Frische Luft und feine Kost - auf Genießerwinterwanderung in München

Von der Isar bis ins Freibad: Auch an kalten Tagen bietet Bayerns Hauptstadt viele Freuden im Freien, ob man nun Schlendern oder Schlemmen will. Kommt mit.

Frische Luft und feine Kost - auf Genießerwinterwanderung in München
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Sebastian Dickhaut

Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Sebastian quer durch Münchens winterliche Freiluftgastronomie - abseits der üblichen Weihnachtsmärkte. Mit an Bord: Insider-Tipps für alle Reisehungrigen, wie man hier im Winter am besten zu seinem Essen und Trinken kommt.

 

Als man Wintergrillen noch für eine Insektenart hielt, hatten meine Eltern schon zu Cevapcicci auf dem Neusiedler See geladen. Der war damals massiv zugefroren, sie rollten ihren schmiedeisernen Grillwagen aus einem Ford Transit aufs Eis und ich erinnere mich vor allem daran, dass keiner dran gedacht hatte, etwas zu Trinken ohne Alkohol mitzunehmen - ich war damals acht und die Zeiten waren andere. Aber auch gute vierzig Jahre später ist mir die Freude am Draußensein geblieben, wofür München eine der besten Städte im Land ist. Was man da im Sommer machen kann, habe ich schon hier erzählt, heute beschreibe ich meinen idealen Wintertag.

 

Der beginnt da wo er im Sommer endet, an der Isar, die fast vor der Tür von unserem Küchengötterstudio liegt. Hier geht's von der Wittelsbacherbrücke zur kleinen Tierschau (Möwen am Wasser, Hunde auf den Wiesen bzw. Schneefeldern) bis hin zur Braunauer Eisenbahnbrücken, unter der die so piekfeine wie resolute Kioskwirtin nur darauf wartet, einem (jetzt noch) frischen Filterkaffee einzuschenken. Mit dem kann man auf leichter Anhöhe das ganze Promenadenpanorama überschauen, während noch ein Stück höher der Rosenheim Express vorbeirattert.

 

Dann geht's zurück Richtung Stadt und über die Wittelsbacher, wo in einem herrschaftlichen Haus das Zoozie's wartet - eine Münchner Institution, die sich immer wieder erneuert. Und weil wir ja praktisch in Italien sind, stehen davor auch im Hochwinter Tische und Stühle in der Morgensonne, wo Frischluftfrühstücksfreunde von Kuscheldecken, Heizstrahlern und superfreundlichnettem Service umsorgt werden. Dass es an so schöner Stelle auch noch hervorragend schmeckt, ist allerdings eher unmünchnerisch.

 

Auf zum Markt - aber erst einmal ohne Weihnachten

 

Wir ziehen weiter zum Markt - nein, nicht zum Weihnachtsmarkt am Marienplatz, der mich eher traurig stimmt und hungrig lässt, sondern zum Viktualienmarkt. Wer noch einen Kaffee will, nimmt ihn am besten im Espresso am Markt mit gutem Blick auf buntes Volk, aber dann ist es Zeit, sich ein wenig mehr aufzuwärmen. Ein feiner Platz dafür ist der Hinterhof von Fisch Witte, wo unter Planen und Strahlern eine stärkende Bouillabaisse serviert wird - und auch hier gibt's einiges an Münchner Schick zu sehen.

 

So, nun aber zum Marienplatz - um in die S-Bahn zu steigen und zwei Stationen weiter zum Rosenheimer Platz zu fahren, von wo man sich dann einfach zum Weißenburger Platz ums Eck durchfragt. Hier wartet ein Weihnachtsmarkt, wie ich ich ihn mag: klein und überschaubar, nicht zu kommerziell, aber auch nicht zu kunsthandwerklerich, mit Nierenschaschlikbude und Speckbrothütte, verwegenen Strickmützen und lustigem Weihnachtsschmuck. Zwei Gassen im Kreis, fertig ist der Spaß. Mit ein bisschen Glück kann man hier sogar ein paar Prominente von küchengötter.de oder Gräfe und Unzer treffen, die ganz in der Nähe hausen.

 

Und weil ich Weihnachtsmärkte wie das Oktoberfest nach Einbruch der Dämmerung meide, habe ich die Badehose eingepackt und springe zum Schluss wieder in die Bahn Richtung Dantebad. Dort erwartet einen Münchnes schönster und rasantester Wellenstrudel im Freien, der nochmal so toll ist, wenn einem beim Rumtreibenlassen Schneeflocken ins Gesicht springen. Zur Belohnung geht's dann nach dem Abtrocknen hoch ins Lokal Hechtsprung, wo man auch im Bademantel fein essen darf und dabei vom Warmen aus zuschauen kann, wie die Leute von der winzigen Umkleide durch die Kälte ins warme Wasser sprinten. Das hamma uns verdient!

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Aphrodite
Wer gern schwimmen geht...

Das es auch mal ausgelassen sein darf, erinnert etwas an den letzten "Tatort" am Sonntag und an den finalen Sprung ins kalte Nass. Genauso erfrischend kommt dieser Artikel daher. Das Lokal Hechtsprung muss ich mir merken und ist bestimmt einen Besuch wert. Ein Grillwagen auf einem zugefrorenen See hat auch was. Ideen muss man haben.

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