Fingerfood für Demenzkranke

Hallo zusammen Ich schreibe eine Projektarbeit zum Thema Fingerfood für Demenzkranke .

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Kommentare
küchenfee112

Und brauche dringend dazu Rezept vorschläge .
Allerdings ist zu beachten "Was der Buuhr nicht kennt das freet er nicht" soll heissen sushi und so etwas kommt leider nicht in frage .


Unsere Bewohner bevorzugen sachen die sie kennen.

cystitis
Oh, das ist nicht einfach.

Welche Sachen kennen denn Deine Heimbewohner?

Aber man muß es sich auch nicht zu schwer machen. Auch einfache Sachen kann man nett anrichten. Z.B. das Brot mit Plätzchenformen ausstechen und Streichwurst mit einer Kuchenspritze mit verschiedenen Formen auftragen. Scheibenwurst in Röllchen legen. In die Mitte(eingerollt) Fleisch-oder anderen Wurst-oder Geflügelsalat; oben drauf eine kleine Spargelspitze oder Maiskolben und ein einfaches neutrales Gelee drüber. Kleine Klopse halbieren und mit kleinen Käsestückchen garnieren. Ebenso mit Tomaten, Gurken usw. verfahren. Oder vielleicht den schon fast vergessenen Käseigel wieder aus der Versenkung holen.

Aphrodite
Den Tagen mehr Leben geben.

@küchenfee, kennst Du das Buch von Dörte Schipper? Sie hat Rubrecht Schmidt im Leuchtfeuer besucht. Er erfüllt alten, kranken Menschen letzte kulinarische Wünsche, die auch schöne Erinnerungen wecken. Leseprobe anbei. Was zählt, sind ja nur die persönlichen Erinnerungen. Und aus denen ergibt sich dann ein Bild. Der Begriff Fingerfood passt dann auch nicht in die Zeit und klingt sperrig und deplaziert. Vielleicht kannst Du ja ein paar O-Töne aufgreifen. 

Mir hat mal eine alte Frau von ihren Kindheitserinnerungen in Ostpreussen erzählt. Sie war weit über 90 und sagte zu allen unter 60jährigen "junge Frau". Es kommt halt auf die Perspektive an. Als Kind musste sie auf dem Hof helfen und Samstags gab es immer einen Keks. Einen einzigen, auf den sie sich die ganze Woche gefreut hat. Es sind Riutale und Traditionen, die Du einfangen musst. Die Wurst- und Käseröllchen kenne ich auch noch. Unser Hund hatte sich mal über so eine Platte hergemacht und das ganze Silvester-Büffet war geschmissen. Bevor die Gäste kamen, haben wir Kinder uns schon über die Granini-Fruchtnektare hergemacht. Für uns gab's nur TriTop. Käseigel und die Pilzhütchen mit den halben Tomaten und Mayonnaise-Tupfen gab es bei meiner Oma. Die Stile waren aus harten Eiern, weiß ich schon gar nicht mehr so genau. Und Käseigel wurden mit Salzstangen gemacht? Und dann gab es noch Gold-Fischli dazu. Weiter zurück als in die 60er Jahre kann ich aber schon nicht gucken. Manche würden alles für ein Schwarzbrot mit Leberwurst geben. Was mögen denn Deine Heimbewohner? Wie man daraus Kleinigkeiten / Häppchen macht, da können wir Dir bestimmt weiterhelfen mit unserer Erfahrung und Kreativität. Mini-Gugelhupfe fallen mir dazu ein. Die lassen sich bestimmt statt süß auch würzig gestalten. Du kannst auch bei Karlchen mal vorbei schauen. In seinem Profil findest Du Rezepte und Beiträge zum "Arbeitskollegen-Buffet". Wenn er Geburtstag hatte, wurde immer groß aufgefahren und er hat hier berichtet.

Liebe Küchenfee 112,

 

 

mit großem Interesse habe ich Deinen Beitrag gelesen. Mit großem Interesse deshalb, weil meine Mutter schwer demenzkrank ist und in einem Heim in direkter Nähe von uns betreut wird. Eine Betreuung zu Hause durch mich wäre unmöglich, da die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten und unser Haus nicht behindertengerecht ist. Es müßte auch rund um die Uhr jemand wach und für sie da sein, und das geht halt ganz einfach nicht zu Hause.

 

Und Du suchst Rezeptvorschläge zum Thema Fingefood für Demenzkranke. Ideen hätte ich da schon einige….. aber, dazu möchte ich Dir gerne das Eßverhalten meiner Mutter und deren Tischkollegen, es sind circa 10 Schwer- bis Schwerst-Demenzkranke, schildern. Meine Mutter liebt es wie eh und je, ihren Kuchen mit der Kuchengabel zu essen, den Zucker im Kaffee mit dem Löffel umzurühren, den Löffel für die Suppe zu verwenden und sogar das Fleisch selbst auf die Gabel zu spießen. Geschnitten wird es von den Betreuern. Eine Tischnachbarin nimmt nur den Löffel und wenn das alles nicht mehr geht, sitzen die Kranken meist bereits im Rollstuhl am Tisch und werden im Heim meiner Mutter liebevollst gefüttert.

 

Ein Essen mit den bloßen Händen, also Fingerfood, wäre undenkbar für diese alten Menschen, da das Langzeitgedächtnis, das dann oft noch erstaunlich gut funktioniert, sagt, daß man nicht mit den Fingern ißt, das war früher streng verpöhnt, so war die Erziehung. Diese Tatsache dürfte meiner Meinung nach auch der Fingerfood-Euphorie für Demenzkranke, wovon ich kürzlich auch schon mehrfach lesen konnte, keine große Chance in der Praxis gewähren. Das denke ich aus meiner eigenen und sehr persönlichen Erfahrung im Umgang mit meiner demenzkranken Mutter und ihren ebenso kranken Mitbewohnern.

 

Ich möchte Dich nicht vom Rezeptesammeln abbringen, aber vielleicht ist es mir gelungen, Dir mit meiner kurzen Schilderung der Tatsachen, wie ich sie täglich erlebe, eine kleine Anregung in eine ganz andere Richtung zu geben. Das würde mich freuen, denn das Thema ist einfach zu ernst, um am Punkt vorbeizugehen und den verwirrten Leuten zu sagen, sie sollen erstmals in Ihrem Leben mit den Fingern essen. Nein, das wird nicht funktionieren, zumindest aus meiner Sicht.

 

Viel Erfolg für Deine Projektarbeit, vielleicht mit neuen Gesichtspunkten?

 

LG, Eliza

KleineKöchin
Hallo Küchenfee...

Ich habe mich auch schon oft mit dieser Thematik befasst, ein Thema das auch in diesem Bereich spielt wurde ich mal aufgegriffen- ist vielleicht interessant für dich?

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Fingerfood leider nicht so gut ankommt.

Auch von der Hygiene her war es ein Problem, alle Richtlinien einzuhalten- da kommt es dann auf die Zugänglichkeit an.

Wir haben damals alles gemacht, aber eben im Kleinformat. Kleine gefüllte Blätterteighappen, kleine Schaumrollen, kleine Strudel süß und sauer,....

Ich bin gespannt auf deine Berichte!!

Viel Glück und Spaß dabei wünsche ich dir!

küchenfee112
Uups das ging ja sehr schnell!!!

Erst mal vielen Dank für die tollen ideen und auch die Kritik .

Liebe Eliza

Herzlichen Dank für deine offenen Worte.

Ich muss dazu sagen das das Fingerfood für unsere sehr mobilen und unruhigen Bewohner gedacht ist. Man sollte es ehrer "eat by walking" nennen. Wir haben 10 Bewohner die einen Erhöhten Energiebedarf haben da sie den ganzen Tag und auch zum Teil nachts mobil sind , und wärend den Weihnachtstagen haben wir im Wohnraum und im Speiseraum Weihnachtsplätzchen auf Tellern aufgestellt und dabei ist uns aufgefallen das der grösste Teil unserer mobilen bei jeder 2-3 Runde sich an den Plätzchen zu schaffen machten . Das wollten wir zum positiven nutzen da wir durch solche kleinen zwischen Mahlzeiten ihren erhöten Energy Bedarf decken können . Manche unserer Bewohner sind so unruhig das sie sich beim Essen sehr schnell ablenken lassen und nicht still am Tisch sitzen können . Wegen den Hygienischen Aspekten werde ich  mit unseren Zuständigen Lebensmittelkontrolleuren zusammenarbeiten .  

Das ganze soll wie ein Mini Buffett aufgebaut werden wo unsere Alltagsbegleiter ein Auge drauf haben werden.

Da ich noch in der Vorbereitungsphase bin bin ich für Denkanstöße und Kritik sehr Dankbar . Vielen Dank

Eure Küchenfee112

 

 

BlackCoffee
Hallo Küchenfee112

Ich habe gestern deine Frage gelesen und irgendwie nicht so recht verstanden warum Fingerfood für Demenzkranke. Aber heute hast du es ja aufgeklärt und da ist mir spontan eingefallen das Muffins herzhafte und oder süße sich hervorragend eignen müssten. Sie sind sehr schnell gemacht, können auch mit gesunden Zutaten hergestellt werden, außerdem gibt es auch Muffinsformen für sehr kleine Muffins und sie lassen sich gut und unkompliziert essen.

BlackCoffee
Eine kleine Auswahl

Und damit du dir vorstellen kannst was ich meine habe ich dir eine kleine Auswahl zusammengestellt. Dabei bin ich auch noch auf die Pizzaschnecken vom Jarimba gestoßen und habe die gleich dazugepackt.

PizzaschneckenSchinken-Käse-MuffinsOliven-Feta-MuffinsMüslimuffinsKräutermuffins

Fingerfood für Demenzkranke

Liebe Küchenfee112,ja, jetzt nach Deiner genauen Erklärung verstehe ich Deine Frage auch besser. Ich habe mich gestern wirklich sehr gewundert und wegen meiner ganz persönlichen Betroffenheit durch meine Mutter auch sehr detailliert geantwortet. Das ist aber auch gut so, denn mit dem Thema Demenz werden wir alle in der Zukunft immer mehr konfrontiert werden und wir müssen uns ganz einfach damit auseinandersetzen. Leider bin ich schon mittendrin und muß bereits seit mehreren Jahren, damit umgehen. Es ist schwierig!Nun zum Fingerfood  für die „mobilen Heimbewohner“, dem eigentlichen Thema. Haben die Bewohner wirklich durch das Umhergehen im Heim einen so erhöhten Energiebedarf, daß sie extra Ernährung brauchen? Das erstaunt mich echt, denn meine Mutter ist sehr mobil und geht auch gerne und sehr viel „spazieren“, auch mitten  in der Nacht, aber sie wiegt kein Gramm weniger dadurch, also sie ist „gut im Futter“.                                                                                                                                                               Sie läßt aber auch keine einzige Mahlzeit ausfallen und mittags darf schon die Suppe vor der Hauptspeise sein ;) Eine kleine Quarkspeise mit Früchten nach dem Essen geht auch immer. Da entsteht sogar manchmal ein kleiner „Futterneid“ am Tisch. So unruhige Mitbewohner, die nicht mal beim Essen sitzen bleiben wollen, kenne ich aus dem Heim meiner Mutter nicht. Das Essen ist sehr gut gekocht und ansprechend angerichtet. Nachmittags steht Kuchen oder ein Teller mit Keksen auf dem Tisch. Abends gibt es „Schnittchen“ und vielleicht noch einen kleinen Salat oder Obst. Also wer da nicht satt ist, hm. Natürlich wird es schwierig, wenn Patienten das Essen so gar nicht mitmachen wollen.So ein Mini-Buffet für die Nacht könnte sicher eine gute Lösung sein, aber was drauflegen? Obst und Gemüse wäre schlecht, denn der Körper kann das in der Nacht nicht mehr richtig verarbeiten, Fett ebenso, also würde ich eventuell zu Salzstangen für´s Herzhafte und zu leichten Keksen für´s Süße raten. Untertags würde ich wirklich versuchen, die unruhigen Patienten für das Gruppenessen zu begeistern. Mit Demenzkranken ist es doch in vielen Dingen so, wie mit Kindern. Hätte ich meinen Kindern ständig außerhalb der Mahlzeiten etwas zu Essen angeboten, wären sie natürlich satt gewesen und hätten sich nicht am Mittag- bzw. Abendessen beteiligt. Liebe Küchenfee112, bitte versteh meine Zeilen nicht als Kritik, das soll es keinesfalls sein. Ich schreibe Dir, weil ich selbst davon durch meine Mutter seit vier Jahren betroffen bin und durch meine vielen Besuche im Heim sehr viel sehe und mitbekomme. Vielleicht kann Dir das ja bei Deiner Projektarbeit helfen, das ist mein eigentlicher Grund, Dir so offen zu antworten.LG, Eliza

Das Buch zum Thema
Fingerfood für Demenzkranke  

Die Neuauflage des Buches:

 

Der Fernsehjournalistin und  Autorin Dörte Schipper ist ein bemerkenswertspannendes und überraschendes Buch gelungen über das Sterben – und dasGeheimnis eines erfüllten Lebens. Dem Buch vorausgegangen ist eineFernsehdokumentation in der ARD (Der Luxuskoch vom Hospiz), für die die Autorinmit dem Erich-Klabunde-Preis ausgezeichnet wurde.

 

 

 

„DEN TAGEN MEHR LEBEN GEBEN“

 

Der Starkoch vom Hospiz und seine Gäste

 

Dörte Schipper

 

Vorwort von Udo Lindenberg

 

 

 

Verlag Herder - 256 Seiten, kartoniert

 

ISBN:978-3-451-06609-2

 

 

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