Darf ich bitten? Ein Tango mit der argentinischen Küche

Zu Gast beim Koch von Kurt Cobain, Schlange stehen für den Zuckerschock und das beste Steak der Welt.

Darf ich bitten? Ein Tango mit der argentinischen Küche
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Viola Booth

Neues Jahr, neuer Lesestoff: Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Viola quer durch die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. Mit an Bord: Insider-Tipps und die passenden Adressen für alle Reisehungrigen.

 

März 2010: Am Frankfurter Flughafen hebt eine Boeing 747 ab. Ihr Ziel: Buenos Aires – Argentinien. An Bord: Küchengöttin Viola.

 

Ja, Ihr habt richtig gelesen. Vor genau drei Jahren hatte ich die Nase voll von diesem kalten Winterwetter. Ich tauschte meinen Arbeitsplatz am Computer gegen einen Trip in die große weite Welt und verabschiedete mich kurzerhand in den argentinischen Spätsommer. Nach 14 Stunden Flug empfingen mich am Flughafen zwei bis über beide Ohren strahlende Freunde hinter einem Señora-Booth-Begrüßungsschild. Eigentlich wusste ich gar nicht, was mich in der 12,8 Millionen-Einwohner-Stadt erwarten würde. Nur eins wusste ich nach der Landung ganz sicher: 14 Stunden Ölsardinen-Flug mit eingeschweißter Nahrung hatten mich hungrig gemacht. Meine kulinarische Entdeckungsreise begann also noch in dieser Nacht mit Jetlag im Gepäck.

 

Cumaná – An die Wachsmalstifte, fertig, los!

 

Spätes Abendessen ist für Argentinier ganz normal. Bei ihnen ticken die Uhren einfach anders. Uhrzeiten, bei denen wir schon lange darum bangen, ob der Koch sich noch erbarmen wird, etwas für uns in die Pfanne zu hauen, sind in Südamerika die Hoch-Zeiten. Wer also wie ich am späten Abend ins Cumaná geht, wartet erst einmal eine Weile auf seinen Tisch. Aber die Haupt-Essenszeiten sind nicht der einzige Grund, warum man in diesem Restaurant Schlange steht. Ein Weiterer: Hier gibt es gutes Essen für wenig Geld. Tamales, Carbonada (Eintopf mit Kürbis), Empanadas – typische Gerichte aus der Andenregion im Nordwesten des Landes. In der Zeit, bis das Essen kommt wird der Künstler in einem geweckt. Die Tischdecken im Cumaná sind nämlich bemalbar. Ja, hier dürfen sich Erwachsene mit Wachsmalstiften noch so richtig austoben.

 

Adresse: Cumaná, Rodríguez Peña 1149, Recoleta

 

El supermarcado – Einkaufen im Schneckentempo

 

Schlange steht man in Buenos Aires allerdings nicht nur abends vorm Restaurant. Ernsthaft: Ich kenne kein anderes Land, in dem die Menschen mit so einer Engelsgeduld warten, wie in Argentinien. In Deutschland dauert es höchstens zwei Minuten, bis jemand im Supermarkt schreit „Können Sie bitte die zweite Kasse aufmachen?!“ In Buenos Aires schreit niemand – egal, ob in der Schlange an der Bushaltestelle oder im Supermarkt. Wofür sich das Warten lohnt? Für den Zuckerschock! In argentinischen Supermärkten gibt es nämlich Alfajores zu kaufen – außen Keks, innen Dulce de Leche. Das ist eine Karamellcreme, die aus Kondensmilch und Zucker hergestellt wird. Was den Deutschen der/die/das Nutella, ist den Argentiniern ihr Dulce de Leche.

 

Azema Exotic Bar – The Place to be für ... Nirvana-Fans

 

Wer sich jetzt vorstellt, dass hier der Sound von „Smells Like Teen Spirit“ aus den Boxen dröhnt, den muss ich leider enttäuschen. Mit Nirvana hat dieses Restaurant aber trotzdem etwas gemein – nämlich den Koch. Paul Jean Azema kredenzte schon Musik-Legende Kurt Cobain seine Speisen. Ein echter Insider-Tipp!

 

Adresse: Azema Exotic Bistro, Angel Justiniano Carranza 1875, Palermo

 

La Cabrera – Das beste Steak der Welt oder nur eine halbe Portion?

 

Erzähle ich von meiner Reise nach Argentinien, bekomme ich eigentlich immer die gleiche Frage gestellt: „Ist das Steak dort wirklich so gut?“ Meine Antwort wiederhole ich gerne: „Ja, es ist das beste Steak der Welt!“ Wer es selbst erleben will, geht in Buenos Aires in das La Cabrera. Eine ganz normale Portion besteht hier aus vier Stücken Fleisch und zehn bis zwölf Beilagen und Saucen. Satt wird man also auch, wenn man nur eine, für Argentinien typische, „halbe Portion“ bestellt.

 

Adresse: La Cabrera www.parrillalacabrera.com.ar, Cabrera 5099 und Cabrera 5127, Palermo

 

Choripán – Einmal zum Mitnehmen, bitte!

 

In Deutschland gibt es die Bratwurst, in Amerika die Hot Dogs und was isst man in Argentinien unterwegs? Choripán! Die Wurst (Chorizo) im Brötchen wird an Grillbuden auf den Straßen und in den Parks verkauft. Zugegeben: Ein bisschen Mut gehört für uns Touristen mit den europäischen Mägen schon dazu, wenn man sich für die fettige Wurst mit verschiedenen Saucen entscheidet. Wer sich traut, sollte zu „Mi Parrillon“ an der Costanera Sur in der Nähe von Puerto Madero gehen und sich eine Zwischenmahlzeit lang wie ein echter porteño (Einwohner von Buenos Aires) fühlen.

 

Was ich Euch außerdem noch verraten muss ...

 

  • Milión: Mit seiner riesigen Steintreppe, die schönste Cocktailbar, in der ich jemals einen Drink geschlürft hab. Milión, www.milion.com.ar, Paraná 1048, Recoleta
  • Mark’s Deli & Coffee House: Sandwich- und Smoothie-Stopp während einer Shopping-Tour in Palermo Soho – das Kaffee ist einer der heißesten Hotspots der Stadt. Mark’s Deli & Coffee House, www.markspalermo.com.ar, El Salvador 4701, Palermo
  • Museo Evita Restaurante: Kultur und Kulinarik auf einen Schlag. Erst geht es ins Evita-Museum, dann ins Restaurant zu den besten Medialunas von Buenos Aires (typisch argentinische Hörnchen mit Fett oder Butter zubereitet). Museo Evita Restaurante, www.museoevitaresto.com.ar, J. M. Gutiérrez 3926, Palermo

 

Vorsicht, Suchtgefahr!

 

Wer die argentinische Küche zum Tango auffordert, will niemals mehr einen anderen Tanzpartner. Also: Wem nach meinen Erzählungen der Magen knurrt, sollte sich schleunigst an die Flugbuchung – oder das Nachkochen – machen. Und welche kulinarischen Urlaubsabenteuer werdet Ihr nie vergessen? 

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