Reklamieren oder nicht?

Heute haben wir erst einen Ausflug gemacht und anschließend ging´s zum wohl verdienten Mittagessen in die (Dorf-)Wirtschaft. Das Essen war dann aber eine ziemliche Enttäuschung. Ich hatte Spanferkelbraten mit Knödel - das Fleisch war eine äußerst trockene Angelegenheit! Meine Frau hatte ein Allgäuer Pfandl (o.k., sollte man in einer Dorfwirtschaft im Bayerischen Wald vielleicht nicht gerade essen): Die Spätzle schmeckten fad, Erbsen und Möhren kamen aus der TK, nur das überbackene Lendchen war o.k. Alles in allem hat`s nicht geschmeckt, gesagt haben wir aber nichts und uns hinterher darüber geärgert, dass das Essen seinen Preis überhaupt nicht wert war und wir nichts gesagt haben... So geht´s uns öfter, blöd oder? Beschwert Ihr Euch, wenn Euch im Wirtshaus was nicht geschmeckt hat bzw. das Essen seinen Preis nicht wert ist oder seid Ihr auch eher von der "Still-Zahl-Fraktion"?

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Kommentare
Wackelpeter

Maus
Auf jeden Fall -Reklamation-!

Es ist schon richtig, daß man sich gleich beschweren sollte, wenn das Essen nicht die Qualität vorweist, die es eigentlich haben sollte.

Mein Mann und ich melden es gleich der Servierkraft, wenn etwas mit dem Essen nicht in Ordnung ist. Meistens wird es dann neu serviert oder es gibt einen Preisnachlaß und eine Entschuldigung. Nicht schön ist es, wenn auf die Reklamation nicht eingegangen wird (selbst wenn man sich beim Chef beschwert), dann wird man das Restaurant meiden und nicht weiter empfehlen.

Schließlich ist es heute recht teuer ins Restaurant zu gehen und da sollte die Qualität schon stimmen.

 

Fyx
Reklamieren.

Maus hat schon Recht - in den meisten Restaurants zahlt man genug, um eine gewisse Qualität erwarten zu können. Da sollte man auch ganz offen sagen, wenn das Essen eine Enttäuschung war. Es muss ja nicht direkt als Vorwurf formuliert sein. ;)

Ansonsten: Über kleinere Mängel, wie dem etwas sparsamen Umgang mit Salz, sehe ich meist gerne hinweg, so lange das Essen alles in allem trotzdem noch gut war.

Nicole Stich
Gleich reklamieren

Ich würde auch freundlich (aber bestimmt) reklamieren. Hab ich erst vor einigen Wochen in unserem Stamm-Restaurant gemacht (der Koch war anscheinend verliebt) und anstandlos eine neue Portion bekommen. Erinnere mich aber auch an eine Reklamation in einem traditionellen Münchner Wirtshaus, in dem ich die schlechtesten Kaasspatzn bekam, an die ich mich erinnern kann und die Bedienung nur meinte "Die schmecken wie immer". Da war ich dann auch das letzte Mal...

Was gar nicht geht: Erst aufessen und dann meckern - wenn dann muss man schon gleich was sagen.

Ananasbelle
Gut reklamiert

Ich habe eine Weile in der Gastronomie gearbeitet und über beides gestaunt - was manche Leute über sich ergehen lassen und dazu auch noch "Danke, gut” sagen (ich war im Service, nicht in der Küche) und wie andere Gäste einen echt als Mülleimer benutzen. Als Gast schaue ich einmal auf den Preis (TK-Gemüse beim 5-Euro-Essen nehme ich hin, Tütenpüree niemals) und was es bringt - grad hier in Bayern gibt es so Wirte, die einen dann noch wie Nicky anmaulen und mir den Tag mehr verderben als Schweigen und Gehen. Ganz schlimm finde ich Rechthaberei bis Streitlust im Service - da steig ich dann manchmal aus Fleiß drauf ein.

 

Gegenbeispiel: Probieren, ob der Wein in Ordnung ist. Manche Gäste lassen die Flasche zurückgehen, weil der Wein ihnen nicht schmeckt (nicht weil er korkt usw.), selbst wenn sie ihn selbst gewählt haben. Und das gerne auch zwei, dreimal. Das ist eigentlich nicht Sinn der Sache, oder?

Liz
Reklamation ist kostenlose Qualitätsprüfung

Servicepersonal und Restaurantchefs, die dies nicht erkennen verdienen letztlich keinen weiteren Besuch. Ein Gast, der sich die Mühe macht, sich (höflich, selbstverständlich) zu beschweren, zeigt damit das Interesse, wieder kommen zu wollen und die Hoffnung, dass Küche und Restaurant das Ihre dazu tun wollen. So sollte man Reklamationen auf ihrer Seite daher auch verstehen und nicht als persönlichen Angriff. Vor ein paar Jahren hatte ich es mit einem kritikresistenten und "leicht autoritärem" Klinkchef "alten Schlages" zu tun, der mir von einem Patienten berichtete, der sich beklagt hatte und dem er nach eigener Schilderung trotz der berechtigten Beschwerde aber deutlich seine Meinung gesagt habe, dass die Art und Weise der Führung der Klinik  Sache des Chefs und nicht der Patienten sei. Schliesslich habe sich vor diesem jahrelang noch nie jemand beschwert. Der Patient habe dann nichts mehr zu sagen gehabt.....

 

Ich gebe zu, dass ich kurz insgeheim zögerte, mir das an sich gute Mandatsverhältnis zu vergällen, konnte aber dann doch nicht widerstehen und entgegnete ihm (SEHR) freundlich: "Wäre ich an Stelle des Patienten gewesen, hätte ich Ihnen vermutlich zu bedenken gegeben, dass es dann ja ein Glück für Sie sei, dass endlich ein Patient Ihnen einen Tip für eine Qualitätsoptimierungsmassnahme mit seiner Beanstandung eines schon jahrelang bestehenden Mißstandes gegeben habe, die Sie nicht einmal mit einem Beraterhonorar für Qualitätsmanagement entgelten müssen" Er sah mich im ersten Moment verdutzt und etwas ärgerlich an - und brach dann in Gelächter aus. Ein paar Tage später bat er mich dann darum, ihm mal Vorschläge zu machen, wie ICH wohl als Patientin und nicht als Anwältin der Klinik die  Patientenzufriedenheit feststellen und auch den Umgang mit Beschwerden lösen würde. Auch scheinbar sture Menschen sind offenkundig mit den richtigen Argumenten lernfähig zu machen.

Vielleicht nicht der grantelnden Biergartenbedienung, aber wohl vielleicht manchem Restaurantbesitzer und Küchenchef kann man sicher diese positive Auffassung von Kritik als nützlich für SIEselbst vermitteln. Der Versuch lohnt in jedem Fall, wenn ich Interesse habe, wieder dort essen zu wollen... Und letzteres bestimmt ganz von selbst auch die Form, wie man eine Beschwerde ausspricht.... ;-)

 

 

 

Wohin tendiert man?

Variante 1: Zahlen, Aufstehen und nie mehr wieder hingehen

Variante 2: Bemängeln, Info für den Gastwirt und die Küche

Variante 1 erscheint mir gar nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Man fühlt sich betrogen um ein erhofftes Geschmackserlebnis, einen schönen Mittag oder Abend und betrogen um Geld. Dieses Gefühl ist nicht gut zu machen.

Variante 2 bedeutet, sich im Gespräch, das natürlich fundiert und ruhig stattfinden sollte, mit dem Gastwirt und dem Koch auseinanderzusetzen. Das kostet Nerven und bringt das erhoffte Geschmackserlebnis auch nicht mehr.

Der Restaurantbesuch hat in beiden Fällen eine erhebliche Störung erfahren.

Ich denke, daß man gut daran tut, in Restaurants zu gehen, die einem persönlich oder durch Empfehlung bekannt sind und wenn das einmal nicht möglich ist, am besten nicht zu viel zu erhoffen. Auf Restaurantführer vertraue ich nicht mehr.

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