Eis, Eis!!!

Warum sich eigentlich nur auf die Kreativität anderer verlassen, wenn man doch auch in der eigenen Küche die ausgefallensten Eiscremes und Sorbets kreieren kann?

Eis, Eis!!!
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Kommentare
Nicole Stich

Als ich klein war gab es zwei Zauberworte für mich und die Nachbarskinder: Frau Kräckl! Frau Kräckl bewohnte ein kleines und unscheinbares Hexenhäuschen, eines an dem man, wollte man zur Schule oder ins Dorf, unweigerlich vorbeikam. Das Reizvolle an dieser schweigsamen alten Dame zeigte sich allerdings erst, wenn die Tage länger wurden und unser Schuldirektor von Klassenzimmer zu Klassenzimmer ging um die erlösenden Worte Hitzefrei! zu verkünden. Schnell wurden Nachmittagsverabredungen fürs Schwimmbad getroffen bevor wir uns auf den Heimweg machten - der Zwischenstop bei Frau Kräckl war obligatorisch. Kleinere Gruppen von Schülern drängten sich bereits um die bunte Eistafel neben ihrer Haustür, bevor man endlich selbst an die Reihe kam, sein Eis auszuwählen. Dazu folgte man ihr in die Küche, in der ein ebenfalls schweigsamer und meist sehr grimmig dreinschauender Herr Kräckl gerade über seinem Mittagessen saß. Und man selbst vor so schwerwiegenden Entscheidungen stand wie Brauner Bär oder Himbi spezial, Samoa oder doch lieber ein Dolomiti? An manchen Tagen durfte man sogar selbst in die große Eistruhe greifen und das begehrte Lutschobjekt aus der grauen Pappschachtel fischen. Flugs ausgewickelt gab es für jede Sorte die beste Ess- und Schlecktechnik, wichtig war nur, dass das Eis bis zur eigenen Haustür bereits vollständig vertilgt war und die Eltern nichts von der verbotenen Nascherei vor dem Mittagessen merkten...


Leider war Frau Kräckl nicht mehr die Allerjüngste und hatte immer öfter geschlossen, so dass wir uns notgedrungen nach einer weiteren Eis-Quelle umsehen mussten. Der kleine Dorfkiosk neben der Kirche hatte den Trend der Zeit erkannt: Wassereis in quietschbunten Farben, das nicht nur wunderbar künstlich schmeckte, sondern auch die Zunge in abenteuerlichsten Schattierungen färbte. Es machte soviel Spaß diese Eisstangen abzuknabbern und den verbliebenen pappsüßen Saft aus der Folie zu saugen, dass es fast gar nichts ausmachte, wenn man sich dabei schon mal die Mundwinkel aufriß.


Anspruchsvoller wurde meine Eisvorliebe erst durch die in Italien verbrachten Ferien. Nicht nur, dass es an jeder Ecke Eisdielen mit einer schier unglaublichen Auswahl an verlockenden Sorten gab, die Art wie die Jungs hinter der Theke diese mit Spateln zu atemberaubenden Höhen auftürmten, versetzte mich regelmäßig ins Staunen.

Rückblickend kann ich immer noch jeder dieser Eisvorlieben etwas abgewinnen, nur leider haben die großen Eishersteller meine Lieblingssorten von damals schon längst aus dem Programm genommen. Und die wenigen, die es noch oder wieder gibt, die wollen einfach nicht mehr so schmecken wie früher. Aber vielleicht spielt mir die Nostalgie ja nur einen Streich?


Jedenfalls kann ich bis heute nicht an einer Eisdiele vorbeigehen ohne die kleinen Schildchen mit den Sortennamen zu scannen – gibt es vielleicht eine Sorte, die mir neu ist, die ich noch nie probiert habe? Aber warum sich eigentlich nur auf die Kreativität anderer verlassen, wenn man auch zuhause ausgefallene Eiscremes und Sorbets kreieren kann? Und geht das überhaupt, Eis zuhause herzustellen, das der Qualität einer guten Eisdiele in nichts nachsteht?


Die gute Nachricht zuerst, ja, es geht. Allerdings benötigt man dazu entweder eine Eismaschine oder aber eine ordentliche Portion Geduld gepaart mit etwas Muskelschmalz.

Variante eins ist natürlich die Bequemere, eine Maschine, die eine vorbereitete Grundmasse nicht selten innerhalb einer halben Stunde durch kontinuierliches Rühren in wunderbar cremiges Eis verwandelt. Je nach Geldbeutel kann dies eine Maschine mit Kompressor (größer – lauter – relativ teuer – allzeit bereit) oder eine mit separat zu kühlendem Gefrierelement sein (kleiner – leiser – preisgünstig – Vorkühlen erforderlich). Das Angebot ist groß und es gibt für jeden Geschmack und Geldbeutel eine Lösung. Ich selbst bin von einer Philips mit separatem Kühlelement nach langem Zögern auf eine Gaggia mit Kompressor umgestiegen und habe die doch recht üppigen Anschaffungskosten nie bereut.


Aber auch ohne Eismaschine läßt sich selbstgemachtes Eis genießen. Wichtig ist lediglich, dass man die gefrierende Masse regelmäßig durchrührt, etwa mit einer Gabel, einem Schneebessen oder – am effektivsten – mit einem Pürierstab oder Blender. So werden die entstehenden größeren Eiskristalle, die einer zartschmelzenden Cremigkeit abträglich sind, wieder zerkleinert.


Eine kleine Einschränkung bei selbstgemachtem Eis gibt es allerdings: Es schmeckt immer am besten frisch zubereitet. Da ihm industrielle Zusätze fehlen und die meisten Eismaschinen für den Hausgebrauch nicht genügend Luft einarbeiten können, wird selbstgemachtes Eis durch die Aufbewahrung in der Kühltruhe meist schon nach wenigen Stunden steinhart und schwer portionierbar. Also ein gutes Alibi um auch den letzten Löffel gleich zu genießen!


Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, der findet hier bestimmt das richtige Rezept. Wie wär’s zum Beispiel mal mit Blitz-Eis für besonders Ungeduldige? Es darf etwas ausgefallener sein? Schon mal meine aktuelle Lieblingssorte ausprobiert - Pumpernickel-Eiscreme?

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Cacao
Wo ist Frau Kräckel?

Hilfe, ich brauch sofort ein Eis! Leider habe ich keine Frau Kräckel ums Eck und eine Eismaschine hab ich auch nicht, aber ich versuch's mit dem Pürierstab! Danke für den Tipp!

Ananasbelle
…baby!!!

um die Überschrift zu Ende zu führen, aber auch so, denn das Pumpernickeleis ist ja die Wucht in Waffeltüten (haha), erinnert mich an eine Sorte, die ich mal mit  diesen dunklen Oreo-Keksen aus Amerika hatte. Und dieser easy-butterkrokant, jetzt brauch in nur noch so ne Eisschleuder. Schön, wieder was von Dir zu lesen.

 

P.S.: Unser Frau Kräckel hieß Salvatore von der Eisdiele Dolomiti, und ich war ganz geschockt, als ich den als Kind mal im Kaufhaus getroffen habe - ich dachte, der lebt hinter der Eistheke.

Resi Schmelz
Mein Lieblings-Eis-Beitrag

Darf man? Ich weiß nicht, aber ich muss:http://www.youtube.com/watch?v=j_ntb29ndI8

Nicole Stich
Cookies & Cream

@Ananasbelle: Das Oreo-Eis von HD ist auch nach wie vor eines meiner Lieblingssorten, aber selbst das lässt sich in der heimischen Küche nachmachen. Empfehlen kann ich zum Beispiel Ulrikes Rezept.

 

@Resi Schmelz: Merci für den Link, DEN kannte ich tatsächlich noch nicht! Die beiden sind einfach genial ("Eislutschger on Demand")...

Resi Schmelz
Eislutschger on demand

Ich freue mich, dass sich jemand mit amüsiert. Es ist wirklich so genial und nebenbei ein außergewöhnlicher Wortfundus. ?Albicocca?

Frau Kräckel

hieß bei uns damals Frau Radke. Da war im vorderen Bereich ihres kleinen Holzhauses mit den grün gestrichenen Fensterläder ein noch kleinerer Verkaufsraum, in dem es das heißbegehrte "Jopa-Eis" gab.

Im Sommer bekamen wir Kinder jeden Tag ein "Zehnerl" Eisgeld, das wir dann vier Tage eisern sparten und voller Stolz zu Frau Radke trugen, um für 40 Pfennig ein Vanille-Eis zu kaufen. Wenn Mama ganz gut drauf war, hat sie uns noch ein "Zehnerl" draufgelegt und dafür schwebten wir dann in unserem "Eishimmel" - einem Waffeleis mit Erdbeersoße!!! Damals kam auch das "Wassereis" in Mode. Mama hat  fürchterlich geschimpft, wenn sie uns mit einem "Capri" erwischte.

Frau Radke hatte auch noch die Dauerlutscher für einen Pfennig und sooo leckere Gummischlangen aus einem großen Topf für fünf Pfennig und morgens auf dem Schulweg, durften wir uns manchmal eine Breze für die große Pause kaufen. Frau Radke hat uns immer einen Dauerlutscher mit in die Tüte rutschen lassen - ganz heimlich natürlich! Schön war das.

 

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