ICH KOSTE... aphrodisierende Zutaten

Spargel, Sellerie, Austern? Braucht's das, geht das, wenn es prickeln soll? Oder reicht es, wenn es einfach schmeckt? Ein Koch erzählt.

ICH KOSTE... aphrodisierende Zutaten
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Sebastian Dickhaut

Ich arbeite ja, um zu lernen und nicht umgekehrt. Als ich mit 19 meine Kochlehre begann, konnte ich vor allem gut essen, ansonsten nur Rührei machen. Und nach meiner Profikochkarriere stand dann als erstes Werk in den Kochbuchregalen: "Aufläufe" Und jetzt überlegt mal, wie oft die im Restaurant auf der Speisekarte stehen...

 

Hier ist es nicht anders: Bubble TeaCupcakes oder Eierpunsch hätte ich ohne das Kosten für die Küchengötter wohl nie so intensiv kennengelernt. Und nun also "aphrodisierende Zutaten". Da ist ja schon mal gut, dass man das beim Rendezvous nicht aussprechen muss, sondern durch die Blume, pardon, Feige sagen kann. Weil so ein "Du, da sind jetzt fei gleich ein paar aphrodisierende Zutaten  in meinem Feigenvanillesorbet" heutzutage nur noch ein genervtes Augenrollen statt hemmungslosem Herumrollen bewirkt.

 

Spargel an Auster? Keine Fragen mehr nötig.

 

Früher war das vielleicht anders. Da war Essen der Sex des Mittelalters, als so ziemlich alles unzüchtig und verboten war, bei dem man in der Öffentlichkeit nur ein Stückchen Sinnlichkeit angeregt hat. Und weil Minirock und Muscleshirt tabu waren, hat man es halt übers Essen gemacht. Spargel an Auster? Kein Fragen mehr nötig.

 

Heute aber kann das Foodporn in seiner schlimmsten Form (ab Minute 5) sein. Ja klar, Chilischarf öffnet die Gefäße, Spargel lässt die Säfte fließen und Schokolade die Seele schmelzen, was einem schon ein kleines High bescheren kann. Aber erstmal ist das nur ein gutes Gefühl, und wer da gleich ans Bett denkt - na ja, der macht dann wohl auch Feigenvanillesorbet mit Ankündigung.

 

Wobei das mit dem guten Gefühl schon ein Schlüssel ist, wenn man ein bestimmtes Ziel mit jemandem hat. Und weil das mit dem Gutfühlen eine recht intime Sache sein kann, hilft es, da ein bisschen persönlich zu werden. Also ein Gericht mit Geschichte zu kochen, die aber nicht zu eigen sein sollte - "das ist von meiner Mama" geht nicht, von der Urgroßmutter dagegen sehr gut, von der Schwiegermutter überhaupt nicht. Auch wenn man es nicht erzählt - es könnte ja DAS Kennenlernessen werden. Und dann wird's irgendwann kompliziert...

 

Erstmal reden? Immer gut.

 

Ein kleines Vorgespräch, was der andere denn so mag, ist dagegen immer gut, weil rücksichtsvoll, interessiert und eben schon mal ein Gespräch. Und praktisch ist es auch, wenn man von der Nudelphobie des Gegenübers weiß - und sei es, um das Ganze gleich abzublasen, weil ein Leben ohne Nudeln selbst für eine Nacht nicht vorstellbar ist.

 

Kennt man sich schon länger, kann das mit dem Aphro-Food schon lustig sein, so im Stil von "Komm, wir kochen uns jetzt mal was Schweinisches!" Was je nach Partnerschaft auch ein Hammelschaschlik sein kann - aber ich glaub, dann sind Erotikbeschleuniger eh kein großes Thema. Wer allerdings glaubt, mit Selleriecurry sein Sexleben aus dem jahrelangen Tiefschlaf zu wecken, sollte es vielleicht gleich mal mit dem Hammel probieren - zumindest wird sich dabei einiges klären.

 

Werden wir persönlich

 

Ach, was soll das Rumgerede, jetzt werde ich einfach mal selbst persönlich. Und gestehe wie schon oben angedeutet, dass ich mir über Aphro-Food noch nie Gedanken gemacht habe. Weil "Ich schreibe Kochbücher" einem schon mal eine Menge Herzen öffnen kann, weswegen ich das manchmal auch weglasse, weil ich da gar nicht hin will. Und weil es die Ansprüche hebt. Weswegen mein Herz im Zweifel denen gehört, die sich von mir ein Brot schmieren lassen.

 

Und bei was werde ich schwach? Wenn die Frau ein Händchen hat am Herd, einen Stil, das gewisse Etwas. Was im Zweifel nicht die die große Kür ist sondern ein paar kleine Tricks und Tics sind, die das Kochen leichter, das Essen besser und den Menschen interessanter machen. Vor allem, wenn ich es selbst noch nicht gekannt habe. Auch auf die Gefahr hin, dass es bald in einem Kochbuch steht. Und weil ich weiß, dass viele alleine Angst davor haben, Essen für einen Koch zu kochen: ein Kaffee tut's auch. Womit wir ja nun doch noch ein klassische aphrodisierende Zutat entdeckt haben.

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