Die Riesenzitrone der Gundelinde

Auf den ersten Blick eine zitronengelbe Melone, auf den zweiten die wohl größte Zitrusfrucht ihrer Art: die Riesenzitrone zum Löffeln - neulich entdeckt beim Gemüsemann.

Die Riesenzitrone der Gundelinde
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Maike Damm

In meiner Straße gibt es einen kleinen Laden. "Gundelinde" steht in geschwungenen Lettern am Fester, eine grün-weiß Markise spendet den Früchten in der Auslage Schatten. Oft komme ich hier vorbei und bestaune, was unsere Nachbarn früh morgens frisch aus der Großmarkthalle mitgebracht haben.

 

Die Riesenzitrone im Schlaraffenland

 

An Obst und Gemüse finde ich hier garantiert immer, was gerade Saison hat. Im Moment reiht sich eine hübsche Spargelstange an die andere, rosafarbener Rhabarber bringt Farbe ins Spiel und frische Salbeitöpfchen säumen das Ensemble. Drinnen - im hübschen Ladenlokal mit Tante-Emma-Tresen - gibt's zudem immer ein paar Brote (Das mit Karotte und Mandel ist mein Favorit!), frische Pasta vom Lieblingsitaliener der Inhaber, Serrano-Schinken, den der Chef höchstpersönlich in hauchdünnen Scheiben vom Stück schneidet, ein oder zwei selbstgebackene Kuchen (Schoko-Nuss, ein Traum!) von "Frau Gundelinde" und jede Menge anderer Leckereien.

 

Jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Bei meinem letzten Beutezug sprang mir eine gelbe Riesenfrucht ins Auge. Auf den ersten Blick eine zitronengelbe Melone, bei genauerer Betrachtung eine Melone mit knubbeliger Zitronenhaut und nach ausgiebigem Betasten und schlussendlich heimlichem Anheben eine recht leichte, aber optisch opulente, runde Frucht vom Ausmaß einer Honigmelone. "Das ist eine Riesenzitrone. Super aromatisch, kann man einfach so Löffeln!", rief mir Philipp, mein Nachbar und Chef der Gundelinde, begeistert zu.

 

Vitamin- und Aromabombe von der Amalfi-Küste

 

Eine Zitrone, so aromatisch und mild, dass sie einfach so gelöffelt werden kann? Das musste ich probieren, die Riesenzitrone wanderte unverzüglich in den Einkaufskorb und ich schleppte meine Beute gespannt nach Hause. Ohne ein klein wenig Recherche im Vorfeld wollte ich aber dann doch nicht einfach hineinschneiden, in die mysteriöse Riesenfrucht:

 

Ihren Ursprung hat die Riesenzitrone wohl an der Amalfi-Küste in Italien. Dort wird sie seit Urzeiten angebaut, auf eigens angelegten Terrassen zwischen Bergen und Meer. Innerhalb eines halben Jahres wächst die sogenannte Amalfi-Zitrone auf die Größe einer Melone heran und ist damit die größte ihrer Art. Umso besser, dass sie meist im Ganzen verarbeitet wird, so zum Beispiel für italienische Süßspeisen.

 

Zitrone pur - einfach mal löffeln...

 

Beim Aufschneiden meiner Riesenfrucht traf ich auf jede Menge weißes Fruchtfleisch. Ich löffelte drauf los und griff dann doch zu etwas Zucker, um mir den zwar deutlich milderen, weniger bitteren, aber eben doch zitronig-sauren Geschmack etwas zu versüßen. Sehr erfrischend, das Ganze. Und vielleicht ja hin und wieder eine fruchtige Alternative zur Frühstücks-Grapefruit im Sommer, wer weiß?!

 

Dennoch interessiert mich, wie man aus dieser erstaunlichen Frucht ein Dessert zaubert. Liebe Küchengötter, ich habe hier in unserem riesigen Rezeptpool leider keines gefunden. Habt Ihr eine Idee?

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Aphrodite
Und ich dachte schon,...

jetzt kommt eine Geschichte von König Artus oder Prinz Eisenherz. Es geht um Amalfi-Zitronen. Noch nie gehört, noch nie gesehen. Und ein Rezept? Jamie Oliver soll eins in seinem Kochbuch "Italian" (?) haben. Nun, da ich jetzt nicht so ein großer, eher ein sporadischer J.O.-Fan bin, hier eine Adaption des Rezepts, das ich nun wieder unter all den Look-a-likes am schönesten fand. Tja, liebe Maike, und dann sehnt sich natürlich jede Zitronentarte nach Amalfi-Zitronen. Wenn mir jetzt noch einfiele, wie die letzte Torte hieß, die ich zu Ostern gebacken habe. So etwas von zitronig-extra fein...

Aphrodite
Torta Caprese.

Das Rezept hatte Belle eingestellt. Nur mittlerweile hat sie über hundert. Ich finde: Nicht nur die Schale, auch der Saft bringt den Geschmack. Die gebackenen Zitronen werde ich auf jeden Fall einmal ausprobieren - mit oder ohne Riesenzitrone.

Toskanafan
Amalfi-Hähnchen,,, kein Dessert,,,

 es wird mit Amalfi.-Zitronen, und Kräutern gefüllt. Zitronen in Spalten schneiden. Das Hähnchen mit Knoblauch, Zitronenspalten,, Rosmarin und Thymian füllen.Unter die Haut,  kommt zusätzlich reichlich Kräuterbutter. Für die Zitronenbutter die Blätter von Estragonzweigen, Basilikum, Liebstöckel, Kerbel und Petersilie abzupfen und fein schneiden. Die Kräuter mit gehackten Oliven, Butter, Geflügelbrühe,  etwas Zitronensaftmischen. Mit Zitronen Fleur de Sel abschmecken. Die Butter vorsichtig unter die Haut von Brust und Keulen schieben.Und ab in den Ofen. Zwischendurch mit Bratensaft nappieren. Das Ergebnis ist ein wunderbares mediterranes Hähnchen von Feinsten. Eine Freundin war mal an der Amalfiküste und schwärmte von dem wunderbaren Duft dieser Zitronen,,, evtl,  schaffe ich es auch mal dahin,,,,.. Ja, die Amalfiküste, das wärs mal,,, .

Delizie al limone

Wenn die Zitrone so toll ist, ist sie ja vielleicht den Aufwand für "delizie al limone" wert? Das ist ein wirklich tolles, aber unglaublich arbeitsaufwändiges Dessert aus Sorrent - ich habs dort gegessen und auch schon zu Hause gemacht. Viel Arbeit, aber das Ergebnis war's wert, und die Gäste waren hin und weg. Ich mache es nach dem Rezept unter dem link http://www.penisola.it/sorrento/delizie-limone.php dort zwar nur auf italienisch, aber sogar ich mit meinen praktisch nicht vorhandenen Italienischkenntnissen konnte es mir zusammenreimen, und es hat funktioniert. Im Web findet man auch andere Rezepte, aber dieses hat genau so geschmeckt wie in Italien.

Aphrodite
Das ist so etwas wie eine Zitronenrolle?

@Bilby, da wäre ich doch glatt dabei. Doch wie bekommt man die "Hügelchen" hin? Stelle ich mir jetzt nicht einfach vor mit der Füllung und dem ganzen Drumherum.

Rinquinquin
Das sind einzelne Törtchen,

die hier wie Hügelchen (Arbeitsschrit 1) aussehen und das Ganze ist wirklich unglaublich aufwendig. Dass das am Ende fantastisch schmeckt, kann ich mir gut vorstellen. Nur geeignet für Grossfamilien.

Delizie al limone
Die Riesenzitrone der Gundelinde  

@ Aphrodite: Entschuldigung für die verspätete Antwort, war einige Tage weg. Also, Rinquinquin hat recht; es sind einzelne Törtchen. Man bekommt diese kleinen, halbkugelförmigen Förmchen zu kaufen, aus Metall und auch aus Silikon, sehen so ähnlich aus wie Muffinbleche. Zur Not, würde ich meinen, geht auch ein Muffinblech - die etwas andere Optik ändert ja nichts am Geschmack. Dass es sehr arbeitsintensiv ist, lässt sich nicht bestreiten, das mit der Großfamilie - naja, erfahrungsgemäß schreien die Gäste nach Zweit- und Drittportionen...

praktischer Tipp: die Törtchen gehen in der Mitte etwas mehr auf als am Rand. Diese Erhöhung so abschneiden, dass eine plane Fläche entsteht. Dann jedes Törtchen mit einem Kugelausstecher aushöhlen, füllen, den Deckel wieder aufsetzen und verkehrt rum in eine flache Form setzen. Dann mit dem Zitronensirup tränken und weiter wie im Rezept. Viel Glück allen, die sich drübertrauen!

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