Etikettenschwindel

Mit welchen Produkten kochen wir überhaupt? - Sind wir Heuchler?

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Kommentare
Liebstöckel


Der Anlass zu diesen Forumsbeitrag ist ein kürzlich veröffentliches Rezept: Krabben-Wasabi-Aufstrich. Klingt fernöstlich - Die frisch gepulte  Nordseekrabbe in Verbindung mit japanischer Wasabiwurzel. Das ist lecker. Da verbinden sich Esskulturen. Aber wie? - Der Einfachheit halber nehmen wir halt Wasabipaste mit schicken japanischen Schriftzeichen auf der Verpackung, die als Inhalt im Höchstfall 2 % echtes Wasabi und über mindestens 50 % Meerrettich beinhaltet. Ach ja, grün muss das Zeug auch sein. Da hilft man sich mit Chlorophyll oder einer Kombination von Tartrazin (E 102) und Brillantblau FCF (E 133), damit alles schön giftgrün eingefärbt ist. Fernöstlich eben. Gruselig. Da bleibe ich doch bei meiner frischen Meerrettichwurzel aus dem Spreewald. Aber im Grunde ist dies gar nicht schlimm, zumal einige unserer (Fernseh)spitzenköche in ähnliche Kerben schlagen. Regelrecht fasziniert bin ich von der »Zauberbrühe Rind & Geflügel« für 4.80 € eines berühmten Kochs, der mir auch das Fastfoot der bekannten Kette M.D. äußerst schmackhaft gemacht hat. Eine Trockenbrühe zu einem stolzen Preis, wenn man bedenkt, dass Maltodextrin, Hefeextrakt und natürliches Aroma Anteile jenes Zaubers sind. Die Anteile an Huhn werden dezent verschwiegen, von Rind ist keine Rede und jeder Nachdenkliche weis, das Maltodextrin ein Verdickungdmittel ist und gleichzeitig unerwünschte Fehlaromen liquidiert, Hefeextrakt als Geschmacksverstärker dient und die »natürlichen« Aromen schlicht synthetische sind. Ein wahrer Zauber. Geld stinkt nicht, wenn man es gläubig damit einheimst. - Diese Liste ist verlängerbar und diese beiden Beispiele sollten genügen. - Ich gebe unumwunden zu, dass ich inkonsequent und somit ein Heuchler bin. - Denn ein Stück grüne Gurke oder eine Tomate esse ich gern auch einmal im Winter, wobei ich weis, dass diese kaum warmes Sonnenlicht, duftende Erde und eine sanfte Prise Wind zu spüren bekommen haben. Aber es gibt sie halt im Supermarkt. - Die Liste ist, wie gesagt, lang. Aber total vermarkten lasse ich mich als Verbraucher nicht. - Misstrauen ist heute angebracht, wie wohl Achtung der Vermarkter zum Verbraucher besser währe, da sich hoffentlich immer weniger für dumm verkaufen lassen.




Aphrodite
Wir sind doch alle kleine Gourme()gle.

Lesen, lesen, lesen!, sage ich da nur. Was da manchen aus der Feder quillt mit blumigen Umschreibungen. Dieses Trüffelöl hat noch nie einen Trüffel gesehen. Warum auch? Das Geheimnis wird der Produzent auch nicht verraten.

Frischer Fisch ist zum Beispiel doppelt gefroren. Ich wusste bis vor ein paar Tagen gar nicht, dass das geht. Der Fisch wird auf dem Schiff geköpft und in Blöcken gefroren. An Land wieder aufgetaut und filetiert und dann wieder eingefroren. Dadurch verändert sich die Fleischstruktur. Das Fleisch ist seltsam trocken und faserig. Ich wäre bisher nicht mal auf die Idee gekommen auf der Packung nachzulesen, wie der Fisch produziert wurde. Meist stehen auch zwei Fanggebiete drauf. Das eine zertifiziert und das andere nicht und der Verbraucher darf sich dann aussuchen, wieviel "guter" Fisch dann in der Packung ist. Mein Einkauf dauert jedes Mal eine halbe Stunde. Jetzt weiß ich auch warum. Um Zuhause beim Auspacken nicht immer diese Überraschungen zu erleben.

lundi
Verbraucherschutz?

Industrieschutz und Verbraucherverdummung sollte man meinen. Wasabi-Rezepte meide ich. Ich liebe Meerrettich. Mein Kollege schwört auf Wasabi und hat immer eine Tube dabei. Ich hasse Wasabi. Dachte ich früher. Da wusste ich nicht, dass in den Tuben kein Wasabi ist. Bis ich eine Radiosendung hörte. 1 kg Wasabi kostet 250 EUR! LESEN - ja genau. Jetzt weiß ich, was ich nicht mochte. Jetzt weiß ich, ich liebe Wasabi. Und ich vertraue meinen Instinkten. Und ich lese lese lese... Und ich versuche Informationen zu filtern - die guten ins Töpchen, die schlechten... - das ist nicht immer leicht.

 

Ich lese inzwischen alles auf jeder Verpackung. Glücklicherweise schaffe ich auch Kleinstgedrucktes ohne Brille, trotz meines Alters. Mit mir einkaufen ist kein Vergnügen.

 

Das mit dem Fisch ist interessant. Bisher kannte ich neben den kleinen privaten Fisch-Kuttern mit Tagesfahrten nur die schwimmenden Fischfabriken, wo der Fisch vollständig verarbeitet wird. Müsste ich welchen kaufen, hätte ich ein echtes Problem. Wir angeln einmal jährlich unseren Fisch-Jahres-Bedarf in Nordnorwegen. Der schmeckt anders. Den hat bisher jeder am Geschmack von Industriefisch unterscheiden können und schon so manchen Nicht-Fisch-Esser überzeugt. Auf der Heimfahrt (2,5 Tage) taut er natürlich an und kommt dann wieder in den TK. Ist auch nicht so schick, nicht luftdicht, nicht glasiert, keine Temperaturkontrolle usw. Trotzdem - er schmeckt viel besser. Und er schmeckt nach 11 Monaten nicht schlechter als nach 6 Monaten.

 

Ja, Tomaten, Gurken usw. im Winter? Für mich tabu. Bei irgendetwas muss ich auch mal konsequent sein. Zum Leidwesen der Familie, die es inzwischen aber einsieht, erträgt und auch die Vorteile erkennt. Geschmacksvorteile und saisonale Vorfreuden. 2013 konnte ich Tomaten im Gewächshaus bis Ende November ernten, wenn auch die letzten fast zu süß (Stresssymptom) waren.

Jochpoch
Im Winter....

... die heimischen Wurzelgemüse entdecken. Wir haben diesen Winter richtig tolle Rezepte dabei entdeckt. Z.B. Caprese mit roter Bete, statt Tomate. Ansonsten find ichs einfach schwierig alles, aber auch wirklich alles selbst herzustellen. Manchmal muss halt der Brühwürfel her. Ich persönlich find halt künstliche Aromen ganz furchtbar. Was hat ein Vanillearoma in der Schokolade zu suchen? Ich wills nicht verstehen, ich boykottiere dann halt die Produkte. Seit vorgestern: Ritter-Sport. So wächst halt meine Boykottliste: Barilla Nudeln, Coca-Cola Produkte, Fleisch von Knasttieren.....

trudine
Vor Jahren hatte ich Besuch von einer

deutschen Freundin. Die war völlig entsetzt, dass es hier im Supermarkt nicht diese langen Regale mit allen möglichen Fixprodukten gibt. Sie guckte mich an, als wären die Dänen Hinterwäldner und zu bedauern.

Sie hat mir dann (ungefragt) ein Päckchen mit ihren Lieblingsfixprodukten geschickt. Deshalb musste ich ja mal probieren. Ich habe dann Maggiefix für Spaghetti carbonara probiert. Das werde ich nie vergessen. Leider war ich so dumm, die Sauce über meine gekochten Nudeln zu kippen ... das war ungeniessbar ... alles ist im Mülleimer gelandet. Ich hab mir dann mal durchgelesen, was in den Tüten drinnen ist ... mit Lebensmitteln hatte das nichts zu tun! Seit dem Erlebnis lese ich immer die Zutatenliste bei einem mir unbekannten Produkt durch.

Brühwürfel brauche ich auch nicht mehr, seit dem ich hier bei den KG das tolle Rezept für selbstgemachte Gemüsebrühe gefunden habe (püriertes Gemüse meiner Wahl mit 10 % Salz). 

Augenwischerei seitens der Firmen vs Kunden-Aufmerksamkeit

Tja, vorbei sind sie wohl die Tage, in denen drin war, was drauf stand....

Ist zu betrauern...ja, aber nichtsdestotrotz ist dieser Umstand allgemein bekannt, bzw. dem Konsumenten bekannt. Ich habe bereits in frühen Jahren (Aufgrund einer Phosphat-Allergie,welche glücklicherweise längst Geschichte ist)lernen müssen , Inhaltsstoffe genauer unter die Lupe zu nehmen, und das des-illusioniert einen schon ziemlich. War es früher noch der Fish-Mac vom "güldenen M" in dem eigentlich kein Fisch drin war, so zieht es sich heut von Fleischwaren über Milchprodukte zu Konfitüren und Säften.... Zu letzterem habe ich grad noch ein "Darauf müssen sie beim Marmeladen- Kauf achten"-Tutorial gelesen:

http://www.noows.de/qual-der-wahl-nach-welchen-kriterien-ich-im-supermarkt-meine-marmelade-waehle-211958

Ich bin auch nicht begeistert davon, mache dem Konsumenten aber auch ein wenig den Vorwurf der Unachtsamkeit.Wir leben nun mal in Zeiten des "Über-Angebots" und der verwässerten Regelements und Richtlinien seitens der Lebensmittelindustrie. Wie trudine bereits schrieb...Ein paar japanische Schriftzeichen machen noch kein anständiges  Wasabi....

Belledejour
Allergie vs bestimmte Nahrungsmittel

Verstärkt aus diesem Grunde muss ich lesen, was in manchen verschweißten Produkten enthalten ist. Wir ernähren uns aber trotzdem schon seit vielen Jahren (allein auch schon aus geschmacklichen Gründen) vollwertig und natürlich ohne Fertigprodukte. So weiss man auch, wie z.B. eine Möhre frisch aus dem Garten schmeckt und nicht manches eingeschweißte Zeug wie z. B. über die Tüten mit frisch gewaschenem Salat kann man nur den Kopf schütteln.

Vom DAAB erfuhr ich gerade, dass es ab Dezember diesen Js. eine neue Richtlinie geben wird, was die Firmen dann auf Fertigprodukten angeben müssen. Es ist ein wenig genauer als früher, aber leider immer noch nicht genau genug.

Daher stimme ich dir zu, dass wir Verbraucher doch eigentlich unsere Macht nutzen sollten und bestimmte Lebensmittel einfach ignorieren sollten.

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