herkünfte zu beurteilen, geschweige denn die Inhaltsstoffe wie Pestizide, Insektizide zu kontrollieren? Das können nur Fachleute und Labore.

 

Wenn ALG II und Sozialhilfeempfänger für 143,65 € Lebensmittel und Getränke kaufen können, dann bleibt nur Penny, Lidl, Aldi und Netto und dann wird man nicht mit Qualität rechnen können, mal abgesehen von Frische und Optik.

 

Liebe Grüße

Rolf

WOLLBAER
@Aphrodite

Bei mir können die Tomaten auch aus Takatuka Land kommen aber das sagt nichts über die Tomate und den Gesdchmack aus. Wenn die SZ schreibt:

 

Ein schlecht informierter Kunde lässt sich leichter ausnutzen

Je weniger aber ein Konsument weiß, je weniger er bereit ist, sich mit diesen Folgen auseinanderzusetzen, desto weniger kann er sie beeinflussen. Ein schlecht informierter Kunde ist leichter auszunutzen. Auswirkungen seines Konsums lassen sich leichter vor ihm verstecken.

 

so kann ich dem nichts hinzufügen. Wenn Du beispielsweise in Sachen Lebensmittel informiert bist, dann sind es Millionen Menschen aber nicht.

 

Liebe Grüße Rolf

 

Bettina Müller
@WOLLBAER

Um Pestizide & Co. ging es in dem Artikel erst einmal gar nicht, daher habe ich meine Antwort auch überhaupt nicht darauf bezogen. Mir geht es um die Verantwortung bei der Wahl der Lebensmittel allgemein. Muss ich wirklich im tiefsten Winter Erdbeeren und Tomaten essen, obwohl beide bei uns im Sommer Saison haben und in diesen Monaten direkt aus der Region auf meinem Teller landen können? Muss ich täglich Fleisch essen, so billig wie nur irgendwie möglich? Und wenn ja, wie kann ich dann erwarten, dass dann Qualität auf meinem Teller landest?

 

Und da Du das geringe Budget ansprichst: Ist es nicht so, dass Obst und Gemüse, dass aktuell Saion hat, sowieso preiswerter ist?

Liebstöckel
Ein Rufer in der Wüste

im Feuilleton der »SZ« - ein Lückenfüller und nichts Neues. Das für einen sehr großen Teil der Bevölkerung in den »Wohlstandsländern« das Essen eh einen geringen Stellenwert hat, dürfte allgemein bekannt sein: Ich sehe dies, wenn wieder zum großen Grillfest gerüstet wird und vor mir in Einkaufswagen Berge von eingeschweißten, marinierten Schweinenacken-Steaks, auf denen mich ein schnauzbärtiges Gesicht eines bekannten Fernsehkochs entgegen grient, weggeschleppt werden. - Ich sehe dies, wenn im Biergarten um die Ecke auf einem riesigen Banner mit »Schnitzel essen satt für nur 12 Euro« geworben wird. - Ich sehe dies auch, wenn mir immer wieder in gut dosierten Zeiträumen in unseren Fernsehmedien eine »Essen-XXL«-Sendung zum Fraß vorgeworfen wird.

 

Selbst auch das Vegane betrachte ich mit Misstrauen. Quinoa und Soja habe ich, wie auch Kokospalmen, hier auf Grund und Boden noch nicht gesichtet. Es bedingt erheblichen Energie- und Transportbedarf, um sie zu uns ins Ländle zu schippern! - Aber die Augen des Lebensmittelchemikers glänzen, er fängt an zu sabbern bei der Herstellung eines Hühnchens aus der Retorte … 

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an den amerikanischen ökologischen Thriller von 1973, den ich in meiner Jugend sah: »… Jahr 2022 … die überleben wollen«, und in dem die Menschen mit »Soylent Green« abgespeist wurden. Dafür ist ja noch etwas Zeit. 

 

Der letzte Satz des Essays ist letztlich so hübsch naiv: »… Eine reiche Gesellschaft kann sich das leisten: Zuerst kommt die Moral, dann kommt das Fressen.« - Nach meinem Geschichtsverständnis wäre dies ein Novum, dass sich Macht und Profitgier mit der Moral verheiraten würden.

 

Da fällt mir gerade die frische grüne Gurke aus Mutterns Garten ein, die zu seiner Zeit geerntet an dem einem Ende bitter geschmeckt hat. - Lang ist’s her …

 

barand
Der Markt

reguliert sich selbst.

Ich stimme Liebstöckel zu. Solange in der Breite mehr die Masse gilt als Qualität, ändert sich eben nichts. Der Markt funktioniert nun eben mal aus Angebot und Nachfrage. Wenn fast nur die günstige Einheitsware aus den Regalen bevorzugt wird und die nicht ebenmäßige, aber vielleicht geschmackvollere Variante verschmäht wird, weil auch teuerer, solange ändert sich nichts. Ganz nach dem Motto: Jedes Volk verdient die Waren, die es kauft.

Bettina Müller
@Liebstöckel + @barand

Ich betrachte viele vegane Produkte und die sogenannten Superfoods auch mit Argwohn: Wo sind auf einmal die "Proteste" gegen zu stark verarbeitete Lebensmittel (ich sage nur Analogkäse) hin? Und ist der "regionale Trend" tatsächlich schon wieder vorbei, oder warum kommen auf einmal Pülverchen und Körner vom anderen Ende der Welt zu uns auf die Teller?

Und danke, barand, für Deinen letzten Satz. Zum Glück kann man ihn auch positiv sehen, wenn man zu denen gehört, die probieren, sich von der Masse abzusetzen. 

 

 

 

WOLLBAER
@Bettina Müller - @Liebstöckel - @barand

Ich sehe die Dinge sehr ähnlich, wie ihr es macht. Qualität beschränkt sich auf Aussehen der Produkte, welke Bätter gleich ältere Ware, wie beispielsweise bei Kohlrabi oder Radieschen.

 

Leider gehören aber ganz andere Merkmale  dazu um die Qualität von Lebensmitteln zu beurteilen und die kann man als Verbraucher nicht erkennen, wie eben Pestizide und Insektizide, Feilandware oder Gewächshauskultur und dann natürlich der Name der Sorten die angeboten werden.

 

Ein Bekannte von mir baute Gemüse mit Demeter Zertifikat an, unter anderem Tomaten an. Wenn man in dieses Gemüse biss, dann schmeckten die Sorten nach Tomaten und nicht nach Wasser.

 

Liebe Grüße Rolf

Bettina Müller
@WOLLBAER

Die Demeter-Tomate ist doch ein wunderbares Beispiel dafür, wie es funktionieren kann. Deshalb kaufe ich auch mein Obst und Gemüse fast nur noch bei meiner Biokiste und wähle dort Produkte aus, die als "regional" gekennzeichnet sind. Da kann ich gerade lange darauf warten, eine Tomate zur Auswahl zu haben. Und im Sommer freue ich mich über ihren wunderbaren Geschmack. Selbst wenn man es nicht schafft, das voll durchzuziehen, ist es meiner Meinung nach schon ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. 

barand
Geld

regiert die Welt.

Wenn man sehr günstige Produkte kaufen möchte, dann müssen diese auch günstig produziert werden. Das geht natürlich einfacher mit Einsatz von Insektiziden, Pestiziden usw.

Die aufwändig gezogene Demeter Tomate braucht eben mehr Zuwendung, die es nicht umsonst gibt. Der Verbraucher entscheidet was der Markt anbietet. Das alles ist aber längst bekannt und wurde wiederholt wiederholt. Offensichtlich gibt es aber kein Interesse daran, etwas zu ändern. Der angesprochene Analogkäse ist so ein Beispiel. Wenn ich mir nur vorstelle, so ein Lebensmittel schon mal gegessen zu haben, schüttelt es mich. Das ist für mich eine Pervertierung des Essens durch die Lebensmittelindustrie. Das Thema habe ich aber tatsächlich schon lange nicht mehr in der öffentlichen Diskussion gehört.

WOLLBAER
@Bettina Müller

und wieder einmal, rennst Du bei mir offene Türen ein. Nur wer kann es sich leisten Demeter Produkte zu kaufen? Wer hat in der Großstadt Zeit aufs Land zu fahren um einzukaufen?

 

Unsere Ernährung wird zum größten Teil über die Lebensmitteleinzelhändler abgedeckt und insbesondere über den Preis.

 

LG Rolf

WOLLBAER
@barand

Die Kunst ist es "künstliche Produkte" aus der Öffentlichkeit fernzuhalten, wie man bei dem Produkt "Analogkäse" sieht. Heute heißt es veganer Käse. Diese Wortschöpfung ist 100% Analogkäse, "verkauft" sich aber viel kundenfreundlicher. Lach!

 

LG Rolf

Bettina Müller
@WOLLBAER

Es muss ja nicht unbedingt Demeter sein. Allein mit dem Ansatz, saisonale und vor allem regionale Produkte zu kaufen, kommt man meiner Meinung nach schon ein ganzes Stück weiter.

 

Und ich wohne übrigens in einer Großstadt und fahre nicht aufs Land. Meine Biokiste kommt direkt zu mir nach Hause und ich möchte sie nicht mehr missen. Ich stelle sie mir online zusammen und einmal in der Woche, an einem festen Liefertag für das ganze Viertel, wird die Kiste angeliefert. Soweit ich weiß, gibt es in den verschiedensten Regionen unterschiedliche Anbieter und eine Recherche, wer zu einem nach Hause liefert, lohnt sich auf jeden Fall.

WOLLBAER
@Bettina Müller

Natürlich muss es nicht Demeter sein. Ich führte Demeter an, weil eben dieser Bekannte einen Demeter Hof betreibt und ich währwend meiner 8 Wochen Klinikaufenthalt ein Mitpatient auf einem Demeter geführten Hof arbeitet.

 

Ich habe mir gerade das Angebot der Biokiste für Schleswig-Holstein angesehen. Bitte lies selber:

 

https://www.holsteiner-landwaren.de/bio-kisten

 

Dieses Angebot lohnt sich für uns Dithmarscher nicht, da wir hier von Bauern "umzingelt" sind, die Hofverkaufsstellen betreiben und man dort mit Waren versorgt werden kann. Allerdings nicht mit Bioware. Dafür müsste man 20 km fahren um sich im Kreis Steinburg zu versorgen.

 

LG Rolf

Bettina Müller
@WOLLBAER

Achso, ich hatte aus Deinem Hineis auf Großstädter geschlussfolgert, dass es Dich auch betrifft. Ist doch umso toller, wenn Du umgeben bist von Hofläden. 

 

Falls Dir das aber noch nicht reicht oder Du doch nicht nach Steinburg fahren möchtest, gibt es zum Beispiel auch eine Biokiste direkt für Dithmarschen: http://www.biokiste-dithmarschen.de :-)

 

 

 

Annika Mader
Ich finde ...

... die Balance ist das Wichtigste. Ein ganz kurzer Kommentar, zu einem wahrlich großen Thema mit unendlich viel Diskussionsspielraum und -bedarf. Balance: weder Fressen noch Fasten, weder "Saisonal-regional ist mir völlig Sch----egal" noch "jedes Stück Obst wird dreimal umgedreht, bevor es zubereitet" wird. 

 

Essen soll doch auch Genuss bleiben und sein :)

WOLLBAER
@Bettina Müller

Ich lebe auf dem Land in einer Kleinstadt namens Brunsbüttel und da in einem sterbenden Ortsteil, mit rund 1000 Einwohnern. Dieser Teil der Stadt ist durch den Nord-Ostsee-Kanal abgetrennt und hat Dorfcharackter. Wenn ich in die Stadt will muss ich die Fähre benutzen.

 

Für die Seite herzlichen Dank. Die Adresse kannte ich noch nicht. Büsum ist rund 60 km von mir entfernt. Ich habe soeben mit dem "Laden" gesprochen und werde mich bei meinem nächsten Besuch in Büsum dort sehen lassen, um das Gesamtsortiment kennenzulernen.

 

Rein vom Gefühl her bin ich skeptisch, da ich der absolute "FRISCHE-FREAK" bin und 3 mal in der Woche Obst und Gemüse kaufe. Dazu kommen die Mengen, die ich als Single einkaufe und die Sortimentsbreite meiner Einkäufe. Derzeit kaufe ich butterzarte Kohlrabi aus Spanien für 0,69€ Stückpreis und Champignons für 2,49€ kg und würde in der Biokiste 1,90€ bzw. 11,90 € zahlen, ohne die Anbauer und deren Höfe zu kennen. Zur Vegetationszeit habe ich rund 50 verschiedene Hofläden im Umkreis mit den Ökoläden im Kreis Steinburg, die sich in den Dörfern Blömsche und Engelbrechtsche Wildnis befinden.

 

Diese Preisdifferenzen erklären sich nicht mit dem Thema BIO.

 

Liebe Grüße

Rolf

 

Liebe Grüße Rolf

crazycook
Hallo Wollbaer

Eigenverantwortung ist das Zauberwort. Deine Schlussfolgerung zum SZ Artikel kann nicht die Lösung des Lebensmittel-Problems für den Verbraucher sein. Was die derzeitige Situation im Lebensmittelbereich vielleicht ändern könnte sind wissende Kunden, also informierte Verbraucher die sich mit der Materie Lebensmittel auseinandergesetzt haben und nicht manipulierbare Kontrollfuzzies die möglicherweise nicht einmal wissen wie Lebensmittel schmecken sollen. Man kann schließlich selbst entscheiden, was man isst und wo man einkauft. Jeder trägt für sich selbst Verantwortung und wenn der Porsche Carrera-Fahrer im Supermarkt Hühnerkeulen um 1.50 Euro das Kilo einkauft, so what, das ist zwar pervers, aber man muss es Ihm ja nicht nachmachen. Was mich dabei wütend macht ist, dass die gleichen Leute sich kräftig über Käfighaltung und Tiertransporte aufregen. Wie abstrus manche in unserer Gesellschaft handeln solle ein kleines Beispiel beschreiben: Ich war am Samstag auf dem größten Bücher-Flohmarkt Bayerns und habe junge Frauen beobachtet die Stapelweise Kochbücher für wenig Geld weggeschleppt haben. Anschließend sah ich eine dieser Frauen im nahegelegenen Supermarkt, wie sie einen in einer Plastikschüssel verpackten vorgeschnittenen "frischen" Salat  mit gewürfelten Schinken- und Käsewürfeln und Dressing versehen, in den Einkaufswagen legte. Damit es schnell verzehrt werden kann, also „to go“ war auch noch eine Plastikgabel im Paket. Möglicherweise waren die Käsewürfel aus Analogkäse und der Schinken aus Klebeschinken. So verzehren uninformierte und gleichgültige Verbraucher Lebensmittel und geben dieses Konglomerat aus Minderwertigem auch noch Ihren Kindern zu essen. Gefragt habe ich mich auch, warum sie Mengen von Kochbüchern gekauft hat, wenn sie sich letztlich von leicht verderbbaren Fertiggerichten ernährt. Eine Lösungsansatz zur Verbesserung der Situation wird zur Zeit diskutiert. Dem Handel soll es verboten werden Lebensmittel wegzuwerfen, das könnte die Menge und die Vielfaltigkeit der Angebote auf saisonale und regionale Produkte reduzieren (z.B. Erdbeeren und Kirschen im Winter müssen nicht sein). Die Bereitschaft einiger Verbraucher, sich wirklich und intensiv mit den Lebensmitteln und der Qualität von Produkten auseinanderzusetzen lässt doch sehr zu wünschen übrig. Ein verantwortungsvolles Verbrauchsverhalten könnte erreicht werden wenn man sich selbstkritisch mit seinen Verzehrgewohnheiten und dem Massenkonsum auseinandersetzt. Kinder könnten ihren Eltern dabei helfen. Die Basis dafür würde ein theoretischer und praktischer Hauswirtschaftsunterricht (gab es früher einmal) in der Schule sein. Also, selbst ist die Frau / der Mann wenn es ums Essen geht und nicht ein Kontrolleur der einem grünes Licht gibt.

WOLLBAER
@crazycook

Egal zu welchem Preis Ware verkauft wird muss diese qualitativ in Ordnung sein. Oberflächlich kann der Kunde sehen ob Ware frisch ist oder nicht. Insektizide, Pestizide, Gen veränderte Ware kann nur in Laboren untersucht werden. Eine andere Sache ist der Begriff "BIO". Dabei spielen persönliche Einstellungen des Kunden eine Rolle. Wie prüft der Kunde, ob bei der Ware "BIO" auch Bio Produkte angeboten werden?

 

Vertrauen in den Händler hatten wir hier schon einmal als Thema. Vertrauen ist gut aber Kontrolle ist besser, wie jede Zeitschrift belegt, wenn dort über Seitensprünge berichtet wird.

 

Natürlich sollte der Verbraucher informiert sein aber das Gegenteil ist der Fall, denn der Verbraucher müsste dann Fachmann sein für alle Produkte, die er oder sie kauft und wäre damit hoffnungslos überfordert, wie der VW Skandal eindrucksvoll belegt. Selbst der Staat, TÜV und ADAC wurden Opfer eines groß angelegten Betruges.

 

Wenn in unserem Land Löhne gezahlt werden, die Millionen Menschen nur vegetieren lassen, dann ist die Forderung auf Qualität zu achten ein Hohn. Rund 12 bis 15 Millionen Bürger müssen Lebensmittel auf Sozialhilfeniveau einkaufen. Mit anderen Worten für 143,65 € Lebensmittel für einen Monat beschaffen.

 

Mir wäre sehr wohl, wenn diese Umstände andere wären.

 

Liebe Grüße Rolf

Aphrodite
Was sollen diese vielen Klagen?

@Rolf, ich habe noch nie gehört, dass das Beklagen von irgendwelchen Umständen Umstände ändert. Was macht Dein Buch "Kochen für 143,65 Euro im Monat"? Wenn man das Rauchen dran gibt (eh ungesund) und den Alkoholkonsum einschränkt, Tomaten  aus der Dose nimmt und sich beim Einkaufen bückt (unten die Joghurts pur ohne was drin für 0,29 EUR), die Mon Cheri und Ferrero Küsschen weglässt, kann man auch ab und an in einen Bio-Apfel beißen. Hier von Hungerlöhnen und von Dahinvegetieren in Deutschland zu sprechen, ist wohl etwas übertrieben. In welcher Ecke stehen wir hier gerade? Jeder ist bemüht, offen und ehrlich seine Meinung zu sagen und bekommt dafür wohlmeinende Ratschläge, deren Intention mir nicht ganz klar ist. Ich bin wieder raus! Sonst hätte ich das Stichwort Eurokrise hier noch angerissen. Wer weiß, wohin das führt...

Bettina Müller
@WOLLBAER

Toll, dass Du persönlich in dem "Laden" vorbeischauen möchtest, um Dir ein Bild zu machen. Dann kannst Du die Leute dort ja direkt fragen, wie es um die Preisgestaltung steht. :-)

WOLLBAER
@Aphrodite

Moin, Moin Aphrodite,

vielleicht schieße ich wirklich über das Ziel hinaus, da ich nun mal im Segment Sozialhilfe Menschen berate, die Hilfe bedürfen, denn mit 143,65 € kann man sich unmöglich vollwertig und gesund ernähren. Schon 2009 brachte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Studie heraus, die einen Vollwerternährungssatz von 260 € für Singles und 230 € für Verbraucher ausweist, die in Partnerschaften leben. DieseStudie wurde nie fortgeführt. Sicherlich aus guten Gründen, denn die genannten Beträge stehen im krassen Widerspruch zu den gezahlten Regelsätze des ALG II und SGB XII, in denen übrigens kein Alkohol und keine Tabakwaren eingerechnet sind.

 

Wenn 12 bis 15 Millionen Menschen auf Sozialhilfeniveau leben ist das schon ein Wort zu Sonntag. Wenn wir nicht dazu gehören, so dürfen wir uns freuen aber es fragt sich nur noch,wie lange das sein wird.

 

Entschuldige bitte, wenn ich derzeit so „angekratzt“ bin aber ich sehe sehr schwarze Wolken am politischen Firmament und bin vielleicht aus diesem Grund so kritisch gestimmt. Wenn ich Dich oder andere Küchengötter genervt habe, so bitte ich um Entschuldigung.

 

Liebe Grüße Rolf

 

 

crazycook
@Wollbaer

Wow, jetzt kommt wieder die Argumentation weil es 12-15 Mio Sozialfälle gibt müssen Lebensmittel billig sein. Woher Du diese Zahl generierst ist mir unklar. Bei 7,5 % Hartz Empfänger, 3,5 Mio Arbeiter im Mindestlohn und 1/2 Mio Sozialhilfeempfänger errechnen sich 7,5 Mio Menschen mit Einkommen an der Sozialhilfe-Grenze. Das ist schlimm, aber verhungert ist hier noch niemand, auch deshalb weil es die Tafeln gibt. Eine sehr gute und vernünftige Einrichtung.

Jetzt mache ich einmal eine andere Rechnung auf. Jedes Jahr werden bei uns in Deutschland 11 Mio Tonnen Lebensmittel weggeworfen, davon entfallen 5.5 Mio Tonnen auf private Haushalte, der Rest ist Produktionsverlust bei der Herstellung und Verwurf durch den Handel. Der Energieverbrauch für diesen "Abfall" ist so hoch, dass mehrere Großstädte Deutschlands ein Jahr lang mit Strom versorgt werden könnten. Dazu kommen enorme Umweltbelastungen durch unnötigen Transport etc.. Ich nehme an dass die Bedürftigen keine Lebensmittel wegwerfen auch Kinder bis 14 Jahre beziehe ich ein weil deren Ernährung zum überwiegenden Teil in Kitas und Schulen durchgeführt wird, meist mit ungesunden Fertigprodukten (auch ein Skandal). Der größere Teil der Rentner wird ebenfalls kaum Lebensmittel wegwerfen, so dass etwa 50 Mio Menschen in Deutschland für diesen Lebensmittelmissbrauch mit verantwortlich sind. Umgerechnet bedeutet dies, dass durch diesen Spezies Mensch jeden Tag im Jahr 50 Mio Pfund Lebensmittel in die Tonne geworfen werden. Daraus kann man schließen Lebensmittel sind nichts Wert weil nicht der Geschmack das Kriterium für gutes Lebensmittel ist sondern der niedrige Preis und dessen unbegrenzte Verfügbarkeit. Doppelt einkaufen und eine Hälfte wegschmeissen ist genauso viel wie einmal einkaufen und doppelt dafür bezahlen. Eine Verdoppelung des Preises für Lebensmittel käme so gesehen allen zu Gute. Weniger Müll, geringerer Energieverbrauch, bessere Lebensmittel durch mehr Vielfalt, weniger Armut in den Entwicklungsländern und möglicherweise auch bei uns durch Anhebung der Einkommen. In den Industrieländern werden jährlich 220 Mio Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Überversorgung  durch Turboproduktion im Lebensmittelbereich generiert durch Hungerlöhne (z.B. Almeria in Spanien) führt zu neuer Armut und durch den subventionierten billigen Export der Überschussproduktion in die Entwicklungsländer lohnt sich dort die Landwirtschaft nicht mehr. Das bedeutet kein Einkommen keine Lebensperspektive für die dortige Landbevölkerung. Eine besondere Form der Entwicklungshilfe.

WOLLBAER
@crazycook

Wenn sich Bürger für Politik interessieren stoßen Sie automatisch auf die angeführten Zahlen. Zahlen ansehen und Google bemühen, wenn man ernsthaft an Klärung interessiert ist. Bitte schau Dir ganz einfach die verschieden Links an und öffne endlich die Augen. Der Sozialstaat hat in Deutschland schon lange sein Leben ausgehaucht

 

http://www.planet-wissen.de/gesellschaft/wirtschaft/armut_in_deutschland/index.html

 

Tafelläden sind der „letzte Schrei“ in den deutschen Straßenbildern. Da werden Lebensmittel vom Handel als Zwischenstation für Müllkippen entsorgt. Bitte lasst Euch doch nicht täuschen. Diese Waren würden bei uns umgehend in der Mülltonne entsorgt, was der Handel ja macht, allerdings ohne Müllgebühren zu entrichten. Man nennt diese Müllentsorgung Tafelsystem.

 

http://www.cicero.de/berliner-republik/armenspeisung-selke-schamland-weg-mit-den-tafeln/54239

 

In einem reichen Land wie es Deutschland ist, ist es mehr als traurig über das Thema Armut zu reden. Wir brauchen eine gesellschaftliche Umverteilung, Besteuerung von Vermögen, einenMindestlohn von 11,50 € um die Aufstockung zu vermeiden. Wir brauchen rund 6 Millionen Arbeitsplätze um allein unsere deutschen Arbeitslosen in Brot und            Arbeit zu bringen und das OHNE STAATLICHE ZUSCHÜSSE und OHNE WOHNGELD oder LASTENZUSCHUSSZAHLUNGEN und wir brauchen Renten, die merklich über dem Sozialhilfeniveau angesiedelt sind.

 

Über Flüchtlinge undAsylsuchenden schreibe ich kein Wort, da diese Menschen nicht von mir betreut werden und ich keine Erfahrung aufweise, wie unsere Regierung dieses Problem löst.

 

Der Handel muss seine Frischeprodukte so einkaufen, wie es die Nachfrage vorgibt. Reste müssen komplett entsorgt werden und der Vernichtung zugeführt werden. Tafelläden aufgelöst werden ebenso Armenküchen.

 

LG Rolf

 

 

 

 

crazycook
Das geht mir jetzt zu weit

vom Thema weg. Ich wollte lediglich dass Du vielleicht erkennst: Die Kontrolleure sind nicht die Lösung des Lebensmittelproblems. Nur Förderung zur Eigenverantwortung des Verbrauchers und Regulierungen im Handel und in der Produktion (z.B. gibt es das Wegwerfverbot in Frankreich) sind erste grundlegende Schritte zur Veränderung. Wenn der Verbraucher nicht lernt verantwortungsvoll mit dem Mittel umzugehen das ihm das Leben garantiert, dann wird es zappenduster. Das Wissen über die Lebensmittel muss er sich selber erarbeiten und Biodiversität fördern durch sein Einkaufsverhalten. Das Dumme dabei ist, viele Verbraucher erkennen gar nicht, dass sie Verwerfliches tun, wenn sie gedankenlos handeln. Ich würde die Überschrift des Artikels erweitern: Erst kommt das Fressen und Vernichten dann vielleicht die Moral.

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