Gemüse

Ich entziehe mich der Globalisierung, sagte mein Kollege vorwurfsvoll, als ich kürzlich im Bistro die traurige Tomatenscheibe liegen ließ und die Kidneybohnen aufaß. Und das in meinem Job! Ein Restaurant messe ich auch am einfachen gemischten Salat. Da gehört Saisongemüse rein, ganz frisch geschnibbelt oder eben gut konserviert, sonst nichts.

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Kommentare
lundi

Im Januar esse ich nun mal keine Tomaten. Aus Prinzip. Auch keine Zucchini, Paprika oder Erdbeeren. Ökonomisch richte ich natürlich damit Schaden an. Ökologisch hoffentlich nicht. Ich weiß, die CO2-Bilanz eines südamerikanischen Apfels ist im März viel besser als die eines deutschen eingelagerten. Wenn also meine eingelagerten Äpfel im Winter alle sind, warte ich auf den August. Kein Apfel bis zur nächsten Ernte. Von den letzten schrumpeligen habe ich Mus und Saft gekocht.


 


Erklär das mal der Familie! Am besten neben einem prall gefüllten Regal, wo alles so farbig und knackig leuchtet! Was für ein Drama! Inzwischen ziehe ich das seit ein paar Jahren durch. Oder besser: WIR. Rigoros und ohne Ausnahme. Mein Kollege hat ja so Recht!

Rinquinquin
Was hat Dich denn heute so geärgert, liebe lundi ?

Dein Beitrag hört sich leicht zornig an. Nur weil wir alle beim Einkaufen an gut gefüllten Gemüse- und Obstabteilungen vorbeikommen und das für uns ganz normal ist?  

Aber wie würdest Du handeln, wenn Du jetzt sofort von einem befreundeten Zwischenhändler Kartons mit Paprika, Tomaten, Zucchini, grünen Bohnen und Erdbeeren bekämst, die man zwar etwas aussortieren muss, die aber grösstenteils noch gute Ware sind? Diese Ware wird von den Supermärkten nicht mehr angenommen und normalerweise weggeworfen. Ich weigere mich da nicht, diese Produkte zu verarbeiten. Prinzipien verteidige ich nicht mehr. 

Aphrodite
Ist was zum Festhalten.

Prinzipiell halte ich mich an Lundi's Linie. Rote Bananen warten noch auf ihre Verarbeitung. Die kommen aus Brasilien und sind Ausnahmen. Prinzipien ohne Ausnahmen kann ich mir nicht vorstellen. Definitiv ist es aber so, dass alles, was wir hier im Überfluss konsumieren der anderen Hälfte der Menschheit weggenommen wird. Egal, ob CO2 relevant. Wenn man sich das bewusst macht, gewinnen auch kleine Dinge wieder an Wert. An das Diktat der Supermärkte halte ich mich ungern und verzichte zumeist oder bin im anderen Fall enttäuscht. Geschenkt bekommt man ja nichts. Eher wird es weggeworfen. "Normalerweise" ist ein Regelwerk aus unzähligen Vorschriften. So was bringt nicht wirklich Lebensqualität. Dann bin ich lieber ein Regelbrecher im Guten.

Kochmamsell
Keine Regel ohne Ausnahme ...

... auch bei mir. Ich versuche, so weit wie möglich saisonales Obst und Gemüse zu kaufen, aber manchmal esse ich auch anderes. Gut, Erdbeeren im Winter brauche ich nicht, aber jetzt Zucchini oder mal ein paar Tomaten, why not?

Flicka
Saisonal nach Möglichkeit

Ich finde es ja auch richtig, nach Möglichkeit das heimische Gemüse zu verzehren, aber ein bisschen Abwechslung im Speiseplan mag ich schon. Also kommen zwar keine Erdbeeren im Winter auf den Tisch und unsere Äpfel habe ich gelagert und verbrauche sie auch, aber mal Paprika oder Aubergine gestatte ich uns. Dafür haben wir letzte Woche dreimal Weißkohl in allerlei Variationen gegessen. Und Grünkohl und Sauerkraut stehen auch demnächst wieder an. Ein wirklich schlechtes Gewissen habe ich nicht. - @lundi Habe ich richtig verstanden: Dein Kollege hat moniert, du würdest dich beim Verschmähen von Tomaten der Globalisierung entziehen? Wer kann der denn schon wirklich entkommen?

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