Fotos zum anbeißen (Teil 1)

Wem ist dies nicht schon einmal so ergangen: Das Gericht ist toll gelungen sah auch lecker aus und man will es bei den Küchengöttern einstellen. Da muss natürlich auch ein »Beweisfoto« her! Dann die Enttäuschung: Der feine Bratensaft grünlich, das Fleisch fad und grau, und die herrlichen Tomaten braun. Und das Foto wandert in den digitalen Papierkorb.- Die geschätzte Küchengöttin Aphrodite schrieb in einem Kommentar zu einem meiner Rezepte: »Die Fotos sehen so schön aus wie auf den TK-Verpackungen. Nur das da meist der Inhalt hinter dem Foto zurückbleibt. Deine Fotos machen Appetit.« Hier nun ein paar Vorschläge, zufriedenstellende Fotos mit Smartphone oder Pocketkamera fotografiert, einzustellen:

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Kommentare
Liebstöckel


1. BILDGESTALTUNG: Das Wichtigste: Das dargestellte Gericht sollte zum Anbeißen lecker aussehen, so lecker, dass man nicht widerstehen kann. Ein gutes Foodfoto muss also hungrig machen. Animiert es den Betrachter, den Kühlschrank zu plündern, ist das Foto gelungen. Das reicht aber nicht ganz, Darum hier ein paar einfache Tipps: 


 


2. FARBEN: Aussehen, Geruch und Geschmack bilden eine sensorische Einheit. Alle Farben (auch die Deko) soweit wie möglich auf das Essen abstimmen, denn dieses ist das Hauptmotiv. Farbige Gerichte auf neutralen Grund, unifarbige Gerichte auf farbigen Grund. Farbkontraste innerhalb des Gerichts aufbauen: Grün - Rot, Schwarz (Braun) - Gelb (Weiß) etc. Dabei Hauptfarbigkeit beachten und farbige Akzente setzen. (Manchmal genügen schon zwei Schnittlauchhalme oder ein Stück Tomate, um Farb- und Bilddynamik zu steigern.)


 


3. HAUPT-UND NEBENMOTIV: Dieser Faktor wird oft unterschätzt. Mit Gegenständen, die nichts mit dem Gericht selbst zu tun haben, kann man die Aussagekraft eines Bildes häufig ungemein erhöhen.  Die Pfefferkörner (Bild) sind bewusst angelegt. Die zwei Paprikaschoten im Hintergrund auch.


 


4. TOTALE ODER DETAIL? Die Art der Abbildung ist eine Frage des Gerichts selbst und des persönlichen Geschmacks: Eine Großaufnahme bietet sich bei Fingerfood an. Gerichte, die mehrteilig portioniert angerichtet sind, sollten auch nur zum Teil (dafür aber sehr aussagekräftig) auf dem Foto abgebildet werden. Es gilt generell der Gestaltungsgrundsatz: »Weniger ist mehr!« (Mies van der Rohe)


 


5 KOMPOSITION DURCH DRITTELTEILUNG: Dabei wird das Bild vertikal und horizontal gedrittelt und das Hauptmotiv in (etwa) einer der vier Schnittpunkte der Achsen ausgerichtet. Das entspricht in etwa der Teilung des »Goldenen Schnittes« Diese Teilung gilt als die harmonischste und kann auch in der Natur nachgewiesen werden.


 


6. AUFNAHMEWINKEL: Der richtige Winkel ist abhängig davon, was vom Umfeld mit abgebildet soll und abhängig Lichtverhältnissen. - Je kleiner der Winkel, desto mehr Details. Direkt von oben fotografierte Foodfotos wirken oft flach. Ich fotografiere meist am Küchenfenster mit einem Lichteinfall von schräg links oben bei einem Winkel von 30 - 60°. Zwingend ist aber, dass z. B. Gläser etc. und Horizontlinien exakt vertikal bzw. horizontal zur Bildbasis stehen müssen. Wird die Kamera verkantet, müssen die Bilder mit einer Software entzerrt werden. Das Gleiche gilt für sogenannte »Stürzende Linien«, die beim fotografieren mit Weitwinkelobjektiven entstehen.


 


 


7. BILDVERLAUF: Linien fousieren unbewusst Blickabläufe. In der Regel betrachtet man ein Bild von links oben nach rechts rechts unten. Das kommt durch unsere Lesegewohnheit, Seiten zu »überfliegen«. Wenn man aber ein besonders hervorstechendes Objekt im Bild hat, z.B. eine rote Tomate im Hintergrund plaziert, dann geht das Auge meist sofort auf diesen „Eyecatcher“. Dies muss beachtet werden.


 


8. BELICHTUNG: Fotografiert vorzugsweise bei Tageslicht. Ein Hilfsmittel ist aber auch eine einfache Schreibtischlampe mit einer Abmusterungslampe (D 50 oder 65 - Tageslichtlampen gibt es ab ca. 10 Euro im Fotohandel). Mit dieser kann man starke Schatten aufhellen. Manchmal reicht auch eine weiße Pappe zum Aufhellen der Schatten aus.


 


9. WEISSABGLEICH: Bei dem Weißabgleich wird die Farbtemperatur des Bildes an die jeweiligen Lichtverhältnisse angepasst, um Farbstiche zu vermeiden. Auch einfache Pocketkameras regeln diesen (bedingt) automatisch. Mit einer Bildbearbeitungssoftware ist dieser leicht zu korrigieren.


 


10. TIEFEN SCHAFFEN UND SCHÄRFENTIEFE: Um Bildtiefe zu schaffen, ist das Wissen um die Farbperspektive hilfreich. Aktive, warme gesättigte Farben wirken vordergründig, passive, kalte und entsättigte Farben hintergründig. Eine geringe Schärfentiefe (Bild) unterstützt die Fokusieren auf das Hauptmotiv, ist aber (leider meist) nur der Profifotografie mit Mittelformatkameras vorbehalten. Mit einer guten Bildbearbeitungssoftware (Bild) ist dies aber, wenn auch nur bedingt, ganz gut zu manipulieren.


 


Bild: Blumenkohlpickles mit schwarzem Pfeffer und  Ingwer


Tipps zur Bildbearbeitung folgen im Teil 2, wenn gewünscht.




Rinquinquin
Der Fototeller

Danke! Das sind unheimlich tolle Tipps, die ich speichern werde und wenn es mir nur gelingt, den einen oder anderen davon zu beherzigen, ist schon was gewonnen. Aber es stimmt schon: man macht 15 Fotos und wenn 2 davon gut aussehen, hat man Glück. Jetzt weiss ich auch ein wenig mehr darüber, wie es theoretisch gehen sollte und wie der Hintergrund zwar da ist, aber unscharf aussieht. Schaffe ich bestiimt nie. 

 

Und wann kann dann gegessen werden?

Kommen da etwa noch mehr Teile?? Nur zu.

Toskanafan
Angebissen, Danke,,,,,

sehr gut beschrieben, auch ich freue mich auf den nächsten Teil????. Mir geht es ähnlich wie @Rinquinquin, immer mehrere Fotos machen und dann das Beste raussuchen. Oft mache ich meine Fotos ohne Tageslicht, da ist es schon manchmal schwierig. Mein Bildbearbeitungsprogramm ist Infranview, da mache ich aber nur verkleinern und ausschneiden. Wie das dann mit Belichtung geht weis ich nicht, noch nie probiert/getraut. Bin gespannt auf Deine Tipps. Deine Fotos sehen immer wirklich topp aus.

nika
Toll, danke für den kleinen Foto-Kurs

... und wann folgt der nächste Streich? Ich bin schon gespannt, denn meine Foto-"Künste" beschränken sich auf fast "Gar nicht". 

 

Ich werde mir Deinen Beitrag abspeichern und so jederzeit wieder zu Rate ziehen. Vielen Dank,

Deine nika

Belledejour
@Liebstöckel - bitte weitermachen

 Ähnliche Erfahrungen habe ich auch bereits gemacht und bin dankbar für diese hilfreichen Tipps.

Habe eine Digital Kamera sowie eine digitale Spiegelreflexkamera.
Die benutzt allerdings meistens mein Mann und der hat keine Geduld, um vor dem Essen noch zu fotografieren. Sehr wahrscheinlich kann man dort aber schon vieles voreinstellen, oder ?

 

 

Super Tpps

Die Tipps sind wirklich sehr gut. Ich hab interessehalber auch mal ein bisschen recherchiert und das hier gefunden. Für mich persönlich ist es aber am wichtigsten, dass man das Essen hinterher auch noch warm essen kann. Da verzichte ich lieber auf perfekt durchgestylte Bilder und genieße dafür mehr!

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