ICH KOSTE... Kartoffelbrei to go

Die neuste Summe aus Comfort Food, Bubble Tea, Take Away und Oh my God? Salzkartoffeln, von Hand gestampft, gerührt und eingebechert. Mit Muskat! Doch lest selbst.

ICH KOSTE... Kartoffelbrei to go
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Kommentare
Sebastian Dickhaut

Der Stachus ist der Platz, an dem München am meisten auf Großstadt macht. Ja klar, da steht ein altes Tor, der neugotische Gerichtspalast gegenüber ist auch sehr imposant und wenn man sich ein bisschen anstrengt, kann man sogar ein bisschen das Grün vom Alten Botanischen Garten sehen - wenn man nicht vorher unter die Räder kommt. Denn hier darf der Verkehr noch so ausladend kreuz und quer tosen wie in Deutschlands besten fußgängerzonenlosen Zeiten, und mit dem Sprühregen des Springbrunnens im Rücken kann man sich fast wie in einer dieser herrlich verplanten Städte in Italiens Norden fühlen; na ja, zumindest im Sommer. Wenn da nicht noch die ihre Schleifen ziehenden Trambahnen wären, deren Halteverhalten aber ähnlich durchschaubar ist wie der römischen Busfahrplan.

 

Fußgänger haben hier ganz schlechte Karten, wenn sie nicht irgendeine Treppe nach unten finden. Wobei es auch da ziemlich zugeht. Wer bloß eine S- oder U-Bahn der offiziell "Karlsplatz" genannten Schlüsselstation erwischen will, hat noch am meisten Glück. Denn runter kommt man immer irgendwie in die tiefen Schlünde hier und zur Not fährt man halt irgendwohin, von wo aus alles einfacher ist. Schwieriger ist es, wieder nach oben zu kommen, also dahin, wo man auch wirklich hin will. Weniger freundliche Menschen meinten bis vor einiger Zeit, dass das gewollt war, um die Leute nach ewiger Suche an irgendeinem fettigen Imbissstand stranden zu lassen, wo sie nach Wasser und Brot rufen und dann sogar glücklich waren, für eine ranzige Butterbreze mit Cola den Preis eines Mittagsmenüs zu zahlen. Ansonsten bliebe hier niemand freiwillig, hieß es.

 

Hey, was gibt's denn da neben den Dolce Vita Brezn? 

 

Womit wir beim Thema wären. Denn die Stachus-Passagen sind renoviert worden, schicke weiße Bubbles an der Decke, von den Putzmaschinen leider schon sehr abgenutzte Catwalks am Boden und dazwischen das pralle bunte Essen: tolles Thaifood zum Mitnehmen, schicke Sushi, kostbar verpackt, Pommes von Freunden und Brezn gibt's auch wieder. Aber die sind jetzt Dolce Vita, mit fröhlichen Belägen und einem Logo in Rosa. Aber hey, was gibt's denn da gleich daneben, wo die Leute Schlange stehen wie einst beim Bubble Tea und eine flotte Lotte schwer im Flow ist, Töpfe schleppend, Salzkartoffeln stampfend, Muskat reibend, Milch und Butter einrührend? Wow, es ist wahr: Hier gibt's Kartoffelbrei to go. Und der scheint ein Renner zu sein.

 

"Stimmt", sagt die flotte Lotte, als ich dran bin, und bei der Frage nach wie viel und wie oft zuckt sie nur fröhlich die Schultern. Betriebsgeheimnis? Ne, da hat einfach keiner Zeit zum Zählen, denn für so was ist das hier zu viel Handwerk. Eine Presse hilft zwar dabei, doch das Milchzapfen und Butterlöffeln wie auch das Verrühren im Plastikbecher verlangt immer noch ein gutes Händchen, was schon mal eine gute Erholung ist zu den auf Gramm und Sekunde durchgeplanten Arbeitsabläufen in der umsatzstärksten Burgerbratfiliale der Welt eine Etage höher.

 

"Hast Du mir was mitgebracht?" Ja, Kartoffelbrei! 

 

Aus der Handvoll Extras wähle ich den Klassiker Röstzwiebeln und einmal Käse, was der Mittester daheim immer an allem mag. Muskat kriegt er aber auch, da wird man hier extra gefragt. Nach dem Rühren wird noch mal großzügig aufgestreut, Deckel drauf, rein in die Girlie-Tüte und ab damit nach Hause, schon an der Tür rufend: "Essen ist fertig, es gibt Kartoffelbrei!" Und der Rest war nach einer kurzen Wunderphase seliges Schweigen. Denn es schmeckt zwar nicht wie bei Muttern, aber sehr hand- und frisch gemacht. Und hey, erst der Muskat...

 

Als wir uns dann durchgelöffelt haben, kommen wir doch wieder ins Reden und schließlich ins Freuen, dass die neueste Summe aus Comfort Food, Bubble Tea, Take Away und Oh my God schlicht und einfach der gute alte Kartoffelbrei ist. Hab ich ja schon immer gesagt - nicht drüber zu jammern, das alle nur noch Burgerpizzadönerpommes wollen statt auf gut Deutsch zu essen, sondern selbst was Gutes machen und dabei gerne von den anderen lernen. Und wenn Ihr selbst das mal kennenlernen wollt - hier geht's zum Brei to go.

 

 

 

ICH KOSTE... Kartoffelbrei to go
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Aphrodite
Toll, wenn Brezelina in der Nähe ist.

Mit der Tram fahren in München finde ich auch ganz spannend, besonders wenn man in die falsche Richtung einsteigt, irgendwo in der Pampa zwischen Hochhäusern wieder raus kommt (oder dachte, dass man in die falsche Richtung fährt und drei Stationen zu früh aussteigt) und einem an der nächsten Tanke auch keiner sagen kann, wie man jetzt an ein Taxi kommen kann. Wie wärmend ist da der Gedanke an eine Portion Kartoffelbrei. Selbst wenn ich mir das jetzt drei Mal vorstelle. Kartoffelbrei wäre mir da bis heute nie in den Sinn gekommen. Ich denke schon den ganzen Tag an KARTOFFELBREI und bin immer noch nicht so weit, dass ich mich an der Schlange anstellen würde. Brei aus dem Pappbecher. Das sind wahre Gedankenstürme im Hirn. Story und Artikel wie immer köstlich.

Belledejour
Zufall oder was ?

Nachdem ich heute erstmals gegen Abend hier reinschaute, las ich nur Kartoffelbrei. Hmm ........ wieso gabs bei uns heute eine sog. Schlachtplatte ? (die war übrigens köstlich mit Sauerkraut, selbst gekochtem Kartoffelbrei, Blutwurst und Leberwurst.) Bestimmt nicht aus dem Stachusverkauf, denn in München wohne ich ja nicht, kenne aber diese sog. Einkaufsmeile und fand sie immer schon schrecklich. Nicht böse sein @ alle Münchner !

Aber ehrlich, ist das so toll, diesen fertigen Brei zu kaufen und nicht einfach abends selbst zu kochen ???? Ganz einfach sogar mit ungeschälten  Kartoffeln und dann ab durch die Presse ! Tut mir leid,Kartoffelflocken u. Fertigessen war noch nie unser Fall ! Wohin driftet nur unsere junge Generation ?? Alles muss es scheinbar *to go* geben.

lundi
Ich würde mich ganz sicher anstellen

Denn Kartoffelbrei finde ich sooo lecker, da könnte ich kaum vorbei gehen. Und wenn ich das richtig verstanden habe, ist der aus Kartoffeln und nicht aus Flocken? Leider war ich noch nie in München, große Städte und Einkaufsmeilen versuche ich zu meiden, und der Brei reicht sicher nicht, um mich zu locken.

 

@Belledejour Manchmal hat man wirklich keine Zeit zu kochen oder auch keine Lust. Da finde ich KB ganz OK: nahrhaft, sättigend, viele Vitamine und Mineralstoffe. Man braucht nicht mal kauen, nur schlucken (hihi). Vorausgesetzt, er ist wirklich aus Kartoffeln. Schlachteplatte kommt dagegen natürlich nicht an. Und die Wurst, machst Du die auch selbst? Meine Schwiegerelten machen regelmäßig Blut- und Leberwurst. Das wollte ich schon lange mal lernen, aber mir fehlt noch das letzte Stück Motivation.

Viola Booth
Wahnsinng leckerer Kartoffelbrei

Zugegeben, Kartoffelbrei to go mag sich erst einmal komisch anhören. Aber ein richtiges Urteil kann man sich erst bilden, wenn man den Brei zum Mitnehmen mal gekostet hat.

 

Wer sich bei Brezelina in der Schlange anstellt, ist nämlich weit davon entfernt sich in eine eckelhafte Fast-Food-Erfahrung zu begeben. Dieser Kartoffelbrei hat eigentlich gar nichts mit Fertigessen gemein. Ganz im Gegenteil: von Kartoffelflocken keine Spur. Der Brei wird vor den Augen aus echten, frischen Kartoffeln zubereitet, gestampft und mit Milch und Butter verrührt. Also genau, wie in der heimischen Küche. Hausmannskost ... unterwegs!

 

 

Nur auf den schicken Teller muss man verzichten und dafür Vorlieb mit einem Plastikbecher nehmen. Aber mal ganz ehrlich, ist es für die junge Generation (zu der ich mich zähle :-)) nicht besser frischen Kartoffelbrei aus einem Plastikbecher zu essen, als den fettigen Burger aus dem triefenden Papier zu wickeln? Also wenn einem beim Einkaufsbummel in der Stadt der Hunger packt, gibt es kaum eine bessere Alternative. Mein Tipp: Beim nächsten Shopping-Trip in München unbedingt einmal selbst ausprobieren ... es lohnt sich :-) Vielleicht schaffe ich es dieses Wochenende ja auch mal wieder ...

Belledejour
Hallo Ihr Beiden

@ lundi - oh nein, die Wurst mache ich natürlich nicht selbst. Ich habe einen Metzgers des Vertrauens. Dort kaufe ich all meine Fleischprodukte ein. Da ich Sellerieallergikerin bin, muss ich halt bei allen Nahrungsmitteln vorsichtig sein. Wenn ich im Supermarkt einkaufe und irgendetwas im Glas oder verpackt kaufen möchte, beginnt als erstes für mich das Lesen der Inhaltsstoffe. Und ihr glaubt nicht, wo überall Selleriespuren drin sind.

Kleines Beispiel: Neulich als wir bei Freunden zum Reibekuchenessen eingeladen waren. Die Köchin hatte den frisch geriebenen Teig mit Selleriesalz gewürzt. Kann man mir mal sagen, warum so etwas sein ??? Nicht umsonst ist Sellerie in ganz Europa deklarationspflichtig ist.

@Viola

Das ist natürlich auch für mich ein Grund, selten mal eben etwas an der *Straße* essen zu können. Vielleicht bin ich daher verwöhnt und esse lieber nur selbst gekochtes. Niemals Fertigprodukte ! Das hat allerdings auch schon lange Tradition in unserer Familie. Es ist ein ganz anderes Geschmackserlebnis. Meine Kinder essen natürlich gern mal eine Bratwurst auf der Hand oder eine Pizza vom Italiener. Häufig kam und kommt heute aber immer noch die Aussage, na ja - kein Vergleich zu Eurer Hausmannskost. Und sie selbst essen auch lieber frisch gekocht als irgendein Fertigprodukt. Für mich ist daher besonders dieser Kartoffelbrei unverständlich. Das zu kochen selbst nach einem langen Arbeitstag ist doch wirklich puppeneinfach. Prioritäten setzen und gerade bei unserem Essen ist für mich sehr wichtig.

Hast Du selbst schon einmal Kartoffelbrei gemacht ?

 

 

 

 

Bettina Müller
Kartoffelbrei to go

Liebe Belledejour,

 

ich liebe Kartoffelbrei. Und mache ihn auch selbst. Und hier ist auch ganz klar, das nichts über selbst gemachten geht. Deswegen finde ich es auch so toll, dass er bei Brezelina selbst gemacht wird (und ich das Glück habe in München zu wohnen, wo es sie gibt). Direkt vor meinen Augen! Es ist für mich deswegen weder Fertigprodukt noch Fast Food. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin und Hunger habe, ist es einfach eine tolle Möglichkeit, etwas leckeres zu essen, ohne erst noch Kartoffeln einkaufen zu müssen, nach Hause fahren zu müssen und dann zu kochen. 

Viola Booth
@Belledejour

Ob ich schon einmal Kartoffelbrei selbst gemacht habe? Selbstverständlich! :-) Ich liebe Kartoffelbrei und bereite ihn zuhause sehr oft zu. Aber bei mir ist es eben so, wie auch Bettina schreibt - wenn ich unterwegs bin, ist es doch super das ich die Möglichkeit habe, auch dort einen FRISCHEN Kartoffelbrei zu essen. Das ist wesentlich besser als all die Burgerketten-Alternativen. Und nur weil ich ihn dann ausnahmsweise nicht selbst mache, sondern mich von den netten Mitarbeitern bei Brezelina sozusagen bekochen lasse, heißt das ja nicht, dass ich meinen eigenen Kartoffelbrei aus meiner Küche deshalb weniger schätze ... Wenn Du mal in München bist, lade ich Dich gerne zu einem Versuch ein ;-)

Rinquinquin
Ich gehöre zu den Fossilien

Mir beim Gehen etwas reinzuziehen, widerstrebt mir total. Ich glaube, das muss man gelernt haben, denn ich verschlucke mich, bekleckere mich und bin anschliessend unzufrieden mit mir wegen der hastigen Esserei. Gestrichen. Ich überlebe auch ohne Kaffeebecher oder Wasserflasche in der Hand. Aber macht nur, ich sage ja, dass ich zu den Fossilien gehöre und jeder darf so, wie er möchte.

Liebstöckel
Quo vadis?

Esse ich um zu leben, oder lebe ich um zu essen? - Eine kürzlich veröffentliche Fora-Umfrage besagt, das ca. die Hälfte aller Deutschen dem Essen wenig Bedeutung beimessen. Bei den Jugendlichen sind es noch mehr. Ich gehöre zum anderen Klientel.

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