ICH KOSTE ... Artischocken

Ich habe ein Herz für Artischocken, so lange ich nicht selber Herzen draus machen muss. Denn das Simple ist das Tolle an der Distelblüte.

ICH KOSTE ... Artischocken
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Sebastian Dickhaut

Wenn ich sage, "Ich mach' Artischocken", ist die Bewunderung ähnlich groß wie bei "Ich mach' Muscheln!" Wahrscheinlich, weil die Leute denken, die Zubereitung wäre ähnlich ungewöhnlich wie die Verspeisung? Denn eigentlich geht kaum etwas leichter zu machen als Artischocken (Salzwasser aufkochen, Stiel abbrechen, rein mit der Blüte. Zitrone dranbinden? Nö, weil dann schmeckt die ganze Artischocke danach).

 

Ok, Muscheln gehen noch leichter (ins kalte Wasser schmeißen und dann ins heiße Öl, Deckel drauf, ab geht's. Weißwein? Nö, so werden sie saftiger und schmecken richtig intensiv). Doch hier geht's um Artischocken. Und die sind einfach nur aufregend, ohne dass man sich aufregen muss. ("Bäh, Muscheln?", "Die armen Viecher!", "Die Italiener nennen sie Cozze...")

 

Meine Mutter hat mir schon ganz früh die Artischocke gegeben, die große natürlich, und ich fand's toll. Mit den Händen essen! Nach einem geheimen Ritus die Blätter abzahnen und damit zum Club zu gehören!! Knoblauch-Mayonnaise!!! Dass das eine Distel ist und dass Mutti es vor allem wegen der wenigen Arbeit damit gemacht hat, verriet sie uns nicht.

 

Artischockenessen ist eine Sache in mehreren Stimmungslagen. Erst das grobe Äußere, dann die pure Wonne mit festen, fleischigen Blättern. Bis alles dünner wird und schließlich haarig. Da werfe ich dann großzügig weg und rasiere mit dem Löffel, bis es noch mal richtig gut wird - auf dem Artischockenboden. Der volle Geschmack ohne jedes Zutzeln! Doch auch ohne jede Spannung, da man hier genau weiß, wann der Genuss vorbei ist.

 

Ich bin dafür, der Artischocke das Unbeschwerte zu lassen und sie nicht mit irgendwelchen Homemade-Versuchen zu belästigen. Eingelegte Artischockenherzen selbst zu machen ist eine Heidenarbeit, die jede Familie zerstören kann. Auch noch Tage später. Drum überspringen wir das und streifen nur kurz die Mutter der Herzen, die kleine schmale Artischocke, die man angeblich auch im Ganzen essen kann, frittiert oder geschmort etwa.

 

Auch hier hat mich noch kein Versuch richtig überzeugt, ob selbst gemacht oder im Restaurant bestellt. Braucht es ja auch nicht, im Ganzen kann man vieles essen, vom Blatt nur die große Artischocke. Und weil Geheimriten, "Mit-den-Händen-Essen" und Knoblauch-Mayonnaise (auch toll: Aioli nach diesem Rezept)  zusammenschweißt wie kaum was anderes, sind Artischocken auch ideal, um die künftige Mutter Deiner Kinder zu finden. Findet sie es doof, ist sie doof. Ende, so einfach wie Artischockenkochen.

 

Das Rezept zum Bild findet Ihr übrigens hier: Gekochte Artischocken mit Koriander-Senf-Dip.

 

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