Heute schon geteilt?

Wegwerfen oder verschenken, das ist hier die Frage! ...

Heute schon geteilt?
3
Kommentare
Bettina Müller

„Schatz, bringst Du bitte den Müll raus?“ – Ein Satz, den die meisten wahrscheinlich nur zu gut kennen (und nicht gerade lieben, zumindest, wenn sie mit „Schatz“ gemeint sind). Aber vor allem ein Satz, den wir wohl viel zu oft sagen oder zu hören bekommen. Denn Müll produzieren wir nicht gerade wenig. Allein 81,6 Kilogramm Müll wirft der Durchschnittsdeutsche laut einer Studie der Universität Stuttgart in Form von Lebensmitteln weg. Knapp 82 Kilogramm: Das entspricht dem Übergepäck einer vierköpfigen Familie (in der mindestens zwei Frauen Schuhe eingepackt haben), dem Gewicht, das Sebastian und seine zwei Kater gemeinsam auf die Waage bringen oder dem Gewicht von 80 Zwergpinguinen. Und wer wirft schon gerne Pinguine weg? Und diese fast 82 Kilogramm Lebensmittel sind nicht etwa alle schon verdorben (was auch schlimm und verschwenderisch wäre): Zwei Drittel davon sind meist sogar noch genießbar!

 

Nun gut, für die meisten von uns ist diese Zahl nicht neu. Schließlich wurde sie schon letztes Jahr im April veröffentlicht. Seit dem wurden die wegwerffreudigen Deutschen in Nachrichten, Zeitschriften & Co. rauf und runter abgehandelt. Doch nur vom alleine darüber reden ändert sich leider auch nichts an diesem traurigen Umstand.

 

Was also tun? Endlich aufhören, hungrig einkaufen zu gehen und mehr als benötigt in den Einkaufswagen zu packen? Sich Einkaufen vor dem Urlaub strikt untersagen, so dass der Kühlschrank bei der Abfahrt wirklich leergefegt ist. Oder dem Apfelbaum beibringen, dass er bitte nur noch genau die vier Äpfel produzieren soll, die wir auch mal eben essen können, bevor sie wieder alle unschöne Druckstellen haben? Wäre auf jeden Fall schon mal ein Anfang. Aber es geht auch anders, wie die Internet-Plattform foodsharing.de zeigen will.

 

Hinter Foodsharing versteckt sich eine ganz einfache Idee: Wie wäre es, wenn wir die Lebensmittel, die wir zu Hause übrig haben, nicht in den Mülleimer befördern, sondern verschenken? Und zwar nicht an Leute, die wir kennen, sondern an fremde Personen, die sich auch auf der Plattform registriert haben.

 

Praktiziert wird das ganze seit dem 12.12.12 auf foodsharing.de. Das Portal selber beschreibt sich als „ein Treffpunkt für Privatpersonen, Händler und Lebensmittel-Produzenten, die Essen übrig haben und es anderen kostenlos anbieten wollen.“ Die Resonanz auf die Idee ist jetzt schon enorm. Da bietet Philipp H. aus Hamburg einen Essenskorb mit Handkäse, Quark, Joghurt, Champignons , Salat-Dressing, Bolognese-Sauce und saurer Sahne an, bei Annette J. in Bremen gibt es 500 g Espressobohnen für lau und Silke W. aus Kornwestheim verschenkt zwei Weihnachtsstollen .... Die Zahl der Angebote wächst stündlich und man kann jetzt schon auf all die Schätze gespannt sein, die es zur Erntezeit von Kirschbaum & Co. in die Tauschbörse schaffen.

 

Und selbst wenn man keine Lust hat, bei solch einem Tauschportal mitzumachen, ist es doch ganz spannend, sich mal genauer anzuschauen, was die Leute dort anbieten. Denn nicht vergessen: Die meisten dieser Produkte, wären sonst auf dem Müll gelandet ...

 

 

Und, wie sieht es bei Euch aus, liebe Küchengötter, stellt Ihr auch manchmal fest, dass Ihr zu viel wegwerft? Und wer von Euch ist schon fleißig am Verschenken oder Tauschen von Essen? 

 

 

Anzeige
Anzeige
Aphrodite
Nix zu verschenken.

Sternensinger müssen bei mir singen und bekommen dafür Geld. Vor dem Winter sammelt ein älterer Herr für die Zirkustiere und zeigt seinen Ausweis. Ich mache jedem die Tür auf. Aber wegen zwei Gläschen Marmelade wer weiß wohin zu fahren, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Hier geht es wohl eher darum den Leuten irgendwelche Ratgeber an die Hand zu geben und diesen guten Willen durch Spenden zu finanzieren. Jetzt musste ich schauen, ob bei Tafel e.V. auch ein Geldspenden-Button auf der Seite ist. Ist nicht. Die Seite klingelbeutel.de war warscheinlich nicht mehr frei? 

Ich möchte auch mit niemandem meine Kühlschrank-Reste teilen. Weniger einkaufen ist die Lösung!

Samstags macht um 15.00 Uhr der Bäcker zu. Kurz vor Drei sind die Regale leergefegt. Dafür habe ich volles Verständnis. Anders wäre es nur für den Müll.

Flicka
Bewundernswert ...

... finde ich, wie immer, Aphrodites klare Sicht der Dinge und die erfrischend forsche Art, Klartext zu reden. Ich lese es immer mit Interesse. Auch ich finde es schlimm, wenn Lebensmittel vernichtet werden. Der Punkt aber ist tatsächlich, dass wirklich nur gekauft werden sollte, was verbraucht wird. Und wir müssen uns Gedanken über sinnvolle Resteverwertung machen. Oft nutze ich dafür meine älteren Kochbücher. Und mit zunehmender Kocherfahrung fällt einem zumeist selbst etwas Sinnvolles ein. Was das Teilen betrifft: Grundsätzlich ja, aber nicht mit Internetportal. Zum Beispiel in der Erntezeit sollten wir es tatsächlich halten wie unsere Mütter und Väter: im Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft Überschüssiges anbieten.

Nachbarn einladen

Diese Sache mit foodsharing.de hat mich persönlich angesprochen!! Vielleicht sieht man es mehr als Inspriration?! Natürlich geht es nicht darum, für zwei Gläschen Marmelade 20 km weit zu fahren. Aber teilen und nicht wegwerfen geht auch anders. Ich wohne z. B. in einem Mehrfamilienhaus und deponiere Dinge, die ich übrig habe - und das sind nicht nur Lebensmittel - gerne mit einem Zu-verschenken-Schild im Hausflur. Bisher hat sich immer ein dankbarer Abnehmer gefunden. Wäre es nicht so, könnte ich es immernoch anderweitig entsorgen.

Ein kürzlich gezeigter TV-Beitrag über foodsharing.de hat mich auf die Idee gebracht, den geplanten Krustenbraten, an dem als Single ca. eine Woche gegessen hätte, mit meinen Nachbarn zu teilen. Ich habe einen Zettel aufgehängt, dass es am Sonntag Braten gibt und ich drei Nachbarn dazu einlade. Wer sich zuerst anmeldet, ist dabei.   Könnt Ihr Euch vorstellen, was wir für einen netten Abend hatten?

 

Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Login