AUS SUSANNAS GARTEN: Tomatenträume

He, es ist Frühling! Und wir haben eine Gartengöttin: Susanna Bingemer, die ab jetzt von ihrem Leben und Kochen mit selbstgezogenen Tomaten und mehr berichen wird.

AUS SUSANNAS GARTEN: Tomatenträume
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Susanna Bingemer

Was kümmern mich Schnee und Eis, wenn ich mir die Sonne per Post ins Haus schicken lassen kann? Insgesamt zehn Sorten Tomatensamen, alle natürlich bio, kamen vor drei Wochen an, bestellt bei www.blumenschule.de. Denn ich möchte endlich mal die famose russische Reisetomate ausprobieren, die Zackentomate, die Eiertomate „Britain’s Breakfast“, eine Riesenfleischtomate namens „Gardasee“ und natürlich wieder die kleinen gelben Birnentomaten - mit denen konnte unsere Tochter schon im vergangenen Sommer in der Schule angeben, wenn sie sie aus ihrer Pausenbrotdose zauberte („Boa! Was hast du denn da? Tomaten? Die sind ja gelb. Schmecken die?“). Die Devise heißt auch im Garten wieder: Es lebe die Sortenvielfalt. Und die Tomate ist, so scheint’s, ein Symbol geworden für die Suche nach neuen alten Sorten im Pflanzenreich, ach, für Gärtnerleidenschaft überhaupt!

Auch meine Laufbahn als Balkongärtnerin begann schließlich mit Paradeisern, wie der Österreicher sagt: Schon zu Studenten-Stadtwohnungs-Zeiten gehörte es zur allfrühjährlichen Prozedur, sich mit drei kleine Tomatenstauden ein Paradiesgärtlein in den Blumenkasten am Südfenster zu pflanzen. Und die brachten richtig was ein: viele saftige, rote Tomaten, die meinen damaligen Freund (der Koch und Kochbuchautor Hans Gerlach) und mich zu realen Selbstversorgern statt nur symbolischen Balkongärtnern machten. Wir mussten fast keine geschmacklosen Treibhaus-Tomaten dazukaufen und konnten unsere eigenen Früchte beim täglichen Ritual der Essenzubereitung fest mit einplanen – und wir essen wirklich gerne Tomaten. Die Erfahrungen als Balkongärtner haben Hans und ich dann 2000 in unserem ersten Kochbuch, dem „Balkonkochbuch“ festgehalten – da war Neugärtner Jamie Oliver noch voll auf Großstadt.

Inzwischen sind wir verheiratet, haben eine siebenjährige Tochter und wohnen in einem Haus am Münchner Stadtrand mit – klar, deshalb zieht man ja raus – Garten. Der ist schon deswegen absolut fantastisch, weil er viel mehr Platz bietet als jeder Balkon und weil wir nun einen Direktanschluss an die gute Mutter Erde haben, in der sich Pflanzen einfach wohler fühlen als in Töpfen; die meisten Pflanzen jedenfalls. Unser Beet ist zwar eigentlich schon wieder zu klein, so dass Gemüse neben Kräutern und Blumen wuchert, doch es hat einen unschlagbaren Vorteil für die Tomatenzucht: Südseite, an der Hauswand, da knallt im Sommer die Münchner Sonne hin wie in Sizilien. Dazu ist das Ganze zum Teil überdacht vom äußeren Ende des Hausdaches - Tomaten mögen es nämlich gar nicht, von oben nass zu werden! Also haben wir in den vergangenen vier Jahren unsere Bestrebungen in punkto Tomatenanbau intensiviert.

Früher waren es Jungpflanzen aus dem Gartenhandel, die wir in Blumentöpfe setzten. Jetzt gehört es längst zu unserem sportlichen Ehrgeiz, Tomatensamen selbst auszusäen. Zudem können wir dann noch besser in Sortenvielfalt schwelgen. Schluss mit der faden Einheits-Holland-Tomate aus dem Gewächshaus, her mit den selbst gezogenen aromatischen, fruchtigen, fleischigen Sorten aus aller Herren Länder!

Und deren Samen (siehe oben) stecken bereits bei uns in der Erde, denn auch wenn es eben mal ein bisschen fröstelt, Mitte März ist die ideale Zeit für die Aussaat - in Töpfe, bevor die Pflänzchen dann richtig in die Erde dürfen. Und ich freue mich jetzt schon auf die erste selbst geerntete Tomate irgendwann im Sommer, gewachsen aus einem selbst gesäten Samen einer besonderen Sorte, die es im Laden nicht zu kaufen gibt. Sie wird übernatürlich gut schmecken. Nicht nur, weil sie sonnenreif geerntet und sofort verzehrt werden wird. Ein gewisser ideologisch-psychologischer Aspekt tut sein Übriges - es ist einfach toll, seine Nahrung selbst zu produzieren oder besser gesagt: ihr beim Wachsen zuzusehen.

Das geht übrigens auch im Internet: Es ist bestimmt kein Zufall, dass Amerikas wahrscheinlich ältester Blogger einen Tomatenblog betreibt: Ray White („Dad“), Jahrgang 1913, schreibt in Dad’s Tomato Garden Journal gemütlich über seine Hobbys Tomaten und Birdwatching.
Nur um den Anbau von Tomaten dreht es sich auch bei Henry Steinbocks Tomatl.net aus dem österreichischen Linz eine der Tomatenseiten im Netz, die mir besonders gefällt. Und ich werde Euch in ein paar Wochen erzählen, was aus meinen Ansaaten geworden ist.

AUS SUSANNAS GARTEN: Tomatenträume
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Das ist ja nett!

Hi Susanna! Das freut mich aber, dass Dir mein kleines Tomatl.net gefällt. Drück' Dir die Daumen für die Anzucht Deiner Sorten! Und bin schon gespannt, wie sie sich entwickeln werden.Tomatige Grüße - Henry

Ananasbelle
Paradeiserparadies

Das tut wirklich gut bei dem Schneestrum hier gerade. http://www.stekovics.at/ finde ich auch interessant (konnte man hier nicht mal verlinken?), das ist ein echt Wahnsinniger im Burgenland, da war ich mal zu einem Hoffest - unglaublich, wie viele Sorten der hat und was die alles draus machen.

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