Alles Grün würzt der Mai

Der Wonnemonat Mai schenkt uns Kräuter in Hülle und Fülle. Unsere Gewürzexpertin Bettina Matthaei kombiniert sie begeistert mit Gewürzen aus der Dose.

Alles Grün würzt der Mai
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Bettina Matthaei

Blitzblauer Himmel, Mittagspause im Park und selbst im 8-Uhr-Bus lächelnde Gesichter. Eindeutige Indizien für den Mai. Die Natur schlägt Purzelbäume, es sprießt aus allen Ecken: Spargel, Frühlingszwiebeln, zarte Möhrchen, knackige Gurken und junge Kartoffeln. Und während ich sofort über die passenden Frühlingsgewürze nachdenke, empören sich die Puristen: Was sollen Gewürze im Mai, wo es doch frische Kräuter in Hülle und Fülle gibt?

 

Ja, es gibt sie, die Kräuterliebhaber und die Gewürzfraktion, und erstere schwören auf das frische Grün und lassen gerade noch Salz und Pfeffer gelten, während die anderen sich an Kubebenpfeffer, Zimtblüten und Tonkabohnen oder an exotischen Mischungen wie Ras el Hanout, Poudre de Colombo oder Berbere berauschen.

 

Ihr wisst, ich bin bekennende Gewürzfanatikerin, schließe aber Kräuter überhaupt nicht aus. Warum auf das Eine verzichten, wenn ich beides haben kann? Ich erreiche doch die spannendsten Geschmacks- und Aroma-Erlebnisse gerade durch die Kombination von Kräutern und Gewürzen, mit all ihren warm-herben Untertönen, frisch-säuerlichen und krautigen Elementen, fein-süßlichen und blumigen Noten und dazu einer schönen Portion Schärfe.

 

Die Übergänge sind eh fließend: ist doch manches Gewürz in seiner Jugend ein Kraut gewesen, oder wird verwendet, noch ehe es getrocknet und pulverisiert ist. Eine klassische Definition sagt zwar, dass Gewürze getrocknete Pflanzenteile sind, also Rinden, Wurzeln, Samen, Blüten, Knospen oder Blätter, die – ganz, gemörsert oder gemahlen - der geschmacklichen Verbesserung unserer Speisen dienen.

 

Was aber ist mit Pfeffer, wenn er noch jugendlich grün in Rispen am Strauch hängt? Was ist mit der Limette, deren Saft und Schale wir zum Würzen nehmen, und die getrocknet und pulverisiert einen festen Platz in meinem Gewürzschrank hat? Minze, die wir frisch genießen, getrocknet aber als Tee und als Gewürz verwenden. Und dann ist da noch der australische Geheimtipp: Lemon Myrtle, dieses unvergleichlich intensive, grün-zitronige Blatt-Kraut-Gewürz, das Frühlingsfrische in Salatsaucen wirbelt und zu Fischcurries ebenso gut passt wie zu Fruchtsalaten und Käsekuchen.

 

Damit habe ich schon meine Lieblings-Frühlings-Gewürze genannt. Jedes für sich schon wunderbar, aber miteinander kombiniert – absolut umwerfend!

 

Lassen wir also endgültig das Polarisieren und würzen lustvoll frühlingshaft:

 

Wie wär’s mit einem grünen Salat mit Frühlingszwiebeln und gebratenem grünen Spargel? Dazu eine Vinaigrette mit Lemon Myrtle, Limettenschale, frischer Minze und grünem Pfeffer? Die passt auch auf frische Erdbeeren oder zu warmen jungen Pellkartoffeln. Es könnte auch ein Omelett geben, mit Zuckerschoten, Creme fraiche und dem grünen Würz-Quartett. Auch Gurkenjoghurt und Kräuterquark bekommen damit neue Dimensionen, und selbst Pasta lässt sich eine solche Frühjahrskur verpassen.

 

Und was machen wir, wenn der Mai vorbei ist? Keine Frage: Wir würzen einfach frisch und grün weiter und zaubern Frühlingsgefühle in den Herbst, wenn uns dann gerade danach ist. Zum Beispiel mit einer wunderbar grün und frisch gewürzten Erdbeermarmelade...

 

PS: Wenn Ihr Glück habt, findet Ihr frische grüne Pfefferrispen auf Wochenmärkten oder in Fachgeschäften. Das ist der absolute Pfeffer-Hochgenuss! In Lake eingelegt schmeckt er leider arg nach Essig. Deshalb gut spülen, oder getrockneten grünen indischen Pfeffer nehmen und frisch im Mörser zerstoßen.

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Ananasbelle
Grüne Mauritius?

Tolle Idee, das mit dem Kombinieren. Aber wo kriegt man denn Lemon Myrtle? Und ist das die in der niedlichen Kräuterbriefmarke? Sieht eher aus wie Waldmeister? Minze?

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