ICH KOSTE... Bärlauch

Was ist dran am Bärlauch-Fieber? Der Geschmack oder der Name können's alleine nicht sein, findet Sebastian Dickhaut. Vielleicht ist es dieses vom Feld-in-den-Mund-Gefühl?

ICH KOSTE... Bärlauch
5
Kommentare
Sebastian Dickhaut

Leute fragen, warum das Kochen so etwas Faszinierendes, Beruhigendes hat. Sie erzählen, dass das manchmal die beste Medizin ist, um runterzukommen von einem schlechten Tag oder gar von einer ganzen miesen Woche: sich nach Feierabend oder am Samstagnachmittag hinzustellen, erdige Kartoffeln zu waschen, zu schälen und zu teilen, sie in Wasser mit einer großzügigen Prise Meersalz, einer Knoblauchzehe und einem Lorbeerblatt gar zu kochen, sie nach dem Abgießen kurz auf dem Herd ausdampfen zu lassen, dann in aller Sanftheit grob zu stampfen und ordentlich vom besten Olivenöl im Haus drunter zu arbeiten. Da braucht's dann nur noch ein Stück leicht im Ofen angewärmten Räucherfisch dazu, fertig ist das Wohlfühlessen.

 

Und was ist mit Bärlauch? Nun, meine Theorie ist die: Kaum jemand macht in seinem Beruf noch was von Anfang bis zum Ende. Ich zum Beispiel schreibe diesen Text ins karge Schwarzweißrot des Redaktionssystems und drücke auf einen Knopf, nein, klicke auf ein Feld und dann steht er auf Eurem Schirm - bunt, schön, wohl gesetzt. Das System, die Schriften, die Bilder, der Datenstrom, die Verlinkungen, mein Laptop, Euren Bildschirm - damit habe ich wenig bis nichts zu tun (und ihr auch nicht). Und ich bin da ganz froh drum, auch weil ich den kreativen Part von dem Ganzen erwischt habe.

 

Ganzheitlich kochen statt kleinteilig arbeiten

 

Aber ein Essen zu kochen, das macht mich noch froher. Also: den Weg der Kartoffel vom Laden bis auf den Teller persönlich zu begleiten und dessen Ende dann bei einem feinem Essen mit netten Leuten feiern zu dürfen. Also: ganzheitlich kochen statt kleinteilig arbeiten. Dieses heimische Statement gegen die Entfremdung der Arbeitswelt kann noch gesteigert werden, wenn man selbst erntet. Wobei Kartoffeln es einem eher schwer machen mit dem Leben vom Feld in den Mund. Der Dreck, das Graben, das Wissen - zum Beispiel darüber, wann die Kartoffeln eigentlich reif sind und wo ich die überhaupt finde, so mitten in der Stadt?

 

Beim Bärlauch ist das einfacher. Wenn ich morgens mit dem Rad durch den Englischen Garten fahre und es riecht ziemlich streng, dann weiß ich: Der Frühling ist da. Und der Bärlauch ist hier. Das gute alte Maiglöckchen ist auch da und hier, aber das ist jetzt böse, wenn man als Jäger und Sammler in die Natur schaut. Denn sein Blatt ist giftig und ähnelt gemeinerweise auch noch dem des Bärlauch. Dass der eigentlich viel böser klingt (und stinkt), so nach „bäh” und noch schlimmeren Schimpfwörtern, als die blasse Blume mit dem schönen Klang - das macht es nicht leichter, Kindern den Bärlauch als neuen Frühlingsboten schmackhaft zu machen.

 

Bloß waschen statt schälen und zupfen

 

Doch das nur nebenbei. Hauptsache ist: Wahre Bärlauchfreaks finden erst dann die wahre Erfüllung, wenn ihr Pesto aus selbst geernteten Blätter besteht. Das muss auch so sein, denn der Geschmack alleine kann es nicht sein. Ich habe jedenfalls bisher noch kein „BLP” gekostet, das es mit dem Aroma von frischem Knoblauch und duftigem Basilikum aufnehmen konnte. Dafür hat der Bärlauch den Vorteil, dass man ihn nur waschen muss statt mühsam zu schälen oder zu zupfen, damit er gehackt, gemixt oder gemörsert werden kann.

 

Ich selbst mag den Bärlauch eh lieber im Ganzen oder nur leicht gerupft und in Kombination mit anderen guten Dingen. Auch ein wenig Wärme bekommt ihm gut, etwa wenn man ihn zum Schluss unter den Blattspinat mischt oder in ein Sugo rührt. Roh im Pesto oder gar im Salat ist er mir zu streng; sanfter werde ich, wenn er mit etwas Parmesan dezent in würzige Butter gebettet und dann aufs Brot gestrichen wird. Womit wir bei meinem persönlichen Bärlauchlieblingsrezept sind: Gebackene Kasknödel mit Brot und Bärlauch darin. Wer das von Anfang bis Ende macht, fühlt sich danach so ganzheitlich wie der Alm-Öhi und Heidi zusammen.

 

Anzeige
Anzeige
Belledejour
Bärlauch
ICH KOSTE... Bärlauch  

konnte ich vor Jahren noch riechen. Leider ist nun der Geruchssinn bei mir gestört und ich muss alles über den Geschmackssinn ertasten. Da bin ich heilfroh, dass wenigstens der noch existiert.

Auch habe ich vor Jahren meine Bärlauchphase begonnen und ihn selbst im Wald gesammelt. So sah dann damals das Sammelergebnis aus. :-) Nun habe ich ihn zwar im Garten, aber das ist eigentlich nie genug. Daher kaufe ich ihn gern für Pesto und co. an meinem Marktstand. Ganz besonders mag ich das Rezept von Rinquinquin.

 

nika
Erste Ernte aus dem Garten

ist bei mir auch der Bärlauch. Meiner ist noch zu klein und das Wochenende steht bevor und da darf es noch Knobi sein. Ab Montag wird geerntet für Pizza, Salat, Pesto und Co.

Sebastian Dickhaut
Bratkartoffeln oder Rotweinbutter?

Bei mir gibt es heute Mittag Lammkoteletts mit Bärlauchkartoffeln für einen Freund, der gerade Weltreisenpause macht. Dabei schneide ich den Bund Bärlauch vom Foto oben zum Schluss in die Kartoffeln rein. Oder vielleicht mache ich im Lammbratsatz auch ein Rotweinbuttersauce mit Bärlauchfinish - bei dem Wetter vielleicht die bessere Idee. Bärlauchsuchen eher nicht. (Es schüttet im Süden.)

Sebastian Dickhaut
Bratkartoffeln...
ICH KOSTE... Bärlauch  

...sind's geworden. Schaut hier.

cystitis
Eine ganze

"Produktionslinie" ist aus meinen Bärlauchrezepten geworden. Soo viele freunde, bekannte und dann noch die Familie bestellen bei mir ihre Lieblingssachen. Ich habe ihn auch im Garten, da in meiner "waldreichen" Natur kein Bärlauch zu finden ist. Doch noch immer reicht er nicht aus, alle Wünsche umzusetzen. Ich habe jetzt erst wieder 20 neue Zwiebeln gesteckt. Ich liebe Bärlauch und vorallem, man stinkt nicht so danach wie beim Knoblauch!!

Noch nicht eingeloggt?

Hier könnte dein Kommentar stehen :-)

Login