ICH KOSTE ... Hummus live

Wer von Galiläa nach Jerusalem pilgert, geht durch Zeiten und Welten. Da braucht es Verbindendes wie Hummus. Gut möglich, dass schon Abraham vom Kichererbsenpüree kostete

ICH KOSTE ... Hummus live
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Sebastian Dickhaut

Unterwegs in Israel und Palästina, vom See Genezareth zum Garten Gethsemane. Da geht es schon durch Welten und Zeiten, wenn man nicht mit gut 30 deutschen Pilgern, einem Kapuzinerpater und einem palästinensischen Fremdenführer unterwegs ist. Da braucht es Verbindendes.


Der erste Abend in einem Hotel am See, na ja, erstmal ist da noch ein Busbahnhof dazwischen und dann die Innenstadt von Tiberias, das kein Gesicht und keine Geschichte hat, Jesus ließ es links liegen. Unten fluten Pilgergruppen von allen Kontinenten rein und raus, im Speisesaal darüber trifft man sich, es ist nicht leise, lebendig eben.

 

Die Freude wohnt bei den Mezze


Schnell wird klar, dass die Freude hier am Vorspeisenbuffet wohnt, bei den Mezze. Die sind nie schlecht, manchmal richtig gut und in der Mitte steht immer ein Schale mit einer sandfarbenen Creme. “Was ist das denn?”, heißt es bei vielen am Anfang, zum Schluss der Reise wird Hummus auf allen Tellern zu finden sein, wie auch die dünnen Fladenbrottaschen, für die es offenbar nur einen Bäcker im ganzen Land gibt.


Ganz anders beim Hummus, das überall anders schmeckt. Das Beste gibt es gleich am nächsten Tag, nachdem wir den Berg der Seligpreisungen besucht haben. Zu Mittag geht es an eine rohe Terrasse am See, von Planen bedeckt und einem Luftzug geleckt (bei unserer Landung hatte es 41 Grad in Galiläa).


Drinnen in der Küche bereiten sie Petersfisch vor, dessen typischer Punkt an der Seite vom Daumen Petrus stammen soll, der hier Fischer war. Die Wahrheit wartet bei den Mezze, die nochmal ein ganze Stufe besser sind als am Abend davor. Nur wo ist das Hummus?


Es kommt mit dem Fisch, breit lachend stellt es der Chef auf unsere Tische, kleine Schalen mit einer samtigen Kicherbsencreme, nussig vom Sesam, fluffig vom Olivenöl, das auch noch großzügig darüber geträufelt ist. Ich sage dem Chef, wie gut die Mezze sind und er umarmt mich, denn die macht er immer selber. Das Rezept? Er lacht wieder, “komm, ich schenke Dir einen Kaffee!”

 

Von Hummus zu Hummus

 

So reisen wir weiter von Hummus zu Hummus, ans Mittelmeer und auf die Golanhöhen, den Jordan hinab ans Tote Meer, nach Jerusalem hinein und abends immer nach Bethlehem, wo am Ende unser Hotel liegt.


Einmal landen wir in einer Großkantine direkt an den Qumran-Höhlen, wo vor gut 50 Jahren die Schriftrollen entdeckt wurden, die ein Fundament der Bibel sind; einmal stranden wir in einer riesigen Klosterküche, deren Essensausgabe von zwei Busladungen Pilgern verstopft ist, die unser Fremdenführer für uns teilt wie Moses das Rote Meer.


Egal, es gibt Hummus und Brot, und das tut immer gut. Das essen Palästinenser wie Juden, die christlichen Aufseher der Grabeskirche wie deren Besucher aus allen Ecken der Welt. Es spricht wenig dagegen, dass es auch beim Letzten Abendmahl auf dem Tisch stand und dass es einst Sarah ihrem Abraham serviert hat. Hummus verbindet, es ist der Kitt über Grenzen und Zeiten. 

 

Das letzte Wort dazu gehört den Sprayern an der Mauer, die das palästinenische Bethlehem von Jerusalem trennt, wir fuhren jeden Morgen auf dem Weg zum Checkpoint daran vorbei. Sie ist fast dreimal so hoch wie es die Mauer in Berlin war, wenigstens kann man an sie heran. So wie vor zwei Jahren der Papst, der bei seiner Fahrt zur Geburtskirche hier halten ließ und sich zum Beten daran lehnte. Ob er auch Hummus probiert hat?

 

Hier unser schnelles Hummus Rezept aus Oriental Basics 

 

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