Essen hübsch gemacht

Warum schwimmen Erbsen an der Suppenoberfläche und wie hält sich Milchschaum über Stunden? Ein Foodstylist verrät uns seine Tricks.

Essen hübsch gemacht
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Maike Damm

Was ich koche, wird fotografiert. Im Topf, in der Schüssel, auf dem Teller. Meist bin ich stolz, was ich da wieder gezaubert habe. Und doch unterscheidet sich das Gericht, der Kuchen oder das Getränk deutlich von dem Rezeptbild, das mich im Kochbuch oder hier bei den Küchengöttern zum Nachmachen animiert hat.

 

Klar, es gibt so Tricks, die sind bekannt. Schlappe Kräuter erfrischen im kalten Wasserbad, Gemüse knallt farblich kurz gegart und Sauce macht sich optisch besser als Spiegel. Dann kann man Karotte & Co stifteln statt in Scheiben schneiden, grundsätzlich Zutaten und Beilagen eher drapieren als wild vermengen und oben drauf auch noch garnieren. Und doch kommt optisch irgendwie was anderes raus. Woran liegt das?

 

Foodstyling - große Tricks und kleine Sünden

 

Wir haben Daniel Petri getroffen. Ein gelernter Koch und wahrer Künstler, wenn es darum geht, Lebensmittel und Gerichte hübsch aussehen zu lassen. Wird er für eine Fotoproduktion engagiert, erglänzen Erbsen auf der längst erkalteten Gemüsesuppe. Die Milchschaumkrone auf dem Latte Macchiato hält für Stunden. Und ein abgestandener Cocktail wirkt wie frisch gemixt und eisgekühlt. Aber wie macht er das? Und kann ich das auch?

 

Unser Foodstylist gewährt uns einen Einblick in seinen Zauberkoffer. Unzählige Tuben und Tiegel, Bürstchen und Döschen, allgemein übliche Haushaltswaren wie Kosmektikutensilien stecken dicht an dicht in den kleinen wie großen Fächern. Zahnstocher finden sich zum Beispiel darin - seine unsichtbaren Helferlein, wenn Erbsen fürs Profifoto an der Suppenoberfläche schwimmen sollen. Unten im Teller lässt er dann eine Grießmixtur ein, die mit Erkalten fest wird. Schwappt die Suppe erst einmal darüber, lassen sich die Erbsen auf Zahnstochern ganz einfach hinein piksen und niemand würde unter der Oberfläche die zugrunde liegende Befestigungskonstruktion vermuten. Zu guter Letzt erhalten Daniel Petris Erbsen dann noch dauerhaften Glanz. Mit Wattestäbchen betupft er sie vorsichtig mit Glycerin.

 

Geheime Tüfteleien mit Schaum und Schnee

 

Viele seiner Tricks hat Daniel Petri von den wenigen Foodstylisten gelernt, die hierzulande tätig sind. Und doch vergeht kein Tag, an dem er nicht an einer eigenen Rezeptur arbeitet. Die Milchschaumkrone auf dem Latte Macchiato zählt da zu seiner Königsdisziplin. In der Szene ist er für den perfekten Kunstschaum bekannt, keiner kriegt ihn dauerhaft so hin wie er. Dabei verwendet er nichts weiter als Rasierschaum und frisch aufgebrühtes Wasser. Doch wieviel er wovon verwendet, das perfekte Mischverhältnis, seine Rührtechnik und die Marke des Rasierschaums, dies alles bleibt sein Geheimnis...

 

Wie auch immer hält Daniel Petris Latte Macchiato mitsamt seiner hübschen Schaumkrone mindestens drei Stunden lang. Aber warum eigentlich das ganze Spektakel, dieser Aufwand? Trinken kann und will man den Kaffee nun nicht und auch die Erbsensuppe lockt nicht wirklich. Im Endeffekt zaubert ein Foodstylist nur für seinen Fotografen. Und der ist glücklich, denn er hat dank Styling das perfekte Motiv. Und noch dazu alle Zeit der Welt - zum Belichten, Einstellen und Fotografieren. Kein Wunder also, dass in Kochbüchern, Hochglanzmagazinen und in der Werbung alles sitzt und glänzt. Wobei der Trend auch hier hin zu mehr Natürlichkeit geht. "Das neue Foodstyling" nennt unser Sebastian das und erklärte kürzlich beim Blitzkochen fürs Fernsehen: "Da darf auch mal was daneben fallen."

 

Das perfekte Foodfoto

 

Bei der aufwändigen Fotoproduktion für ein Kochbuch von TEUBNER sieht man, wie sehr sich selbst Profis anstrengen müssen, um Zutaten, Gerichte und Getränke ins rechte Licht zu setzen. Das Auge isst mit, das stimmt schon irgendwie. Und doch bin ich froh, dass wir hier bei den Küchengöttern einfach kochen, essen und genießen dürfen. Wenn nebenbei ein hübsches Foto heraus springt für die Community, dann ist das eine schöne Sache. Aber längst kein Muss.

 

Wo wir aber schon mal dabei waren, hab ich dann doch noch einen Tipp vom Profifotografen eingeholt: Aufhellen ist seiner Meinung nach die Devise. Und das geht auch ohne Profiausrüstung ganz leicht, indem man eine weiße Serviette neben den Teller hält. Und zwar so, dass der Betrachter sie gar nicht erst sieht. Sie reflektiert das Licht und alles wirkt gleich viel heller, die Farben kommen besser raus. Ausprobieren lohnt sich! Außerdem rät er, wenn möglich immer mit hartem Licht zu arbeiten. Das heißt schlichtweg, die Esstisch- oder Küchenlampe richtig drauf zu halten. Und dann ganz schnell, denn sonst wird's kalt: Einen guten Appetit!

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