ICH KOSTE: Glühwein

Tja, also, das ist jetzt knifflig, weil, na ja, wie soll ich sagen, dieses Getränk, Ihr wisst schon, mhm, genau. Ok, na gut, ich sag es jetzt gradaus: Lest selbst

ICH KOSTE: Glühwein
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Liebe Küchengötter-Redaktion,

 

Ihr wollt, dass ich etwas über Glühwein schreibe. Da erzähl ich Euch erst mal was: Letzten Sonntag bin ich zum Bäcker, Croissants holen. Macht man als gläubiger Familienmensch ja eigentlich nicht, da man damit den Kampf der Bäckereifachverkäuferin (BFVK) um ein Ausschlafen zusammen mit ihren nächsten Lieben untergräbt. Wobei ich mir überlege, ob sie dann nicht eh alleine wäre, denn sonntags stehen hier fast nur Männer an der Theke Schlange. Und ich weiß nicht, ob die das aus Nächstenliebe machen oder weil sie eine Nur-Werktags-BFVK zu Hause haben, die sie mit einem „Heut’ kümmerst Du Dich mal um die Backwaren” vor die Tür gescheucht hat.

 

Ich jedenfalls gehe aus Eigenliebe dahin, um vor dem Frühstück in Ruhe noch ein bisschen Luft zu schnappen (nicht: in Joggingschuhen nach Luft zu schnappen) und einen guten Schluck zu trinken. „Wie jetzt?” ruft Ihr mit einem Schielen auf die Überschrift, und ich sage „gar nix”, denn ich meine den Espresso, den ich mir da beim Sonntagsbäcker auf die Schnelle gönne, um mich gleich ein bisschen wie im Italienurlaub zu fühlen, wo der wahre Uomo sich nach dem Aufwachen erst mal einen kleinen Schwarzen gibt, bevor irgendwas geht.

 

Den Versuch, ganz alla italiana den Schluck an der Theke zu nehmen, unternehme ich gar nicht erst, denn wir sind in einem deutschen Backfachgeschäft und da wirkt das in etwa so unpassend wie im Drive-in mit dem Auto direkt an den Esstisch zu fahren. So sitze ich also am letzten Sonntag auf dem Fensterbrett, schaue wegen vergessener Brille gelangweilt die Bilder in der Zeitung an und höre plötzlich den Reim „Darf’s sonst noch was sein, mängs vielleicht an Glühwein?”

 

Alter Finne, was ist denn hier los? Glühwein morgens um zehn in Deutschland? Steigt hier gleich die Verbrüderungsparty zwischen aus dem Bett geworfenen Nur-Werktags-BFVK-Partnern und das Bett scheuenden Sonntags-BFVKs? Oder habe ich bisher einfach verpasst, dass die Jungs in meinem Viertel am Sonntagmorgen üblicherweise mit einem „Schatz, ich geh mal schnell Semmeln holen” aus dem Haus gehen, auf dem Gehsteig dann erst mal die Becker-Säge machen und beim Betreten des Bäckers sagen „Wie immer, Evi”, um dann nach einem echten Sonntag unter Männern im Stockdunklen nach Hause zu torkeln, wo die nun nicht mehr so liebe Liebste nur kurz und stummböse vom „Tatort” aufschaut, bevor sie das Sofa freimacht und sich im Schlafzimmer einschließt.

 

Während ich also gespannt am Fenster auf Kronkorkenknallen und Fangesänge warte, fragt der vorderste Mann in der Schoko-Croissant-Schlange die aufmunternd lächelnde BFVK: „Glühwein? Ist do Alkohol drinnen?” „Ja scho.” „Ah, na.” Der nächste sagt, „Ist noch’n bisschen früh, oder?”, der nächste „Gestern war’s spät”, und irgendwann sage ich mir „na gut” und stelle mich wieder in die Schlange, weil einer muss ja anfangen, und als ich an der Reihe bin und noch ein bisschen Mohnstollen für den Nachmittag gekauft habe, sagt die BFVK „Darf’s sonst noch was sein?” Und sonst nichts.

 

Ok, ich hätte natürlich sagen können, einen Glühwein bitte, aber morgens um kurz nach zehn in Deutschland an der Backtheke einen Glühwein zu bestellen, wie sieht denn das aus? Außerdem trinke ich das Zeug nicht, habe es noch nie getrunken, weil der Geruch mich schon das erinnert, was bei manchen auf dem Weg vom Weihnachtsmarkt nach Hause von dem Zeug übrig bleibt. Das hat die BFVK wohl gerochen, weswegen sie mich gar nicht erst kosten lassen wollte, weswegen wir uns für diesen Beitrag was anderes einfallen lassen müssen, liebe Küchengötter-Redaktion.

 

Nix für ungut

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nika
Ach Du Armer,

der Brötchenholdienst am Sonntag ist ja schon hart genug, da muss doch eine kleine Belohnung drin sein. Da ist doch das Angebot wie ein Glühwein am Sonntagvormittag wunderbar motivierend, es am nächsten Sonntag noch einmal zu  probieren, oder?

 

P.S.: Bei uns hättest Du auch noch vorher das Auto freischippen müssen, um überhaupt aus der Schneewehe vom Grundstück herunter zu kommen. Aber einen echten Ostfriesentee hättest Du bei uns auch bekommen. Vielleicht sogar einen mit einem Rum drin?

 

LG, nika

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