ICH KOSTE ... Bonbons

Zum Rosenmontag fangen wir uns ein bisschen Wurfmaterial ein, lutschen uns durch das aktuelle Sortiment an "KAMELLE!" und erfreuen uns an manchem Gag von der Zutatenliste

ICH KOSTE ... Bonbons
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Sebastian Dickhaut

Heute fliegen sie wieder, die Guetzli, Zeltli, Bonsches, Drops, Gustle, Klunscher, Zuckerl, die “KAMELLE!” wie man beim Rosenmontagszug so schreit. “Gut, gut” heißt das französische “Bonbon” auf Deutsch, und wenn jemand ein besonderes Extra geben will, nennt er das auch so, ein Bonbon.


Für mich gab’s als Kind eigentlich nur einen Tag im Jahr, an dem ich die Dinger wirklich interessant fand - den heutigen Rosenmontag. Da standen und froren wir im Hessischen am Straßenrand als Cowboys, Clowns, Marsmenschen und warteten darauf, dass es “Zuggerschdaa” (deutsch: Zuckersteine) regnete, wuselten zwischen den Erwachsenenbeinen herum, wenn wieder ein besoffener Narr was vom Umzugswagen in die Menge schleuderte, und wer einen guten Hut hatte, hatte das Glück.


Aber wie das so ist mit dem Glück, kaum schaut man’s genauer an, schon macht es sich davon. Und so kam jedes Jahr aufs Neue beim Auspacken die ernüchternde Erkenntnis, dass beim Bonbonwerfen der Weg das Ziel ist, also die Freude beim Fangen liegt und nicht beim Lutschen. Weswegen der Fachbegriff für das Zeug auch “Wurfmaterial” ist, wie man hier sehen kann. (Ich hab mich da besonders über den Begriff “Flachlutscher” gefreut; “Speckseil” ist aber auch nicht schlecht.)


Alsdann, wenden wir uns also ernsteren Dingen zu, nämlich dem Angebot im Supermarkt. Hier werden einem die Bonbons nämlich kein bisschen fröhlich zugeworfen, sondern eher verklemmt verborgen. Waren wir bei unserem letzten Bonbon-Test noch erstaunt, was sich da alles so tut auf dem Markt, der nicht der meine ist, so musste ich diesmal schon ganz schön suchen, um was Besonderes zu finden, also das Bonbon-Bonbon sozusagen.

 

Bonbons mit Eisbonbongeschmack? Klingt wie Schweinebraten mit Fleischgeschmack

 

Fünf Sorten lagen dann gestern Nachmittag auf dem Teppich, während im Fernseher “Frühstück für Tiffany” lief und die Söhne sich auf dem Sofa räkelten. Zum Ködern hatte ich eine Dose FCB-Bonbons mit dabei, die dann auch gleich als erstes geknackt wurde. “Kirsch- und Eisbonbongeschmack” stand hinten drauf.


Bonbons mit Eisbonbongeschmack? Das klingt wie Schweinebraten mit Fleischgeschmack, also ein bisschen unheimlich, aber die angenehm kurze Zutatenliste beruhigte wieder: “Zucker” an erster Stelle, dazu ein paar Vitamine - perfekte Soccer Power Booster! Warum da noch “Holunderkonzentrat” steht, aber kein Wort über Kirschen, wissen wohl auch nur die “Aromen”. Aber was soll’s, klare Ansage vom Rekordmeister und schmecken tut’s auch korrekt - 2:0, würde ich sagen.


“NEU + Fruchtsaft” stand dafür bei den “mini Hitschies Kaubonbon-Apfel sauer” (Original-Schreibweisen) oben im Eck, und weil “Neu” wie gesagt eine Rarität im Bonbonregal ist, kamen sie in den Korb. Im Mund waren sie tatsächlich erst mal supersauer, aber das ist wohl nur aufgestäubt, denn danach kaut es sich süß und fast cremig, was vielleicht auch am Pflanzenfett und der Rindergelatine liegt, die uns aus der Zutatenliste noch vor "Apfel-, Pfirsich-, Zitronen-, Erdbeer- und Himbeersaft" grüßen. Bald dahinter: “Brillantblau” . Oh, sorry, ich meinte natürlich das hier. Und keine Sorge deswegen, weil es ist ja dafür das hier. Und das hirnschützende Kurkumin ist auch noch bei. Ah, deswegen sind die Dinger dann grün, weil Farbenlehre? Nicht ganz, sagt das Lebensmittellexikon, weil: "In sauren Lösungen geht der blaue Farbstoff in einen grünen Ton über". Was man alles wissen kann. Essen muss man die aber nicht.

 

Cranberry, Kamille, Kaffee - alles kann ein Bonbon sein 

 

Wo waren wir? Bonbons, genau. Die nehmen viele ja nur zum Husten, um von ihm loszukommen, und da tut sich noch am meisten im Sortiment. Ricola etwa hat jetzt die Sorte "Cranberry" im Angebot, die nach dem ersten Anlutschen dann aber doch wieder nur hustig schmeckt, das passt einfach nicht zusammen mit ihren 13 Schweizer Bergkräutern. Dafür liest sich die Zutatenliste wie ein Stück Naturdichtung, sehr wohltuend. Das sind "Wick Halsbonbon Himbeer & Kamille" auch geschmacklich, weswegen ich die sogar nehmen würde, wenn's mir gut geht - wenn ich sie denn fände. Kann nämlich schon mal passieren, dass die Supermarktsortierer die glänzende Tüte mit dem Tropfen und der Kamille drauf ins Flüssigseifenregal sortieren, wo ganz ähnliche Gebilde mit Vanille & Avocado drauf zu finden sind. Na ja, immer noch besser als Klosteine mit Kokosaroma.

 

Alsdann, zum Schluss noch etwas Kaffee? "Koffie" steht vorne auf dem gekrönten Siegel von "de enige echte" Rademaker Hopjes, den Klassikern aus Holland, die sich hier nun unters Volk mischen. Hinten auf der Tüte ist allerdings erstmal von Pflanzenfett, Butterein und Milchbestandteilen die Rede, bevor es zu den 0,2% Kaffee-Extrakt kommt (gleich gefolgt von bräunender Zuckerkulör), und so schmecken die Dinger dann auch: wie eingekochter Pulvercappuccino mit viel H-Milchpulver drin und irgendetwas, dass die Dinge klebrig zäh macht. Damit muss man wohl groß geworden sein, um das zu mögen, wie unsereiner mit Kuhbonbons. Die gibt's jetzt übrigens auch aufs Brot, aber das ist dann wirklich Wurfmaterial für ärgste Feinde.

 

Lutschen oder kauen?

 

Helau, liebe Faschingsfreunde, welche Bonbons fangt ihr am liebsten? Und vor allem: Lutschen oder Kauen? Oder beides (so wie ich)? Und was haltet ihr von Zuckerl "ohne Zucker", wie man immer öfter lesen kann?

 

 

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