Foodtrends 2014 - wer versucht, der findet

Essen bleibt unübersichtlich - zum Leid der Marktforscher, zur Freude der nach dem Guten forschenden Foodies. Denn wir essen auch in Zukunft am liebsten verschieden.

Foodtrends 2014 - wer versucht, der findet
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küchengötter Redaktion

Das ist schon lustig: Immer wenn wir uns hier wie jedes Jahr zum Thema Foodtrends zusammensetzen, werden wir erst einmal ernst. Weil uns erst einmal viel Unsinn aus dem letzten Jahr einfällt, der droht, in Zukunft zum Mainstream zu werden. Wobei wir natürlich auch wissen, dass das wie bei manchen Hits ist - beim ersten Hören fanden wir sie toll, beim zehnten Mal nur noch oll. Und die Kopien sowieso. Siehe Molekular- und Extremregionalküche, Cupcakes und Kuchenlollies, Bubble Tea Bars und Essen im Bett. War da was?


Ne, nicht so richtig, und das macht uns auch wieder froh. Denn wir Gäste, Kunden, Leser haben dann wohl doch einen ganz ordentlichen Geschmack und ein gutes Näschen für das, dass was taugt und bleiben darf. Ok, die Tütenessenregale in den Supermärkten werden immer länger und Schuhbeck sieht man dort und anderswo noch öfter als jemals für möglich gehalten - aber so lange es noch eine Gemüseabteilung im Laden gibt, geben wir die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen das Kochen und Essen noch genießen wollen.


Wobei wir uns dort derzeit ein bisschen unsicher fühlen. Ist die fesche Dame neben uns, die gerade das Kirschtomatenkistchen in die Hand nimmt, nun Bio-Flexitarierin, Ovo-Lakto-Vegetarierin oder nimmt sie nur an einer “Vegan Challenge” teil? Dass sie sich einfach einen Salat machen will, glauben wir nicht, denn sie sucht das Tomatenkistchen gerade nach einer Zutatenliste ab. Und zwar mit dem Smartphone.


Selfoptimising ist die neue Selbstverwirklichung - vor allem übers Essen


Wir könnten sie ja mal ansprechen, Hilfe anbieten oder einfach nur gemeinsam über diese komplizierte Welt lachen. Aber die Erfahrung lehrt, dass daraus ganz schnell ein Lehrstück am Kräuterstand werden kann, bei dem einem das ganze Leben im Sonnensystem erklärt wird. Und die Sonne, um die sich alles dreht, ist dabei stets die oder der Erklärende. Selfoptimising ist die neue Selbstverwirklichung, und weil die natürliche Erdung da ganz wichtig ist, läuft dabei immer mehr übers Essen - denn viel näher als am Erdäpfelsack kommen wir modernen Kämpfer der Natur kaum noch. Ok, vielleicht noch im Personal Outdoor Gym, aber das ist eine andere Trend-Abteilung.


Klar, Essen und Bewegung, sind erstklassige Mittel dafür, dass es einem gut geht und man sich gut fühlt. Und wenn wir zusammen sitzen, können wir uns wirklich lange über ein gutes Rezept, einen neuen Schokoriegel oder einen aufregenden Koch unterhalten. Aber halt auch über die Kinder, das Kino und die Koalition ohne dass dabei auch nur ein Krümel zum Thema wird.


Wohlwissend, dass wir uns da auf rohe Eier begeben, wollen wir es mal so sagen: Wenn ich mir Glück, Identität und Anerkennung vor allem übers Essen besorgen will, wird das eher nicht gehen - so wie es auch alleine mit Arbeit oder Liebe, dem Sport oder der Wohungseinrichtung nicht klappen wird. Wenn aber schon so ein kleines beglückendes Herdfeuerchen in uns brennt, dann kann das alles es durchaus nähren.


Finde Dein eigenes Bäh! und Mmmmh...


Und dieses Feuerchen ist eigentlich gar nicht so schwer zu finden, nicht selten auch ohne Achtsamkeitsrituale oder Allergietests. Unsere Methode ist da eher ein Sympathietest nach dem Motto “Trial and success” oder auf Deutsch: “Wer versucht, der findet”. Und so werden wir auch in diesem Jahr erst einmal neugierig an allem schnuppern, was uns auf den Tisch kommt und auch mal davon kosten, um uns dann unser eigenes BÄH! (Green Smoothies) oder Mmmmh… (Peanut Butter Cup Ice Cream) zu bilden.


Klar, dass wir damit auch eher auf Abwechslung und Wagemut als auf Monotonie und Alltag stehen. Und uns schon freuen würden, wenn in einer Stadt wie München auf jeden zwanzigsten Thailänder oder Italiener auch mal ein Indonesier oder ein Piemonteser kommen würde. Muss ja erst einmal nix Großes sein, ein javanesischer Coffee Shop, ein japanischer Ramen-Stand oder eine kampanische Fritoli-Bar wären schon was - da setzen wir einfach mal auf den Trend zum International-Regionalen.


Und sind gespannt, wie sich auf der anderen Seite die Burger-Monokultur lichten wird. In unserer Stadt war einmal ein Lokal, das hieß “Hans im Glück”, war voller Birkenstämme und auch sonst lustiger Wesen und es gab vor allem ganz großartige Burger (je nach Vorliebe könnt Ihr auch Pizza oder Eiskrem einsetzen) und ja, Glück. Wohlbekanntes wohlgemacht in ganz neuer Umgebung, das kam gut an, und plötzlich schossen die Special Burger Joints wie Pilze aus dem Märchenwaldboden, und vor allem unser “Hans” schlug Wurzeln in vielen Teilen der Stadt; sogar am Rand des Oktoberfest - da hat selbst der Schuhbeck noch keinen eigenen Stand. Also obacht Alfons, halt Dein Platzl zsamm.


Wann kommt die De-Luxe-Bratwurst? Und zwar homemade?


Wir untreue Tomaten sitzen derweil schon wieder woanders und fragen uns, was wohl als nächstes hochspezialisiert wird. Filterkaffee und Eisdiele waren schon dran, Katzencafe (hach..) und Cronut (urghs!) werden sich wohl nicht durchsetzen. Aber was ist eigentlich mit Wurst und so? In Übersee sind deutsche Metzger die Kings hinter Fleischtheke und Bratwurststand, die Currywurst-Veredlung hat es vorgemacht und wie die Italiener und Spanier ihre Schinken feingemacht haben, das könnten wir doch auch. Zeit wird’s also für De-Luxe-Bratwürste und luftgetrocknete Stadtsalami.


Und wer weiß, vielleicht wird das ja sogar ein Homemade Trend. So wie das Brotbacken, das im letzten Jahr so richtig aufging und immer noch weiter treibt. Da werden vor allem im Internet Rezepte ausgetauscht wie früher in den Spinnstuben und an den Backhäusern, zwei bewährte Orte von heute dafür sind Chili und Ciabatta und der Plötzblog, der die riesige Fangemeinde des Brotbackens nun auch mit einem Buch beglückt hat.


Essen trennt nicht, es verbindet


Tja, das Essen bleibt weiter verschieden, was uns nur freut und die Marktforscher zum Rasen bringt, bis hin zu leeren Flüchen wie “Die Küche als Social Hub”, was ja auch nichts anderes ist als “Alle Partys enden in der Küche”. In diesem Sinne, liebe Küchengöttinnen und -götter, wir wünsche Euch ein gutes Jahr voller Freude und Genuss, dann klappt das auch mit der Gesundheit. Versucht und findet und denkt immer dran: Essen trennt nicht, es verbindet. Und deswegen ruhig auch mal daran denken, dass ganz viele von uns Menschen bei “Essen” immer noch nur an eins denken: “Wo krieg ich bloß das nächste her?” Also achtsam sein - vor allem auf die anderen.


Wobei… Unsere Lieblingsveganerin hat mal zu uns gesagt: “Darüber wie ich esse, reden immer nur die anderen. Dabei möchte ich es einfach nur in Ruhe genießen.” Tja, es bleibt eben verschieden. Und was wollt Ihr in diesem Jahr alles versuchen?

Aphrodite
So schön wie Achterbahn fahren.

Wie verdreht doch Gedanken an das Essen sein können. Und wie Eingleisig alles schnell wird. Mein Bäh..! und Mmmh! für dieses Jahr kenne ich noch nicht. Und es wird wohl wichtiger werden, Lebensmittel in ganzen Teilen zu kaufen. Ganze Tomanten, ganze Äpfel. Wer weiß sonst, was da sonst noch alles mit drin ist. Hähnchenbrüste ohne Wasser-Implantate. Ich gehe meilenweit für meine Brötchen und hoffe, dass sich viel Wildwuchs und Geschäftemacherei wieder zurückdreht und entspannt. Das für die Sparte "Wünsch Dir was".

 

Der Artikel ist wie immer lesenswert und amüsant geschrieben.

lundi
Meine Güte und sehr lustig

Was sind denn nun die Trends 2014? Veganer fachsimpeln über Bratwurst?

 

Vielleicht sollten wir nicht so viel schwatzen, nicht allem einen Namen und eine Erklärung anhängen, die pseudowissenschaftliche Sachlichkeit ein Stück weit ignorieren und diese einfach durch Mmmmh und Bähh ersetzen. Das klingt nicht so wichtig und wird von jedermann verstanden. Und es enthält eine recht eindeutige Bewertung, um die wir uns gern mal drücken. Vielleicht, weil wir nicht wissen, ob uns was gefällt und erst einmal den Trend abwarten wollen. Lasst uns kochen, essen und unser Vergnügen dabei kundtun, reden wir Tacheles.

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