Treffen sich ein Hai und ein Surfer...

Sagt der Hai: Bitte lächeln! Fragt der Surfer: Was hast Du vor? Sagt der Hai: Ich will mein Essen für Facebook fotografieren.

13
Kommentare
Aphrodite

Manche sollen sich ja über Leute aufregen, die in Restaurants und bei privaten Einladungen das Essen fotografieren. Solange ich mich erinnern kann, wurden auf Urlaubsreisen immer schon Fotos von Restaurantbesuchen gemacht. Hummeressen und wir mit riesigen Stoffservietten um den Hals. Auch wenn zuhause groß getafelt wurde, gab es immer Fotos davon als Erinnerung an ein schönes Essen und wie schön das alles aussah. Besonders klug und kultiviert empfinde ich mich dabei nicht und würde auch niemals von Hochglanzerotik und jungfräulichen Gerichten sprechen, wie von Tobias Becker im letzten Kultur-Spiegel angemerkt.


 


Essen ist wie ein Bild oder ein Theaterstück eine Inszenierung. Das alle, die nur den Teller sehen, das Gesamtbild nicht sehen, ist ja vielleicht auch so gewollt. Es ist die Trennlinie von Öffentlich und Privat und das Essen selbst dann das private Vergnügen. Dass alles für den Betrachter dann nicht so ergötzend ist, liegt in der Natur der Sache. Mit ein wenig Phantasie erschließt sich dann ohne weiteres das ganze Bild. Wie in jedem Film. Der Zuschauer ist indirekt ja immer mit dabei. So geht es mir jedenfalls. Ich war schon in vielen Restaurants - nicht wirklich. Aber weiß genau, wenn ich mal vor Ort bin, wo ich dann hin gehen werde. Und sei es nur ein Reisebericht oder ein Foto, das mich dazu einlädt.


 


Klingt das jetzt wie Rechtfertigung für die ganze Knipserei?


Hier beschränke ich mich auf Rezeptfotos. Das musste ich jetzt mal dazu loswerden.


 

Rinquinquin
Fotos

Schöne Teller im Restaurant fotografiere ich manchmal, damit ich noch öfter Freude an einem gelungen angerichteten Essen habe, das natürlich ausserdem noch toll schmeckte. Am nächsten Tag oder noch später kann ich mich nämlich kaum mehr daran erinnern, wie alles genau aussah und noch weniger, wenn es ein mehrgängiges Menu war. Solche Fotos inspirieren mich zum Nachahmen zuhause, denn einfach nur auf den Teller gehäuftes Essen schreckt mich, ich brauche immer etwas fürs Auge und neue Anregungen sind immer gut. 

nika
Fotos
Treffen sich ein Hai und ein Surfer...  

Ich kann Rinquinquin nur Recht geben. Ich habe mein Geburtstagsessen in einem guten Restaurant auch fotografiert. Die Anrichteweise würde ich sonst schnell wieder vergessen. Das Anrichten des Desserts war excellent (siehe Foto), der Kuchen trocken ....

Dafür waren Vorspeise, Zwischengang und Hauptgericht lecker.

Belledejour
Pro für Food-Fotos

Seitdem es Digitalkameras gibt, habe ich wieder mehr Spass beim fotografieren. Daher wird von uns die Möglichkeit genutzt, gut platzierte Gerichte im Restaurant wie auch im Freundeskreis (der natürlich ebenso gern kocht und fotografiert) mit der Kamera festzuhalten.

Da wir privat des öfteren gemeinsam kochen, feiern und verreisen wird jedesmal eine Dokumentation daraus und so kann man die vorhandenen Fotos für sich selbst wieder nutzen.

Toskanafan
Auch, Pro für Food-Fotos,

ich liebe schön angerichtete Gerichte. Es ist wirklich schwer sich wieder daran zu erinnern, wie der Teller aus sah.. Schon der geliebte Marktsalat, mit Pfifferlingen,,,hier könnte in Foto aussagekräftig sein, was da rein kam.  Meist ist das so, ein Fünf-Gänge-Menü. Das möchte man festhalten, ich kann mich heute noch erinnern, wie gut das war. Doch wie so oft hatte ich keine Kamera dabei, das ist echt schade.

 

@Belledejour und @Rinquinquin, schließe ich mich an.

lundi
Oh nein!

Bin ich allein auf weiter Flur? Oder nur hoffnungslos altmodisch? Ich muss nicht immer und überall fotografieren. Im Restaurant schon gar nicht, das finde ich absolut unpassend und unhöflich. Die Erinnerungslücken nehme ich gern in Kauf. Foodfoto privat bei mir Zuhause: ja. Wenn ich irgendwo zu Gast bin: nein, es sei denn, es ist eine Auftragsfoto vom Gastgeber.

Bettina Müller
Food-Fotos

Ich habe den Artikel leider nicht gelesen. Aber ist es nicht so, dass vor allem die Menschen kritisiert werden, die in (vor allem "besseren") Restaurants ihr Essen mit dem Smartphone fotografieren, um es sofort bei Instagram und Co. hochzuladen? (Nicht selten, um ein bisschen anzugeben, was sie gerade tolles essen). Ich habe das Gefühl, dass dabei immer die Menschen belächelt werden, die gefühlt gar nichts mehr essen können, ohne es vorher mit dem Smartphone abzulichten. Die Anzahl von Essensbildern, die im Netz veröffentlicht werden, hat einfach explosionsartig zugenommen. 

 

Ich darf da auch nicht mit Steinen werfen, da ich selbst öfters genau dies mache. Bei einem Foto nimmt mein Mann des Hauses es noch gelassen, möchte ich bei einem mehrgängigen Menü aber jeden Gang fotografieren, ist es ihm dann auch schon mal unangenehm. 

Aphrodite
@Bettina,

das ist die reine Mitteilungswut. Und ohne Foto wäre das ein langer Text. Mein Haus, mein Boot, mein Abendbrot. Soll es doch jeder halten, wie er will. Der Gastronom hat Hausrecht. Ich würde vorher immer fragen. Es muss auch immer zum Anlass und zur Situation passen.

Nur dann werden Wörter wie Hochglanzerotik und Foodporn weitergetragen oder Essstörungen herbeizitiert. Und jeder sagt dann nur noch Igitt. 

"Sie sind heute schon der 300ste der fragt, ob er ein Foto machen darf!" - Glaube ich nicht :)

Belledejour
Stimmt @Aphrodite

Ein jeder nach seinem Gusto, ist doch hier im Forum ebenso. Mit dem Unterschied, dass es hier sogar der breiten Öffentlichkeit incl. facebook & co. mitgeteilt wird. Dem Internet sei Dank, oder ? ;-)

apprenti1
Seit ich meine Koch- und Backbemühungen

intensiviert habe, habe ich auch begonnen diese Ereignisse zu dokumentieren. Jedoch waren es meistens die groben Fotos aus der Zubereitungsphase. Die feineren Fotos der "Tellerpräsentation" waren mir bis zum Eintritt in die Community eher fremd. Deshalb sind diese Fotos bis heute eher noch drittklassig. Inzwischen macht es Spaß sich die Fotos der eigenen Nahrungsproduktion mit "Gleichgesinnten" anzuschauen. (Die Kinder sind ja schon groß). Es müssen aber schon die eigenen Produktionen sein. Essen im Restaurant fotografiere ich nicht. Ich habe früher auch keine "fremden" Kinder fotografiert.:))

JulietteG
Ich sehe das so...

wie lundi und apprenti: im Restaurant zücke ich keinen Fotoapparat!

 

Gegenüber dem Gastronom finde ich das gar nicht mal unhöflich, denn es kann umgekehrt auch als Lob verstanden werden. Jedoch empfinde ich es gegenüber meinen Mitessern einfach als unpassend. Das Essen wird an den Tisch gebracht und erst einmal schaut man sich neugierig den Teller und die Präsentation des Essens an. Danach stößt man mit dem Wein an und greift sodann gespannt zum Besteck, um mit dem Genießen zu beginnen. Währenddessen baut sich ja sozusagen schon die Spannung auf, welche Geschmackskomponenten gleich mit im Mund aufeinandertreffen werden. Da passt es meines Erachtens überhaupt nicht dazwischen, wenn ich erst mal "Stop!" sagen würde, um ein Foto des Essens zu machen. Persönlich empfinde ich das als unpassende Unterbrechung des Moments.

 

Als praktischer Gesichtspunkt kommt noch dazu, dass in Restaurants meist das Licht leicht gedämmt ist, so dass die Fotos qualitiv nicht besonders hervorstechen... Zumindest wenn man mit seinem Teller nicht noch das gesamte Restaurant durchquert, um den perfekten Platz für die Fotografie zu finden! :)

 

Erinnerungslücken habe ich trotzdem kaum zu beklagen! Bei meinen Highlight-Gerichten, die ich in Restaurants bisher gegessen habe, weiß ich noch ganz genau, wie sie angerichtet waren. Selbstverständlich ist ebenfalls der Geschmack in Erinnerung geblieben... Zumal man in den einigen Restaurants am Ende des Abends eine Menükarte mitbekommt, so dass man sich auch dadurch die Erinnerung zurückrufen kann. 

 

Im Sommer war ich in einem Restaurant, bei dem auf den Tischen Kärtchen mit dem Hinweis standen, dass das Essen bitte nicht fotografiert werden soll. Ich kam mit der Inhaberin ins Gespräch und erkundigte mich nach der Hintergrund. Sie und ihr Mann (der Küchenchef) haben wohl mehrmals erlebt, dass die Teller (die wirklich allesamt wunderbar aussahen) nach dem Servieren von manchen Gästen so zeitintensiv fotografiert wurden, dass schlussendlich die Temperaturen der einzelnen Komponenten auf dem Teller gar nicht mehr stimmig sein konnten. Zum anderen fühlten sich andere Gäste aufgrund des ständigen "Blitzens" wohl etwas gestört.

 

Ich fand das nachvollziehbar. Das Anliegen der Inhaber ist schließlich, dass der Gast mit dem Essen und nicht seinem Foto am Ende zufrieden ist. Das sollte im Übrigen auch das Anliegen des Gastes sein! Von den allermeisten hochkarätigen Köchen sind mittlerweile professionelle (von den Köchen initiierte) Fotos der Gerichte im Internet zu finden. Dafür brauche ich mein Smartphone eindeutig nicht aus der Tasche holen!

nika
Fotografieren als Störenfaktor

JulietteG's und lundi's Argumente sind natürlich richtig, jedoch wenn ich, wie bei unserem Weihnachtsessen, wir die einzigen Gäste auf der herrlichen Terrasse waren und das Essen aufgetischt wurde, dann kam der Moment, wo wir das Gericht erst einmal angeschaut und uns auf die Geschmacksmomente gefreut haben. Zwischen dem Moment und dem Anstossen mit einem guten Glas Wein wurde schnell ein Foto geschossen - als Andenken und ohne Blitz - das sind bei mir keine 30 sec. und wenn dann mein Bildschirmschoner auf dem Netbook das Bild aufruft, dann ist die Erinnerung sofort da und der Geschmack bildet sich erinnerungsmässig nochmals, herrlich. Natürlich achte ich darauf, weder den anwesenden Tischpartner noch andere Gäste noch den Wirt zu stören.

Leider habe ich nicht die Zeit, ein Gericht schön anzurichten, der GöGa steht dann schon ungeduldig hinter mir und "trampelt mit den Füßen". Neuerdings muss er die Fotos machen, dann habe ich mehr Zeit zum Anrichten, denn er ist beschäftigt und nicht mehr ganz so ungeduldig. Trotzdem geht es ihm nicht schnell genug. Wenn es nach ihm ginge, dann könnte ich einen großen Haufen Essen auf einen Teller häufeln, das würde ihm reichen ... , Hauptsache es schmeckt. Also entsteht bei jedem Essen ausser bei Suppe ein kleiner Disput .... :)!! 

 

Bettina Müller
Fotografieren als Marketing

Oh, das finde ich jetzt aber richtig spannend hier. :-) Also wenn ich Fotos im Restaurant mit meinem Smartphone mache, dann immer ohne Blitz. Das ist schon mal klar. Das Bild ist innerhalb weniger Sekunden gemacht, hält also nicht wirklich auf. Bisher habe ich auch noch nie um Erlaubnis gefragt. 

Wenn natürlich jetzt jeder zweite Gast im Restaurant sitzt und mit Blitz fotografiert, kann ich verstehen, dass die Gastronomen gernervt sind. Ansonsten könnten sie, vorausgesetzt die Bilder werden anschließend in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht, doch kaum ein besseres Marketing bekommen - und das ohne zusätzliche Kosten (natürlich setzt das voraus, dass das Essen gut war). Ich habe schon oft Restaurants ausprobiert, weil Freunde Bilder vom Essen auf Instagram oder Facebook gepostet haben. Es ist für mich irgendwie Erinnerung und Empfehlungsmarketing in einem. 

 

Liebstöckel
Hier - ich hab was!

Die Einleitung von Aphrodite ist treffend. - Schaut her, der Hai hat kulinarisch gefressen! - Hier ist das Dokument! - Als (älterer) Medienmensch ist mein tägliches Handwerkszeug im persönlichen Alltag tabu. - Da sind Rechner, Smartfon, (was ich eh nicht habe und benötige) Handy-Kamera außen vor. Die Ausnahme bilden nur die Aufnahmen meiner produzierten Gerichte bei den Küchengöttern. Diese Kommunikation gönne ich mir. In einem Restaurant genieße ich. Wozu fotografieren? Das Bild eines kulinarischen Gesamt(kunst)erlebnisses bleibt mehr oder weniger lang immer im eigenen Gedächtnis. Das ist für mich unendlich wertvoller als ein digitales Foto im endlosen Datenmüll.

 

 

 

Küchengötter User
Küchengötter User
Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Login