Good on you, Sydney - wo das Genießen zur Routine gehört.

Mein schönstes Ferienerlebnis: in der Stadt, wo man Weihnachten in barfuß feiert und schon Kleinigkeiten so spektakulär sind, dass man einfach entspannt sein muss.

Good on you, Sydney - wo das Genießen zur Routine gehört.
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Sebastian Dickhaut

Die Küchengötter wollen Euch 2013 mit auf kulinarische Entdeckungsreise nehmen. Dieses Mal geht es mit Sebastian nach Sydney. Mit an Bord: Insider-Tipps für alle Reisehungrigen, wie man hier am besten zu seinem Essen und Trinken kommt.

 

Weihnachten in Sydney ist wunderbar. Socken hängen höchstens am Kamin und der ist aus Plastik, denn wir haben Hochsommer. Wer vor die Tür geht, hat höchstens ein Paar Thongs an den Füßen, wie die Flipflops hier heißen. Und mit denen flopflipt man dann zum Lieblingsnachbarn, der grad den Gasgrill anwirft und einem eine Flasche Bier mit Kühlmanschette vom örtlichen Anwalt drumherum zuwirft: "Merry christmas, mate."

 

Weihnachten in Sydney findet draußen und unter Freunden statt, was ich weit mehr mag als unser Wollmützenfest bei hochgezogener Zugbrücke. Ich mag aber auch nicht alles an Aussie Xmas, zum Beispiel, dass bei den Partys Männer und Frauen sich streng getrennt halten und ein auf Salatrezepte neugieriger Deutscher im Frauenlager im Männerlager schnell als Ehebrecher gilt, das finde ich anstrengend. Und ein Weihnachtsmann in Surfshorts auf dem Jetski, das ist doch affig, oder?

 

Im Schnitt ist Sydney aber dann doch eine der überdurchschnittlichsten Städte der Welt, in der ich dreimal hintereinander Weihnachten feiern durfte. Zusammen mit meinem älteren Bruder, der dort schon lange mit Familie lebt und dem ich über Olympia 2000 für drei Jahre mit meiner gefolgt war.

 

Intensive, lebensverändernde Zeit damals, der Jüngste kam dort zur Welt, Basic Cooking und die Idee zum Bloggen auch, selbst wenn das damals anders hieß. Mein Kochen wie mein Schreiben hat sich dort in eine neue Richtung gedreht, ohne dass ich noch einmal zurück schauen musste.

 

 

 

 

Avalon. Palm Beach. Lagune. Muss man mehr sagen?

 

Im November habe ich zumindest wieder auf Sydney geschaut, im Anflug nach mehr als zwölf Jahren Abwesenheit. Mein Bruder hatte mich eingeladen, sein Geschenk zu meinem Fünfzigsten, und ich landete in einer neuen alten Welt: den Northern Beaches, wo Sydney noch ein bisschen überdurchschnittlicher ist als ohnehin schon. Wo er jetzt einen Ort weiter wohnt als wir damals in Mona Vale. Die nächsten beiden Orte an der spektakulären Klippenstraße heißen Avalon und Palm Beach, wo eine Lagune das nördliche Ende der Viermillionenstadt bildet. Muss ich noch mehr sagen?

 

Ich könnte Euch jetzt von spektakulären Wochenenden erzählen, von einem privaten Harbour Cruise bei Austern & Prawns, von Disneypartys mit 80jährigen Queens of Cards und bei denen Mogli mit Sindbad knutscht, von einem sechsstündigen Long Syrup Lunch - aber lassen wir das. Reden wir von der Werktagsroutine, die mich mindestens genauso glücklich gemacht hat - denn selbst die kleinen Selbstverständlichkeiten sind hier recht spektakulär.

 

Wie zum Beispiel der Morgenkaffee, den ich mir in mitgebrachter Kanne mit in Jakarta (da war ich noch mal kurz auf dem Weg) erbeuteten Bohnen gleich nach dem Aufstehen kochte. Der Rest der Familie lag da noch im Bett oder war schon auf Arbeit, ich schaute einfach. Aufs Meer. Auf den Ort, der sich unter unserem am Hang klebenden Stelzenhaus zum Strand hin aufrollte. Auf die Vögel, die hier oben in Augenhöhe vorbeizischen. Auf die beiden Lorikeets, die immer wieder auf dem Geländer neben mir landeten und aus der Hand fraßen. Routiniert.

 

 

 

 

 

Next step: Gone to the beach. Oder besser: to the Rockpool. So gut wie jeder der fast 40 Strände Sydneys hat einen dieser halb in den Fels gehauenen Schwimmbecken, die von der Flut befüllt und von Bahnenschwimmern wie Krabbentieren bewohnt werden. Hier morgens in die aufgehende Sonne zu schwimmen, während der Pazifik sich neben Dir bricht und Dich schwappen lässt, das gibt Energie für mehr als nur einen Tag.

 

 

Flat White statt Cappuccino

 

Mein Stammcafe "Flamingos & Dingos" hatte ich gleich nach dem zweiten Strandbesuch gefunden, ein freundlicher Spalt zwischen Glaserei und Landschaftsgärtnerei, deren junge Chefin hier lässig resolut für schicke Mütter (Flamingos) und bärtigen Nerds (Dingos) Kaffee kocht. Zum Beispiel den typischen Flat White mit einem schön dichten Milchschaumdeckel statt Cappuccino-Kapuze, very australian.

 

An manchen Tagen fuhr ich aber auch mit der Schwägerin morgens um sechs in die Stadt hinein, was bereits Sightseeing genug ist. Links das Meer bei aufgehender Sonne, irgendwann dann Buschland mit nachfolgendem Yachthafen zwischen den Felsen, schließlich der Ritt über die Harbour Bridge mit Blick auf die Oper. Danach zum Frühstück in eine der unzähligen Caffe Bars (Sydney hat eine der höchsten Espressomaschinendichte der Welt), wo man sich bei Banana Bread und Short Black die Krawatte umbindet und die Sneakers gegen Pumps tauscht. Das Panzerotti ist dafür ein Favourite der Schwägerin.

 

Bis zum Mittagessen empfehle ich im Hyde Park zu streunen, vielleicht ein wenig den Schachspielern zuzusehen, wobei sie selbst fast die interessanteren Figuren sind. Klempner und Banker, Rentner und Punker, chinesische IT-Profis und italienische Schwermatrosen stehen hier stumm bis murmelnd um die 64 schwarzweißen Felder im Schatten von majestätischen Bäumen und mächtigen Wolkenkratzern. Buntes Sydney - but for men only.

 

 

 

 

Antipasti bei Andreas

 

Mehr Damen findet man nur unweit im Untergeschoß von David Jones, Sydneys feinstem Kaufhaus. Hier in der Food Hall finden sich viele Spezialitäten Australiens und der Welt dazu. Sydney Rock Oysters und Ritter Sport, Byron Bay Coffee und Kusmi Tea. Ich bin aber wegen Andreas und seiner Antipasti Bar hier, die der Freund aus Berlin hier gelassen bespielt. Acht Plätze an der Bar, eine feine Auswahl aus den Theken drumherum - hier lässt sich in aller Ruhe genießen. Zum Beispiel Ploughman's Lunch, der mit seiner Edelpastete und dem wohlgereiften Cheddar meilenweit entfernt ist von dem Bauernfrühstück, das er mal war. Darauf einen Champagne, aus Australien natürlich.

 

Und nun? Fischmarkt vielleicht? Eine Wonne für sich, für die hier jetzt aber einfach keine Zeit mehr ist. Drum lassen wir uns einen wilden Barramundi vakumieren, reiten zum Circular Key, von wo uns die Fähre mit Flat White (selbst hier aus einer ordentlichen Italomaschine) und Pazifikblick zu den Northern Beaches bringt,wo der Bruder schon den Grill anheizt, Mutters Kartoffelsalat aus dem Kühlschrank holt und ein Fläschchen Cider dazu: "Happy birthday, mate." Good on you, Sydney.

 

 

 

 

 

 

 

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