Ich koste … ENTE

Kirchweihsonntag ohne Entenstress - eine Geschichte darüber, wie ein paar gefrorene Hähnchenschenkel zu einem sehr feinen Rezept nach Asia-Art führen.

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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Seit ich in Bayern lebe, freue ich mich auf den Kirchweihsonntag. Was jetzt erst Mal nicht katholisch gemeint ist. Und mit Rummelplatzgefühlen hat es auch nichts zu tun. Oder doch: Denn bei Kerb (Name für Kirchweih in meiner 1. Heimat Hessen) und Kirtag (in meiner 2. Heimat Burgenland) habe ich schon als Kind nicht zuerst an Bergundtalbahn oder Dosenwerfen gedacht, sondern an Schaumwaffeln und Schaschlikspieße. Also ans Essen. Und das fällt in Bayern eigentlich jedem als erstes ein, wenn er Kirchweih hört. Und wenn man „Kirchweihsonntag” hört, dann kann man die Vögel auch schon fliegen sehen - die gebratenen in die Mäuler der Anhänger des kulinarischen Glaubens. Denn Enten und Gänse sind die Wappentiere dieses Tages, der dieses Jahr am 16. Oktober gefeiert wird.

 

Das hat bestimmt viele historische und liturgische Gründe, aber auch deren Basis ist letztendlich das nackte Leben. Und in dem gilt, das im Oktober bis in den November hinein die Enten und Gänse am besten zu essen sind. Zumindest jene, die sich nach alter Art auf der Weide mit viele Gutem einen natürlichen Wanst angefressen haben - anders als die im Stall fettgemästeten oder in der Tiefkühltruhe zwischengelagerten Weihnachtsgänse etwa. Aber mit der Gans warte ich noch bis Martini am 11. November, jetzt im Oktober sind die Tage golden für die elegantere Ente.

 

Die Geschichte von der Ente

 

Tatsächlich haben wir sie schon am vergangenen Freitag hier im Küchengötter-Kochstudio HUKODI gefeiert, als es zur ersten Freitagabendküche hieß: Alles auf Ente. Zubereitet wurde die recht asiatisch und serviert in kleinen knusprigen Stücken, wozu es auch eine Geschichte gibt, mit der ich aber an jenem feinen Abend nicht stören wollte. Doch an diesem kühlen Donnerstagvormittag scheint mir die Zeit gut dafür. Also: Ich war in den bayrischen Sommerferien zu Besuch bei Freunden in Hessen, die keine Ferien mehr hatten. Alle gingen daher morgens aus dem Haus und kamen im Laufe des Tages wieder, und wir saßen in einem 200-Seelen-Dorf und überlegten, was wir am Abend kochen. Das gab ich den Freunden dann immer am Bürotelefon durch und sobald sie mit der Ware kamen, wurde sie verkocht.

 

Am letzten Tag war die Idee: Hähnchen. Was dann um fünf Uhr in der Küche lag, war ein Beutel mit gefrorenen Hähnchenschenkeln. Und um sechs sollte es Essen geben. Hm, dachte ich, und dann: Pekingente. Denn die kommt vor dem Ofengrillen erstmal in kochendes Wasser, und mit dem Verweis auf diese Methode wollte ich nun das folgende Tun adeln: Alle Schenkel kamen in den größten Topf im Haus, dazu Knoblauch und Ingwer und Salz und Wasser und das alles einmal aufgekocht. Derweil eine Glasur gerührt aus Honig und Sojasauce, dann die Schenkel rausgefischt, trockengetupft, in je drei noch recht rohe Teile geteilt, in der Glasur gewälzt und auf Gitter und Blech für gute 15-20 Minuten starker Hitze ganz oben in den Ofen geschoben. „Ich tu die einfach nur mit Paprika und Öl einreiben und gefroren aufs Blech und in den Ofen damit”, sagte der Freund, das dauere auch nicht länger. Aber, mmmh, das Rezept hätte er schon gerne.

 

So, und was ist jetzt mit Ente? Nun, nach dieser Methode haben wir mit einigen Verfeinerungen unsere Freitagsente zubereitet, diesmal natürlich eine frische bayrische Bauernente im Ganzen. Und die war so gut, das wir ganz vergessen haben, sie zu fotografieren. Aber das Rezept habe ich jetzt aufgeschrieben - übrigens perfekt, wenn man am Kirchweihsonntag nicht so viel Entenstress haben will, weil da muss man eigentlich nur noch in den Ofen schieben, selbst das Tranchieren ist schon erledigt. Also, auf geht’s zur Kirchweih!

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auchwas
Kirchweih und gemachte Ente, klingt verlockend

Nur etwas  von Bayern  entfernt,  keine Kirchweih weit und breit ?! Aber danke für das Rezept  und Dank des Rezeptes  kann ich auch endlich und gerne,  die Entesaison beginnen.  

Ein schöner Blogbeitrag gefällt mir sehr. Einen  lieben Gruß an Sebastian Dickhaut,  nicht nur für  seine köstlichen Ideen,  seine Beiträge lese ich  immer so gerne.

Die Vielfalt der  Entezubereitung ein Eldorado:  Gerade das Asiatische hat was, Soja Sauce und etwas süßlich und knusprig und Ingwer und etwas scharf ……..und die Machart…

Aber auch nur mal in die Franzosenküche geschaut,  diese Entenkeulen, meiner Meinung nach gar nicht so oft angepriesen, warum frag ich mich,  die haben was und bieten viel und sind kostengünstiger. Klar keine Ersatzteile und vom Bauern in der Gegend ist auch meine Devise, aber  auch da gibt es inzwischen die Teile einzeln, für den "one-person-household" gedacht,  naja,  ich mag halt die Keulchen gerne  so im Gusstopf geschmort und mit Rosenkohl serviert. Was nicht heißt das ich das Rezept von Sebastion Dickhaut nicht probiere, nein, das gibt es gleich am Wochenende da habe ich jetzt Lust drauf und meine Mittagesser, die können es auch kaum erwarten. LG auchwas.

Aphrodite
Gefroren geht wirklich?

Abenteuerlich! Ich habe mal auf ähnliche Weise versucht, einen Stallhasen zu retten. Das Fleisch wurde und wurde nicht weich. Wahrscheinlich war das Tier schon 15 Jahre alt, wer weiß. Kaninchen & Co. sind seit dem gestrichen. An die Ente würde ich mich wagen und habe auch vor den Hühnerteilen gleicher Machart keine Scheu. Tolle Ideen!

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