Muss Essen gerettet werden?

Das schlechte Gewissen trabt immer mit: Was wird eingekauft und was landet davon im Mülleimer?

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Kommentare
Aphrodite

Ich hab' es da gut. Ich habe drei Hühner. Und die freuen sich über ein Risotto mit Trüffelöl genauso wie über ein angebissenes Käse-Schulbrot meiner Tochter. Es wandert also ziemlich wenig in die Abfalltonne oder Kompost. Doch der Müllberg ist gigantisch, der in Deutschland produziert wird. Bei einer Kohlrabi ist mir das ziemlich egal. Aber, wenn Tiere dafür ihr Leben lassen müssen, stimmt etwas nicht. Ich schau' TV.

apprenti1
Ein ziemlich aktuelles Thema

, welches auch aktuell die Medien beschäftigt.: (Stichwort Foodsharing). Wer ertappt sich nicht selbst dabei, mal wieder Gewürzgurken zu kaufen, obwohl man noch 5 Gläser im Keller stehen hat. In Zeiten übervoller Regale und Marktstände haben wir die prähistorische Vorratshaltung noch immer nicht abgelegt. Beeinflusst wurde dieses Kaufverhalten durch das Verschwinden der "Tante Emma" Läden um die Ecke. Das tägliche, bedarfsorientierte Einkaufen verschwand damit ebenfalls. Man fährt heute in der Regel in die Edekas oder Rewes dieser Welt und erliegt der Fülle der Angebote, verbunden mit der "Angst" eine Woche nicht einkaufen zu können. Wer das Kaufverhalten vor Feiertagen kennt, weiß was ich meine. Andererseits besteht auch Hoffnung: Immer mehr Menschen ernähren sich bewusster, dazu gehört dann auch zwangsläufig das bewusste zielgerichtete Einkaufen von Lebensmitteln. Wer auch wieder selbst am Herd steht, wirft deutlich weniger Lebensmittel weg. Man lernt auch wieder Reste zu verwerten. Und wenn schlussendlich das zuviel eingekaufte Gemüse vom Wochenmarkt im Suppentopf landet und das Suppenpulver ersetzt, ist dies auf jeden Fall ein Anfang.

lundi
Wie geht das?

Heute morgen erst sah ich auf dem Weg zur Arbeit ein Pärchen, dass die Mülltonnen in der Stadt durchwühlte. Da dachte ich so an meine Tonne, da ist kaum was drin, es reicht nicht einmal zum Wühlen.

 

Die Leute beschweren sich, wenn die Butter 5 Cent teurer ist als im letzten Jahr und der Lohn-Tarifabschluss unter den Erwartungen bleibt. Solange man sich das Wegwerfen von Lebensmitteln erlauben kann, sind sie eindeutig nicht teuer genug.

 

Auch ein Kohlrabi ist da nicht egal, der wurde mit Aufwand angebaut und durch die Gegend gefahren. Wenn altes Brot zu den Hühnern kommt, ist das OK, wenn man Hühner hat, oder Kaninchen o.ä., doch auch Brot verbrauche ich bis zum letzten Krümel.

 

Wirklich deprimiert bin ich beim Entsorgen im großen Stil. Überall soll ständig alles verfügbar sein. So viel kann keiner kaufen und verbrauchen. Was nicht ganz top aussieht, bleibt gleich liegen. Analog ist es bei Industriegütern, die ganz bewusst auf kurze Lebensdauer und Anfälligkeit getrimmt werden. Eine Wegwerfgesellschaft. Wie soll man da zur Achtung vor den Dingen erziehen? Achtung ist gar nicht gewollt. Wir sollen konsumieren, konsumieren... Und wieso muss man Mitarbeiter verklagen, die sich in Kantienen o.ä. an zurückgegebenem Essen bedienen, das eh entsorgt wird? Das ist Irrsinn. Mir macht das Angst.

Belledejour
Reste von Lebensmitteln gibts kaum bei uns

Auch ich muss lundi zustimmen.

Ich habe noch gelernt, dass man alles aufessen sollte. Das ist natürlich Quatsch - aber so bleiben auch bei uns kaum Reste. Noch nicht einmal vom Brot oder Brötchen, da wird dann nämlich Paniermehl draus gemacht.

Einkaufen und kochen tue ich nur nach Bedarf, ich habe daher schon sehr früh eingekocht und Vorräte angeschafft. Frisch gekocht wurde und wird seit Beginn unserer Ehe, meine Kinder kennen es nicht anders und auch die handeln inzwischen so. Obwohl früher unser Essen auch ihnen nicht immer genehm war, sie sind so erzogen, die Lebensmittel zu achten. Da sind wir wieder beim Thema - das Vorleben ist sehr oft entscheidend.

 

JulietteG
Hier ist der...

direkte Link zu der Reportage, die Aphrodite meinte und hier findet Ihr den Link zu der Vorgängerdokumentation aus dem Jahr 2011. Letztere führte unter anderem zu der Studie im Jahr 2012, die sich mit dem Wegwerfverhalten von Lebensmitteln in Deutschland beschäftigte. Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr ca. 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Davon fallen 61 % auf die Haushalte, je 17 % auf Industrie und Großverbraucher und 5 % auf den Einzelhandel. 

Die Studie unterscheidet zwischen vermeidbaren, teilweise vermeidbaren und nicht vermeidbaren Wegwürfen. Wenn man Knochen, Bananen- und Kartoffelschalen (nicht vermeidbare Wegfälle) ausnimmt, verbleibt es dennoch bei einem Wegwurf von ca. 52 kg pro Bundesbürger pro Jahr. Das ist pro Woche 1 kg und summiert sich bei einer 4-köpfigen Famlie auf 4 kg in der Woche

Unvorstellbar?

 

Nach dem Erscheinen der Studie im letzten Jahr habe ich mit vielen Freunden und Bekannten darüber gesprochen. KEINER meinte, dass er/sie selbst so viele Lebensmittel wegwirft. Ohne die Differenzierung wäre ich selbst davon ausgegangen, dass hauptsächlich die Supermärkte und Restaurantbetriebe den enormen Wegwurf verschulden. Aber irgendwo muss es ja her kommen... Wenn alle meinen, dass sie nicht so viel wegwerfen, heißt dies entweder, dass mein gesamter Bekanntenkreis und ich darüber aussagen, dass manche Menschen noch mehr wegwerfen oder das wir unseren Wegwurf unterschätzen.

Plötzlich wird die vergessene Paprika im Kühlschrank schlecht (ca. 200g pro Stück) oder eine Tomate in der Packung schimmelt, dann wirft man besser doch die anderen auch weg. 

 

Zu den weggeworfenen Lebensmitteln zählt übrigens auch dasjenige, was zu viel gekocht wurde und aufgrund dessen im Müll landet. Dies ist der einzigste Anhaltspunkt, der für mich den fortlaufenden Fertigproduktekonsum und die Studie in Verbindung bringen lässt.

 

Ich werde ab nächste Woche mal ein Abfalltagebuch führen. Ich hoffe, dass das Ergebnis nicht zu erschreckend wird. Als Singlehaushalt ist es manchmal gar nicht so einfach... 

 

Was ich in dem Film deshalb sehr interessant fand, dass (ich meine es war Dänemark) dort wieder kleinere Kohlköpfe angeboten werden. Nehme ich gerne, denn sonst muss ich einige Tage Kohl essen, wenn ich einen "normal großen" kaufe. 

 

Gerade in einem kleinen Haushalt entsteht vielleicht eher unbewusst viel Abfall. Nach drei Tage Kohl habe ich auch schon mal 1/4 Kopf ohne schlechtes Gewissen weggeworfen. Mein TK-Fach ist absolut klein und bei Größeren müsste man (wenn man es jetzt ganz genau nimmt) im Gegenzug über die Co2-Bilanz trefflich streiten.

 

Mein Wochenplan hilft übrigens schon um einiges weiter. Da kaufe ich ganz gezielt ein und nicht nur danach, nach was mir an dem bestimmten Tag gerade ist. Kartoffeln kaufe ich auch nur noch lose, so dass ich jetzt gerade im Spätwinter/Frühfrühling dieses Jahr möglichst wenige wegwerfen musste. 

 

Was übrigens gerade in dem Film sehr bezeichnend ist, dass die deutsche Regierung wohl auf eine Selbstregulierung setzt. 

 

Ich werde Ende der nächsten Woche mal berichten, was mein Abfalltagebuch ergab. Nagut, da werde ich es dann natürlich ganz genau nehmen, aber ich versusche zu lernen, denn es ist nicht so, dass ich mich nicht ans eigene Näschen fassen müsste.... Und so geht es sicherlich vielen anderen.... 

 

P.S. Danke für Deinen TV-Tipp, liebe Aphrodite. 

 

P.P.S. Ein Kohlrabi wiegt bestimmt auch schon 250 g.

 

 

trudine
Ein interessantes Thema

Ich habe auch einen Singlehaushalt, aber bei mir wird nie etwas weggeworfen! Ich habe einen 250 Liter No-frost Gefrierschrank. Gerade in einem Singlehaushalt ist es wichtig, dass man Platz zum Einfrieren hat. Viele Eintöpfe kann ich gar nicht nur für 2 Tage kochen, also wird der Rest portionsweise eingefroren. Alleine dadurch hat man ja den zusätzlichen Stromverbrauch für einen grossen Gefrierschrank gespart, weil man für z.B. Hühnerfrikassee nicht wieder kochen muss, sondern einfach eine fertige Portion aus dem TK holt, ganz zu schweigen von der Zeitersparnis!

Aus dem Grund gibt es bei mir auch nie eine vergessene Paprikaschote im Kühlschrank. Gemüse wie Paprika, Porree kaufe ich gerne in der Saison, schneide sie klein und friere sie ein. Das erleichtert das Kochen doch sehr. 

lundi
Abfalltagebuch

Das ist eine prima Idee, um mal zu realen Fakten zu kommen und zu wissen, worüber man redet. Möglicherweise verschätzt man sich. Verdorbene, überzählige, vergessene Früchte, Kartoffeln oder Joghurts  - ich kann mich nicht erinnern, wann ich das das letzte Mal hatte. Und wenn beim Essen nur eine halbe Kartoffel, 3 EL Soße oder 5 Spaghetti übrig bleiben, selbst solche Kleinstmengen werfe ich nicht weg, ist doch schade drum.

 

Wenn ich Freunden erzähle, wo ich einkaufe, kommt immer: Aber da ist es doch so teuer! Tja, aber im Supermarkt bekomme ich z.B. Zitronen nur im 5er Netz. Ich brauche aber nur eine und selbst die ist oft zuviel, weil es eigentlich nur um 2 TL Saft geht. Der Kilopreis ist dann höher, aber statt 1,99 habe ich nur 89 Cent ausgegeben und keine Zitrone, die verschimmelt. In unserem Tegut gibt es übrigens auch sehr kleine oder halbe Kohlköpfe.

 

Leicht Verderbliches kaufe ich lose, quantitativ und zeitlich ganz dosiert. Wir waren bis vor kurzem fünf Personen. Da zähle ich beim Einkauf z.B. für eine Arbeitswoche in die Brotbüchse 5 Bananen, 5 Möhren und 15 Äpfel ab. Ich überlege genau, ob ich die Lebensmittel zeitnah vollständig verwerten kann. Deshalb finde ich auch Rezepte so doof, wo man z.B. 3 EL Joghurt braucht, 2 EL Sahne und 1 EL Mayo. Oder 2 Salatblätter, 100 g Sellerie, 100 ml Buttermilch und 50 ml Tomatensaft. Oder so ähnlich. Was mache ich bitte mit dem Rest? So koche ich nicht.

lundi
@Belledejour

Natürlich soll man seinen Teller leer essen! Das ist bei uns nicht Gesetz aber erwünscht. Ist ja auch ganz leicht, wenn man sich die passende Menge auflädt oder aufladen lässt. Man darf halt nicht so gierig sein, besser nachnehmen. Reste aus dem Topf können weiter verwertet werden, was auf dem Teller war eher nicht. Besonders an Buffetts und bei Kinderverköstigung kann man da sehr schöne "Studien" betreiben.

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