ICH KOSTE... Avocado Shake

Avocado, gezuckerte Dosenmilch, Schokolade, Eiswürfel - kann das schmecken? In Indonesien schon, wo das Jus Alpukat heißt und Süchte wecken kann. Sehnsüchte auch.

ICH KOSTE... Avocado Shake
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Zum ersten Mal habe ich von Jus Alpukat in Fürstenfeldbruck gehört, wo er mir von mehreren Indonesiern als DER Fancy Drink ihrer Heimat gepriesen wurde. War schon der französisch-indonesische Name verwirrend, so war es die Zusammensetzug des "Avocadosafts" noch mehr: Die im Netz gefundenen Bilder erinnerten an Ice Cream Sundaes, die Zutaten dazu klangen heraudfordernd: Neben der Avocado gezuckerte Kondensmilch, Eiswürfel und Schokoladensauce. Näheres Nachhaken bei meinen indonesischen Botschaftern brachte auch nicht viel mehr als ein "mmmmh, lecker" - sie genießen halt lieber als sich selbst in die Küche zu stellen.

 

Nicht dass mir das alles völlig fremd war. Als Kind war mein liebster Nachtisch ein ganz bestimmter Becher Mousse au chocolat aus dem Kühlregal mit Dosenmilch obendrauf, die dann bei jedem Löffeln neue Tümpel bildete und langsam versickerte, bis ich am Ende noch mal kräftig durchrührte und einen letzten Schluck Schokomilch nahm. Gezuckerte Dosenmilch kannte ich auch, klassisch aus der Tube gezuzzelt, als eine Art Anti-Zahnpasta. Und dass sich die Seltsamkeit der zwischen fettem Gemüsesein und unsüßer Fruchtheit schwankenden Avocado bei Zugabe von nur ein wenig Aroma sofort tofu-ähnlich in eine wunderbare Entschlossenheit zum Geschmack verwandeln kann, hatte ich schon öfter erlebt. Auch schon mal im Süßen, als ich die Mexikanerin in einem Sirup aus Vanillezucker und Limette zu kosten bekam - "mmmmh, lecker".

 

Nix für zwischendurch, gut für ein zweites Mal

 

Irgendwann saß ich dann in einer Mall in Jakarta, hatte Lust auf was so Süßes wie Fettes und entdeckte auf einer Imbisskarte ein Foto, das mir von meiner Fürstenfeldbrucker Recherche bekannt vorkam: gläserner Kelch, giftgrüner Inhalt und drumherum ein Kirchenfensterkranz aus Schokoladensauce- Jus Alpukat! Bestellt, gekostet und festgestellt, dass man das mal lieber nicht so zwischendurch trinkt, weil dann so viel Zeit bis zum nächsten Hunger vergehen kann, bis alle Lokale geschlossen sind.

 

Vor allem, wenn man sich noch einen zweiten Jus bestellt, was ich  nach dem letzten Schluck vom ersten am liebsten gleich getan hätte: so süß, so fett, so cremig kann zwar einiges sein, aber dazu so ein bisschen grasig-ölig-herb, das kann nur Jus Alpukat. Und ich hatte ihnen nur in der Mall-Version gekostet!

 

Kurz hatte ich daran gedacht, mir ein Rezept zu besorgen, doch zwei Erfahrungen hielten mich davon ab. Die erste war noch ganz frisch, ich hatte eine Familie in Jakarta nach dem Rezept für diese tollen geschmorten Auberginen gefragt, die es dort mal zu Mittag gab. Die Tasse Chillies für 4 erklärte ich mir noch als regionale Feurigkeit, die gleiche Menge Trockensalzfisch wie Aubergine sah ich schon kritischer (aber möglich), dafür wollte ich nicht ans völlige Fehlen von Tomaten glauben, in dem alles gut sichtbar schwamm - oder war das die Tasse Chilies? Naja, andererseits ist es ja schon schwer genug, aus der eigenen Familie ein nachvollziehbares Rezept für sein Lieblingsessen zu bekommen.

 

Anyway, gegen Avocado Shake nach Rezept sprach auch noch eine andere, in jedem Land aufs Neue gemacht Erfahrung: Manches kauft und genießt man einfach draußen statt es selbst in der Küche zu machen. Wie Sushi in Japan, Fish'n'Chips in Australien oder Espresso in Italien. Und Jus Alpukat in Indonesien.

 

Auf der Suche nach dem Rezept

 

Was aber, wenn man nicht in Indonesien ist, doch große Lust dazu hätte und die Sehnsucht zumindest ein wenig stillen möchte? Da hilft ein großer Schluck süß-fett-herb-öiig sehr. Also ab ins Internet. Wo eine Malayin nicht nur am schönsten von all dem schwärmt, sondern auch ein glaubwürdiges Rezept dazu liefert, sogar inklusive selbstgemachter Zuckerkondensmilch. Dass ich die zwei Stunden lang rühren muss, lese ich erst am Sonntagmorgen und beschließe, lieber Zuckerkokosmilch zu nehmen. Die ich erst mit Palmzucker mache und dann mit normalem, weil Braun und Grün zusammen Grau ergeben und der intensive Geschmack des dunklen Zuckers zu heftig sein könnte.

 

Also: 250 ml Kokosmilch mit 5 EL Zucker erhitzen, bis der gelöst ist, und abkühlen lassen. Zugleich 150 ml Wasser mit 6 EL Zucker und 3 EL Kakaopulver glattrühren und kochen, bis alles gelöst ist. Auch abkühlen lassen. 2 reife Avocados halbieren, Stein raus und das Fruchtfleisch samt Kokosmilch, 5 Eiswürfeln und einem Spritzer Limette zum dicken glatten Shake mixen. Je 1 Esslöffel voll Schokosauce am Rand von 1 Glas runterlaufen lassen, Jus Alpukat rein und noch ein bisschen Schokosauce obendrauf. (Ich hab auch noch 1 Löffel von der Palmzuckerkokosmilch drunter gegeben.) Strohhalm rein und saugen, bis man in Indonesien ist.

 

Ich hab es allerdings nur bis zur Flughafen-S-Bahn gebracht. Muss es wohl doch noch mal mit Kondensmilch probieren.

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Sebastian Dickhaut
Mensch sunnysunday...

...das ist ja ne Freude zu hören, wo war/ist denn das Cafe? Und was gibts da noch so? Ein javanisches Cafe hier fände ich toll. Natürlich auch mit dem Jus - in Küchen der Welt habe ich ihn allerdings nicht entdeckt, da fehlt mir wohl das Postit? Mit Buttermilch gehts aber gar nicht, zumindest nicht wenn man das süße fette Ding will!

Sebastian Dickhaut
Tempeh...

...frittiere ich immer in fingerdicken Scheiben, da schmeckt es mir sehr, sunnysunday. Und ich glaub das Café gibt's nicht mehr, zumindest finde ich es nicht im Netz in Frankfurt (das ist doch die MKM?) Bin Freitag dort, also mal schauen. Kennst Du (sorry, bei den Küchengöttern fehlt einfach das Sie in meinem Wortschatz, bis hin zu den Kursen) die Geschichte vom Jakarta Streetfood?

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