DIE KÜCHENGÖTTER-SOMMELIÈRE: Erste Hilfe für Maja

Maja trinkt gerne Wein, ist allerdings noch ein rechter Newbie auf diesem Gebiet. Aber wozu hat man denn eine Sommelière zur Freundin?

DIE KÜCHENGÖTTER-SOMMELIÈRE: Erste Hilfe für Maja
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Kommentare
Hande Leimer

Mein Handy klingelt. Meine Freundin Maja ist dran.

„Du, ich brauche Deinen Rat. Stehe im Supermarkt und möchte einen Wein für heute Abend kaufen.“

„Gut, als erstes: Gehe aus dem Supermarkt raus und in einen Weinladen!“

„Geht nicht, muss noch Max von der Tagesmutter abholen und dann kochen. Anna und Tom kommen heute Abend. Also hab ich keine Zeit, um noch wo anders hinzufahren. Aber die beiden haben immer so leckere Weine, da wollte ich auch…“

Dann kaufen die beiden ihre Weine mit großer Wahrscheinlichkeit nicht im Supermarkt! Aber ich beiß mir auf die Zunge. Maja ist gestresst genug. Wir müssen das Beste aus der Situation machen. „Ok, wenigstens bist Du nicht beim Discounter. Als erstes musst Du bereit sein, pro Flasche mehr als 5 Euro zu zahlen. Beim Winzer kann man noch drunter gute Weine bekommen, aber nicht im Supermarkt, wo sie naturgemäß nur Weine aus einer riesen Maschinerie anbieten. Also die höheren Regale anschauen.“

„Verstehe, also nix mit Schraubverschluss…“

„Du, so kann man das nicht mehr sagen. Es gibt einige Experimente mit Alternativverschlüssen, um die Probleme und die Knappheit des Naturprodukts Korken zu umgehen. Junge und jung zu trinkende Weine, besonders Weiße, die die anderen Qualitätskriterien erfüllen, würde ich ohne Bedenken kaufen. Bei großen Roten muss man noch ein bisserl warten, bis man ein Urteil fällen kann.“

„Was heißt jung?“

„2, maximal 3 Jahre alt, in diesem Fall. Der Jahrgang steht auf dem Etikett. Übrigens, Du musst Etiketten-Lesen lernen.“

„Später. Ich gehe eher nach dem Design. Da, ich sehe einen aus Australien, hat ein schönes Etikett mit einer tollen Zeichnung!“

„NEIN! Das Etikett sagt vieles über den Wein, aber dessen Design rein gar nichts. Du bist doch nicht bei der Frühjahrs-Kollektion Anprobe! Außerdem solltest Du Dich fern halten von den Übersee Weinen.“

„Wieso, ich hab gehört die schmecken lecker, weil sie mehr Sonne als bei uns haben und auch modernere Technik…“

„Erstens bin ich grundsätzlich nicht überzeugt von der Qualität vieler dieser Weine und zweitens sind die wenigen guten, die es bis Europa schaffen, nicht in Deinem Supermarkt zu bekommen.“ In der Weinabteilung von den zwei großen Kaufhäusern in der Stadt gibt es zwar solche, aber ich weiß, dass Maja gerade in dem normalen Supermarkt bei ihr um die Ecke ist.

„Hab verstanden. Aber was nehme ich jetzt zum Essen dazu, höchstwahrscheinlich mache ich Nudeln?“

„Super Essensbegleiter sind Italiener. Einen kräftigen Weißen aus Sizilien oder Sardinien oder einen Roten aus der Toskana könnte man den ganzen Abend trinken. Wenn Du unterschiedliche Weine haben willst, nimm für die Zeit vor dem Essen einen Weißen aus Deutschland oder Österreich. Und wenn ihr noch nach dem Essen sitzen und tiefere Themen erörtern wollt, nimm einen roten Franzosen, z.B. einen aus der nördlichen Rhone.“

„Woher genau die Weine kommen, erkenne ich nicht…“

„Steht auch auf dem Etikett. Fürs erste solltest Du unbedingt bei denen mit kontrolliertem Anbaugebiet bleiben. In Frankreich ist das mit Appellation Contrôlée gekennzeichnet, in Italien such nach DOC oder DOCG, in Deutschland QbA oder Prädikat. In Spanien ist es DO oder DOC und die Österreicher fangen gerade an mit DAC. Und dazu steht immer der Gebietsname!“

„Oje, das hörte sich jetzt an wie ein Fanta Vier Lied! Mit schwirrt der Kopf. Muss noch so viel lernen. Aber eins weiß ich schon: Rotweine bei Raumtemperatur trinken!“

Ich nehme einen tiefen Atemzug. „Maja, nur wenn die Energiekrise euch wirklich getroffen hat und im Esszimmer 16 Grad herrschen! Es gibt nichts Schlimmeres als zu warmer Wein. Tue die Flaschen ruhig vorher noch bisserl auf den Balkon oder sogar kurz in die Kühlschranktür. Die Weißen vertragen auch das Tiefkühlfach, aber später nicht vergessen!“ Ich seufze und denke an das Desaster in meiner Küche vor vielen Jahren. Hey, jeder fängt irgendwo an!

„Das weiß ich noch, war sehr anschaulich!“ Maja kennt mich einfach zu lange. „Jetzt muss ich mal gucken, dass ich noch meine Einkäufe erledige. Vielen Dank für die Tipps! Kommt ihr demnächst auch mal zu uns, hab Dich so vermisst?“

„Ja, gerne, dann reden wir auch mal darüber, wo, wann und wie Du Dir Weine kaufen kannst, um zu Hause einen kleinen Vorrat aufzubauen. Dann bist Du bereit für alles und das ganz ohne last minute Stress!“

Oder habt Ihr auch ein Thema rund um den Rebensaft, zu dem Ihr gerne etwas mehr erfahren würdet?

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Ananasbelle
Service für alle!

Also das wäre doch mal eine Maßnahme, wenn die Küchengötter uns allen eine Weinberatung per Handy spendieren würden. Aber so find ich es auch schon fein, merci, Hande. Was war denn das für ein Desaster? Ich würde gerne mal lesen, wie man sich so einen Grundstock an Weinen anlegt, damit man nicht jedesmal vorm Regal steht und dann sind da doch wieder lauter Einzelflaschen. Weil ich aber mit meinen Leuten nicht durcheinander trinken will, gehe ich dann mehrere Flaschen von einem anderen holen - und habe am Ende noch eine Einzelflasche mehr. Das Problem kennt Maja doch bestimmt auch.

Hande Leimer
Weine kombinieren?

Hallo Ananasbelle, wie man sich einen "Weinkeller" anlegt, wird bestimmt demnächst ein Thema zwischen Maja und mir werden, weil mir auch viel daran liegt. Aber wieso empfindest Du Einzelflaschen als ein Problem? Wenn man mit 4 bis 6 (zur Not auch 7) Leuten trinkt, kann man doch pro Gang einen Wein dazu trinken, so kann man doch Einzelflaschen gut verwerten. Und "unterschiedliche Weine trinken" muss nicht zum "durcheinander trinken" werden, wenn man ein Paar Regeln beherzigt (Vielleicht auch ein Thema für Maja, Wein Reihenfolge beim Essen?). Oder eine Einzelflasche kann auch ein ganzes Essen für 2 begleiten, muss nur gut mit den Gerichten abgestimmt sein. Und was das Desaster angeht: Auch alkoholhaltige Flüssigkeiten wie Wein gefrieren irgendwann. Und auch sie vergrößern sich dabei im Volumen. Und auch die dickste Weinflasche hält irgendwann den Druck nicht mehr aus. Muss ich es wirklich genauer ausmalen ;-) ?

Elisabetta
Qualität kostet Zeit und Geld

Wein verdient es, in Ruhe und nicht in allerletzter Minute ausgesucht zu werden. Das machen wir doch mit den weiteren Zutaten auch so. Über die richtige Temperatur von Rotwein muss ich mit Hande nochmal ein Fachgespräch führen, denn ich finde gerade Rotwein leicht zu kalt serviert - ok, Zimmertemperatur heißt auch nicht 20/21 Grad wie heutzutage, sondern eher 16 Grad wie "früher". Ach ja - es gibt doch das Bonmot "Was hat der Wein im Kühlschrank verloren? - Seinen Geschmack" - kann man das vergessen oder heißt "vorher noch ein bißerl" maximal 20 Minuten? Grüße,

Hande Leimer
Wein Aromen

Hallo Elisabetta, ja richtig, wie alle Lebensmittel sollte man auch bei Wein auf Qualität achten, was seinen Preis hat. Und Du hast auch Recht, den Geschmack von Wein machen ja zum größten Teil die Aromen aus, die wir über die Nase wahrnehmen. Und die setzen sich natürlich besser frei, wenn der Wein nicht zu kalt ist und leicht verdunsten kann. Mit Zimmertemperatur ist tatsächlich 16 Grad gemeint und die hat man heutzutage nicht so oft in Wohnräumen. Deswegen meine Empfehlung, den Wein "kurz" in die Kühlschranktür (da ist es am wenigsten kalt) zu stellen. 20 Minuten ist ein guter Richtwert. Noch besser ist, wenn man ein Wein-Thermometer hat (am Besten sind manschettenartige, die man um die Flasche legt - dann muss man nicht erst die Flasche auf machen) und den Prozess genauer kontrollieren kann!

billiger Wein

Ciao Hande, meine Weinkenntnisse sind ja nicht grad grandios, aber jeden Fusel trink ich auch nicht. Im Supermarkt hab ich schon - für meinen Geschmack - gute ´trockene Weine so um die 2,50 - 3,00 € gefunden. Wozu diese Weine richtig gut taugen, ist Glühwein oder Feuerzangenbowle. Aber auch zum Essen find ich die nicht schlecht. Dagegen ist so manch teurer Wein gar nicht mein Geschmack. Aber darüber lässt sich ja bekanntlich streiten.

aldie
Wein aus dem Supermarkt ?

Hallo Elisabetta! Ich habe den sehr schlauen Artikel über Wein gelesen, hierzu kann ich nur sagen, Wein kann ( ist ) ein abendfüllendes Programm. Jeder Weinspezialist hat eine andere Art und Anschauung. Nach unzähligen Weinseminaren und Weinproben mit den unmöglichsten Erklärungen bin ich für mich zu der Erkenntnis gekommen dass ich den Wein kaufe ( wo ist mir egal ) der mir am besten bekommt und mir am besten schmeckt. Jeder kann das halten wie er will, es gibt keine , allen gerecht werdende Lösung. Zu dem Weinkauf im Supermarkt darf ich jedoch folgendes sagen, es gibt auch im Supermarkt oft wohlschmeckende, gute Weine, von kleinen Winzern, man muss nur lesen können und Zeit haben. Ein Beispiel: Wir sind in Portugal in einem Supermarkt zum Weinkauf gewesen und haben dort den genau gleichen Portwein gefunden wie in der Portweinkellerei ( in Porto ) und haben 2/3 weniger bezahlt als im Herstellungsbereich. Das Gleiche haben wir in Ungarn mit dem berühmten Wein mit der Krone und den 3 Sternen erlebt ( nicht der Franzose ) man darf nur nicht dort kaufen und suchen wo die Touristenströme entlang schwimmen. Im Ausland ( auch im Deutschen ) kauft man am Besten, wenn man dahin geht, wo die Einheimischen sich versorgen, aber ist nehme an dass hat sich inzwischen herumgesprochen hat.

Hande Leimer
Wein der mir schmeckt

Hallo Aldie, ich nehme an, dass nicht Elisabetta sondern ich gemeint bin (?). Du hast völlig recht, das ist auch, was ich "predige": jeder soll den Wein trinken, der einem schmeckt. Allerdings hilft es meist, bisserl in die Hand genommen zu werden, besonders am Anfang, damit man überhaupt eine breitere Palette von Weinen probiert um dann dazwischen zu entscheiden. Und sicherlich sind Geschmäcker unterschiedlich, aber man kann (und sollte) auf jeden Fall lernen zwischen gut und schlecht zu unterscheiden. Was Supermarkt Einkäufe angeht: In Deutschen Supermärkten ist es sehr schwierig bis unmöglich kleine Winzer zu finden, allein wegen der Supermarkt/Handelssystem. Im lokal operierenden Supermärkten im Ausland (wie in Deinem Portugal Beispiel) kann man auch oft den lokalen Wein tatsächlich günstiger bekommen als beim Winzer, weil sie natürlich Mengen- und Handelsrabatte bekommen, die sie auch manchmal an den Konsumenten weitergeben. Und tatsächlich kauft man am Besten dort ein, wo nicht die Touristen durchgeschleust werden sondern wo die Einheimischen einkaufen (was sie sehr oft direkt beim Winzer tun).

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