FOODTRENDS 2015 - Vom Suchen und Finden

Immer Trendscout sein ist kein Spaß, finden unsere Schnupperküchengötter Nicole Stich und Sebastian, aber einmal im Jahr - passt! Diesmal im Trend-Dialog.

FOODTRENDS 2015 - Vom Suchen und Finden
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küchengötter Redaktion

Normalerweise machen wir das hier so: Nicole Stich sammelt am Ende des Jahres all die interessanten Stichworte, Ideen und Links zum Thema “Was ist passiert und was wird passieren in der Welt des Kaufens, Kochens und Essens”, die ihr beim ständigen Streunen darin aufgefallen sind; dann kettet sich Sebastian Dickhaut Anfang des Jahres am Schreibtisch an und verschmurgelt das alles zum ganz persönlichen Trendbericht unserer beiden Top-Küchengötter.


Diesmal aber hat sich Nicky ganz konkrete Gedanken zum Wesen und Unwesen der Foodtrends gemacht, an denen es nichts rumzukochen gibt. Drum servieren wir diesmal eher einen knackigen Salat als ein geschmortes Ragout - klare Statments kombiniert mit würzigen Kommentaren. Alsdann:


Nicky: “Wir sind ja ein bisschen Trend-müde. Liest man sich durch Trendreports der letzten Jahre, dann wollten Food-Journalisten schon viele neue und unglaublich aufregende Trends herbeischreiben, aber nur weniges ist dann tatsächlich im Mainstream angekommen. Auch die Industrie weiss so manchen Trendreport zu füttern, weswegen man immer genau lesen sollte, aus welchen Stall eine zukünftige Markteinschätzung denn eigentlich stammt."

 

Sebastian: “Und das neueste daran ist dann oft nur der Name. Ich versuche mich ja zu hüten vor dieser altersforsch erfahrenen Art zu sagen ‘Ach, das hieß vor zwanzig (bzw. zehn oder auch mal nur zwei) Jahren halt mal so und wurde da schon nix’; aber manchmal tun mir die Trendsucher schon leid, wenn sie da irgendwelche lokalen bis globalen Bewegungen festhalten und vergolden wollen - und schwupps sind die Kunden und Genießer schon wieder weiter, und zwar in zehn verschiedene Richtungen auf einmal. Das vor zwanzig Jahren sicher noch ein leichterer Job."


Nicky: “Grundsätzlich sind auch wir Neuem gegenüber aufgeschlossen - schon aus gerne gefrönter Berufskrankheit heraus -, aber Trends herbeischreiben ist nicht so das unsere. Wir beobachten lieber erstmal, denn nicht jedes Aufblitzen von zum Teil fragwürdigen Hybrid-Kreationen (von Cronut über Cragel zu Ramen Burger) rechtfertigt gleich den Trend-Stempel."


Sebastian: “Ich gestehe, dass ich nur den Cronut vom Namen her kenne, aber auch nicht probiert habe. Ich konzentriere mich eher auf die Neuheitenregale in den Tankstellen, die ja als begehrte Trendteststätten gelten, und bin jetzt langsam gespannt, was wieder für merkwürdige Dinge und Namen auf den Eistafeln der großen Zwei auftauchen werden - und ob sie mich von Nogger Choc oder Nucki Nuss ablenken können."


Nicky: "Dagegen sind die über die letzten Jahre viel bemühten Vokabeln “lokal/regional”, "saisonal”, “Nachhaltigkeit”, “nose-to-tail” etc. dem Trendstadium längst entwachsen und sollten inzwischen ein selbstverständliches Ernährungsprinzip sein - jeder, dem gutes Essen und seine Umwelt am Herzen liegt, dürfte es inzwischen verinnerlicht haben."


Sebastian: "Stimmt - wobei ich mich wundere, dass “nose to tail” beim Gemüse immer noch so ne kleine Nummer ist. So ein Art lautes veganes “JA”, dass das Nein zu FleischMilchEiHonigLeder kraftvoll übertönt. Was ist zum Besipiel mit den Fadennasen der Möhren und ihrem grünen Schwanz, geht da nix mit? So wie bei Radieschen auch? Die Schalen habe ich mal mit Butter verkocht (ok, geht bestimmt auch mit Öl), und das war was. Umgekehrt sind längst noch nicht alle Wurzeln entdeckt, die unterm Kraut in der Erde stecken. Da geht bestimmt auch noch mehr neben Kerbelrübe und Petersilienwurzel."


Es folgt eine kleine feine Sammlung von eher bösen Links und Stichworten Nickys, die nahezu ungewürzt am besten kommen:

 

"Detox-Lüge" (Hier sind die Schlagworte im Link schon Geschichte genug, daher ganz direkt: http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2014/dec/05/detox-myth-health-diet-science-ignorance)

 

"Zuviel Auswahl und immer neue Marketingversprechen, die null Sinn machen, z.B. Margarine mit Buttergeschmack" kurz, Von allem zuviel

 

"Ein Glutenfrei-Logo prangte auf der Katzenfutter-Packung. 'Da wusste ich, dass wir mit dem Trend noch längst nicht am Ende sind', sagt sie.” Hauptsache glutenfrei

 

Da wir an Nicky ihre fast immer sonnige Haltung selbst bei steifster Brise besonders schätzen, wollen wir dieses Bild jetzt nicht mit Kommentaren zu “Das große Backen” eintrüben - ich denke es reicht, einfach ihren Links zum britischen Original und seiner deutschen Verwandlung zu folgen. Oder einfach schauen, was Taste Berlin dazu sagt.


Umso mehr Freude über das, was Nickys Stempel  “im Kommen?” trägt.

 

Z. B. Fermentiertes wie Sauerkraut oder Kimchi (Sebastian: "Da freut sich der Hesse in mir und der Asiate ebenso. Aber nur als Esser, beim Selbermachen steh ich mehr auf Abkürzungen, damit ich mehr Zeit zum Genießen habe.")

 

Oder "Back to bitter" (Sebastian: "Ok, jetzt sag ich’s doch, dass ich das schon seit Jahren sage: Nicht nur Hühner und Schwein, sondern auch Chicorée etc. bitte zurückzüchten, damit sie wieder mehr Bitteres haben. Dann müssen wir nicht in aller Welt suchen, um eindeutig verschiedene Geschmäcker zu entdecken. Oder einfach mal die Schale an der Möhre lassen, das bittert auch gut. Ok, jetzt übertreib ich…")


Oder viele neue Cider-Varianten (Sebastian: "Hm. Da gibt es wirklich einen Menge neues, aber da wartet auch der Hesse in mir immer noch drauf, dass da mal was gescheit vergoren statt einfach zu süß ist. Bis dahin halte ich mich lieber an einen gut gemachten Äppler, wie Freunde zum Apfelwein sagen dürfen.")


Oder immer mehr verschiedene Zucker (Sebastian: "Also ich warte immer noch drauf, dass man diese feuchten, lakritzig-karamelligen Palmzuckerblöcke aus Südostasien bei uns bekommt (nein, ich meine nicht diese hellen Hartpucks ohne Aroma")


Und schon mal von Gruit Ales, Kaniwa, Kalettes gehört, Sebastian?

"Nein, Nicky. Kalettes klingt aber lustig."

Das ist eine Kreuzung aus Rosenkohl und Schwarzkohl, im Englischen das Superfood Kale. Schau hier. Was ist eigentlich die Steigerung von Superfood, wenn man Superfood mit Superfood kreuzt??? Superduperfood??? Scherz...

"Ach, Essen ist eh viel zu wichtig, um es ernst zu nehmen."

Ja, mir ist auch rätselhaft, wie man sich bei etwas Genussvollem wie dem Thema Essen mitunter so in die Haare geraten kann und nebenbei noch alle guten Manieren bzw. eine respektvolle Diskussionskultur vergessen kann.

"Jo! Dabei hilft auch immer, sich und die Welt nicht so arg übers Essen zu definieren." Na, oder gar übers Nicht-Essen! "Das noch viel weniger. Oder mehr? Na, jeden falls Danke für das genussvolle, manierliche und respektvolle Gespräch. Kaffee?"  

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